Am Samstag wird Eröffnung gefeiert

Computermuseum Digital Retro Park: Zeitreise in die Pixel-Welt

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Auch ein Exemplar des „Poly Play“, des einzigen Arcade-Automaten, der in der DDR hergestellt wurde, können die Besucher des Museums ausprobieren, wie Falk Heinzelmann demonstriert.

Offenbach - Computer aus den 70er Jahren, Arcade-Automaten und mehrere Generationen Spielekonsolen – auf knapp 200 Quadratmetern vollzieht das Museum Digital Retro Park die Evolution der Datenträger und Unterhaltungselektronik nach. Von Marian Meidel

Am Samstag öffnet es in der Walter-Passage erstmals seine Pforten. Wir haben vorab eine Führung genossen.
Länger als 40 Jahre ist es her, dass die Konsole Atari 2600 auf den Markt kam und beliebte Videospiele wie „Pong“ und „Space Invaders“ aus den Spielhallen ins heimische Wohnzimmer brachte. Der Digital Retro Park, das brandneue Museum, das am Samstag in der Walter-Passage eröffnet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Geräte wie dieses wieder interaktiv erfahrbar zu machen. Seine Macher nennen es das „Senckenberg der Computer“. „Hinter Kordeln und Glas gibt es die Geräte überall zu sehen“, sagt Mit-Gründer Falk Heinzelmann und lächelt. „Aber das ist wie ein Auto, das man nicht fahren kann – nur die Hälfte des Spaßes.“ Im Retro-Park dürfen die Besucher jeden Apparat benutzen, zeitgenössische Spiele ausprobieren und alte Computer-Programme erkunden. Die gesamte Erfahrung gleicht einer Zeitreise durch die Entwicklungsstadien der Daten- und Unterhaltungselektronik.

Dieses Konzept spiegelt sich auch in den räumlichen Details wider. Plättchen an den Türen weisen darauf hin, dass die Ausstellungsräume nach den sechs Programmiererinnen des amerikanischen Großrechners „Eniac“ von 1946 benannt sind, dem ersten universell einsetzbaren Digitalcomputer. „Die Großrechner haben damals noch ganze Räume ausgefüllt“, berichtet Heinzelmann. Auch im Digital Retro Park sind die Zimmer mit Computern gefüllt – aber natürlich mit mehreren kleinen. So verbirgt sich im Raum „Betty“ – benannt nach Frances Elizabeth Holberton – beispielsweise der Bereich mit den Spielekonsolen. Hier warten nicht nur das berühmte „Super Mario“ des japanischen Herstellers Nintendo darauf, ausprobiert zu werden, sondern auch ältere Exemplare wie der US-amerikanische Spieleklassiker „Pitfall“, der für den Atari 2600 entwickelt wurde. „Erst nach dem großen Crash von 1983, dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der Videospielindustrie in den USA, ist der ganze Konsolenmarkt aus Japan gekommen“, erklärt Falk Heinzelmann. Zuvor sei der Markt von amerikanischen Produzenten dominiert worden.

Die historischen Geräte sind noch voll funktionsfähig.

Eindrucksvoll ist auch die technische Evolution der Heimcomputer, die anhand der Ausstellungsobjekte nachvollzogen werden kann. „Der Personal Electronic Transactor – kurz „PET“ – fand trotz seines Namens eher in Firmen Anwendung“ sagt Heinzelmann und deutet auf einen Rechner mit trapezförmigem Monitor und eingebautem Kassettendeck. Heute ist dieser Umstand fast in Vergessenheit geraten, aber bis Mitte der 1970er Jahre fanden die handlichen Kassetten, die als Tonbänder für den Heimgebrauch mit Musik und Hörspielengefüllt wurden, auch als Datenträger für Computer Verwendung. „Die Speicherkapazität beträgt zwischen 100 und 1024 Kilobyte auf einer 30-Minuten-Kassette“, ist im entsprechenden Ausstellungsraum auf einer Infotafel zu lesen. Abgelöst wurden sie erst durch die sogenannte „Mini-Floppy-Disc“, einen Vorgänger der Diskette.

Heimcomputer C 64 kehrt als Mini zurück

Für seine Macher ist das Museum ein Herzensprojekt. „Wir sind Sammler aus Leidenschaft“, so Heinzelmann. „Wir haben daheim die Keller voll mit Maschinen.“ 2009 sei unter den computerbegeisterten Hobby-Tüftlern des zu diesem Zweck gegründeten Digital Retro Park e.V. erstmals die Idee aufgekommen, den liebevoll gepflegten Privatbesitz öffentlich auszustellen. „Wir haben erst mal bei der Stadt Hanau vorgesprochen, und die waren hochbegeistert.“ An den nötigen Finanzmitteln für ein neues Museum mangelte es der Stadt jedoch, daher wurde aus Hanau als Standort nichts. Falk Heinzelmann und seine Mitstreiter machten sich also selbst auf die Suche nach Geldern und geeigneten Räumlichkeiten. 

Mithilfe der Crowdfunding-Initiative „kulturMut“ der Frankfurter Aventis-Foundation gelang es ihnen, durch Schwarmfinanzierung ein Stadtbudget in Höhe von gut 25 000 Euro zu sammeln. Die geeigneten Räume fanden sie schließlich nach langer Suche in Offenbach. Mit dem Einzug in die Walter-Passage an der Frankfurter Straße hat der Digital Retro Park mitten in der Innenstadt ein Zuhause gefunden. Ergänzend zu den Ausstellungsräumen soll es im Museum einen Café-Bereich geben, in dem auch Workshops, Vorträge und Kultur-Veranstaltungen stattfinden. Zum Zeitpunkt der Besichtigung ist er zwar noch eine reine Baustelle, aber Falk Heinzelmann zeigt sich zuversichtlich, dass der Bereich rechtzeitig zur Museumseröffnung am kommenden Samstag fertig wird.

Infos zur Museumseröffnung

  • Der Digital Retro Park in der Walter-Passage, Frankfurter Straße 13-15, feiert am kommenden Samstag, 13. Oktober, von 11 bis zirka 17 Uhr seine Eröffnung. Die offizielle Begrüßung ist um 11.30 Uhr.
  • Zu diesem Anlass gibt es mehrere Führungen sowie Livemusik vom Duo „Melted Moon“, das für seine nostalgische 8-Bit-Elektromusik unter anderem umgebaute Gameboys als Instrumente benutzt. Auch Kindern wird es abseits der Spielekonsolen nicht langweilig – für sie gibt es eine Bügelperlen-Aktion.
  • Wie die Öffnungszeiten des neuen Innenstadt-Museums in Zukunft aussehen werden, ist bislang noch nicht klar. Fest steht aber, dass der Digital Retro Park immer samstags geöffnet haben wird.
  • Der Eintritt kostet regulär fünf Euro.

Weitere Infos: www.digitalretropark.de

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