Töpfern, tanzen, trommeln

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Mit Eifer und Konzentration bei der Sache sind die kleinen Besucher des Jugendkunstschulmobils (Jukumo) an der Friedrich-Ebert-Schule

Offenbach - Luca und seine Klassenkameraden sind hoch konzentriert. Sie formen den noch weichen Ton in ihren Händen zu Figuren, tunken Pinsel in Farbe, malen sie an. Luca ist am schnellsten fertig, zeigt stolz seinen schwarzen Vulkan, von dem rote Lava runterläuft. Von Veronika Schade

„Das war gar nicht schwer“, ruft der Friedrich-Ebert-Schüler erfreut. Wenn jeden Donnerstagnachmittag das Jugendkunstschulmobil (Jukumo) auf den Schulhof kommt, ist es für viele der Kinder ein echter Höhepunkt – auch Lehrerin und kommissarische Schulleiterin Bianca Kindermann ist begeistert: „Selten erlebe ich, dass Kinder so lange und so geduldig irgendwo zusammen sind, ohne zu streiten. Hier ist es immer eine schöne, entspannte Zeit.“

Das Jukumo ist eins der Angebote des Projekts „Offenbach on Cooltour“, das Bestandteil des Programms „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist. Ziel ist es, Kunst und Kultur Kindern näher zu bringen, die von Haus aus keinen Zugang dazu haben. Also kommen die Angebote zu den Kindern – an die Schulen, in die Stadtteile.

„Bei Jugendkulturangeboten vermisste ich früher eine bestimmte Klientel“, sagt Jugendamtsmitarbeiter und Projektleiter Michael Koch. Das Bundesprogramm, das sich vor allem an sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche richtet, begann im Mai. Es hat eine Laufzeit von drei jahren, insgesamt werden 250 Millionen Euro an lokale Träger verteilt. „„Jetzt erreichen wir endlich die Hauptzielgruppe der Jugendhilfe“, freut sich Koch und ist stolz, dass Offenbach als eine der ersten Städte ausgewählt wurde. Die jährliche Fördersumme für die „Cooltour“ beträgt 12 000 Euro.

Beim Offenbacher Modellprojekt kooperieren zwölf Einrichtungen und Initiativen. Es basiert auf zwei Säulen – regelmäßigen mobilen Kulturangeboten und mehrtägigen Ferienaktionen unter der Überschrift „Kultur macht keine Ferien“. Zu ersteren gehört das „OffRockMobil“, ein Musikprojekt, das zweimal wöchentlich Halt macht an der Mathildenschule. „Es besteht aus einer Trommelgruppe und einer Rockband, das Projekt mündet in einer großen Aufführung“, erzählt Claudia Weigmann-Koch vom Jugendamt. 14 bis 17 Jugendliche sind regelmäßig dabei. Neun bis elf Jugendliche wiederum machen mit bei M.O.V.E., einem Tanz- und Theaterangebot einmal wöchentlich an der Geschwister-Scholl-Schule.

Die meisten Kinder erreicht das Jukumo. Seine regelmäßigen Stationen sind seit einem halben Jahr das Lauterborner Jugendzentrum (bisher 60 Kinder), der Kindertreff Neusalzer Straße (90 Kinder) und die Friedrich-Ebert-Schule, wo bereits 680 Kinder, darunter viele aus der Siedlung Im Eschig, getöpfert, gemalt, gewerkelt und gebastelt haben. „Jedes Kind entscheidet selbst, was es mit welchem Material machen möchte. Im Unterschied zur Schule ist das Lernen nicht angeleitet“, erläutert Jugendamtsmitarbeiter Rolf Scherer. Auch Eltern zeigen sich geduldig. „Manchmal müssen sie länger warten, bis ihr Kind sich abholen lässt“, beobachtet die kommissarische Schulleiterin Kindermann. Ein neues Projekt, ein Trommelkurs, beginnt am 20. November, 18 Uhr im Jugendzentrum an der Ernst-Reuter-Schule. Viele weitere Ideen nehmen Form an.

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