Bislang durchs Raster gefallen

T-Raum: Corona-Bestimmungen sprengen Möglichkeiten im Zimmertheater

Frank Geisler ist aktuell wenig amüsiert.

Es ist einer der Corona-Lockerungen, die die Landesregierung beschlossen hat: Veranstaltungen bis 100 Personen sind erlaubt und nicht genehmigungspflichtig – wenn Hygiene- und Abstandgebote eingehalten werden.

Offenbach – In der Summe soll es ein Schritt zurück in die Normalität sein. Allerdings steckt der Teufel im Detail, wie Frank Geisler, der mit Sarah C. Baumann den T-Raum betreibt, zu berichten weiß. Er sieht das Ganze für das Zimmertheater eher skeptisch.

Er sagt: „Inwieweit diese Erlaubnis bei uns umgesetzt werden kann, ist aufgrund der beschränkten Räumlichkeiten fraglich“. Da es verpflichtend sei, die Hygiene- und Abstandsregeln des Robert-Koch-Institutes zu beachten und umzusetzen, dürften nach einer ersten Einschätzung der räumlichen Situation maximal acht bis zehn Zuschauer pro Vorstellung zugelassen werden anstelle von den üblichen 40.

„Da im laufenden Veranstaltungsbetrieb die Kosten jedoch noch höher sind als bei geschlossenem Haus, kann bei einer solch geringen Personenanzahl kaum kostendeckend gearbeitet werden – geschweige denn, dass es eine Entlohnung für die Arbeit gäbe“, sagt Geisler. Und auch das Anschaffen von Trennscheibe im Kassenbereich, das Bereitstellen von Hygienestationen und Desinfektionsmitteln koste zusätzliches Geld.

Zwar werden die beiden Theatermacher ständig gefragt, wann es denn wieder losgehe, „aber ein Spielbetrieb wie vor der Krise ist unter den gegebenen Umständen bis auf Weiteres nicht absehbar. Wir werden prüfen, wie sich das alles im Detail darstellt. Eventuell können wir punktuell das ein oder andere Kleinevent anbieten oder eine szenische Lesung, bei der weniger Platz auf der Bühne benötigt wird, aber einen Spielplan wie vor der Krise wird es wohl erst geben können, wenn alle Einschränkungen aufgehoben sind.“

Damit der T-Raum während der Krise nicht gänzlich von der Bildfläche verschwindet, wurde ein YouTube-Kanal installiert, in dem wöchentlich Lesungen eingestellt werden und wo es demnächst Kabarett geben wird. Die Nutzung des Kanals ist gebührenfrei, aber die Schauspieler würden sich über sogenannte Eintrittsspenden zu ihren virtuellen Bemühungen freuen, „da diese nötig sind, um die Schließung des Theaters zu überstehen“. Man habe zwar recht ordentlich Gutscheine verkauft, „diese verlagern das finanzielle Problem aber nur auf einen späteren Zeitpunkt“.

Darüber hinaus werden Sondierungsgespräche geführt mit Institutionen, die von der Räumlichkeit her besser geeignet sind, die gültigen Abstandsregeln einzuhalten und wo man vor mehr Zuschauern spielen könnte. Geisler: „Daraus könnten sich Kooperationsmöglichkeiten ergeben und die Chance, die ein oder andere Vorstellung zu spielen. Mehr als Schadensbegrenzung ist dies aber auch nicht, da wir die Einnahmen aus dem Gastspiel ja mit dem Veranstalter teilen müssten, der den Raum zur Verfügung stellt.“ Letztlich werden die Theatermacher – je länger das Ganze dauert – mehr und mehr auf staatliche Hilfe und auf Spenden angewiesen sein. Bisher sei man jedoch bei allen Hilfsprogrammen durchs Raster gefallen.

Der YouTube Kanal des Offenbacher T-Raum ist zu finden unter der Internet-Kurzadresse t1p.de/r9oe. Spendenwillige nehmen Kontakt auf unter www.of-t-raum.de/contact/.

mk

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