Fallstrick im System

Großer Ärger im Impfzentrum: Etliche Menschen mit Termin wieder weggeschickt

Ein Mann und eine Mitarbeiterin im Impfzentrum.
+
Weitere Betroffene berichten davon, wie sie im Offenbacher Impfzentrum abgewiesen worden sind. Alle Fälle haben eines gemeinsam: Der Fehler liegt im System und nicht bei den Impfwilligen. (Symbolbild)

Im Impfzentrum Offenbach werden mehrere Personen abgewiesen. Dabei haben sie einen gültigen Termin. Für die Impfwilligen ist es ein Rätsel.

Offenbach – Nach dem Bericht über Elard Mey, dem trotz gültigen Termins die Impfung verweigert wurde, haben sich noch mehr Betroffene gemeldet, die im Offenbacher Impfzentrum abgewiesen worden sind. Alle Fälle haben eines gemeinsam: Der Fehler liegt im System und nicht bei den Impfwilligen.

Obwohl Elard Mey als Musiklehrer an einer Privatschule einen gültigen Termin von der Impfhotline zugeteilt bekommen hatte, wurde er im Impfzentrum Stadthalle am 8. April abgewiesen und hinauseskortiert. Die Begründung: Musiklehrer sind nicht priorisiert. Was wie ein Einzelfall aussah, hat sich im Nachgang der Berichterstattung zu etwas entwickelt, das auf ein strukturelles Problem bei der Abwicklung der Impftermine hindeutet. Denn aufgerüttelt durch Elard Meys Fall haben sich weitere Betroffene in der Redaktion gemeldet und ihre Erlebnisse im Offenbacher Impfzentrum geschildert.

Torsten Buckpesch hatte ein ähnliches Erlebnis einen Tag zuvor. Auch er ist Musiklehrer an Privatschule und hatte vom Land einen gültigen Impftermin für sieben Uhr zugeteilt bekommen. Auch er wurde mit derselben Begründung wie Elard Mey ohne Impfung weggeschickt.

Corona in Offenbach: Bei der Stadt ist man bemüht, die Fälle aufzuklären

Ihn ärgert vor allem eines: „Ich habe von Kollegen erfahren, dass sie ihre Impfung bekommen haben. Diese Kollegen unterrichten ebenfalls ausschließlich privat.“ Die Situation sei für einen juristischen Laien undurchsichtig. „Und ganz offensichtlich durchblicken selbst die Impfzentren diese Regelungen nicht. Denn je nach Zentrum wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen.“

Auch Hansjoachim Langenkamp berichtet Unglaubliches von seinem Impftermin am 12. April. „Am Montag ging ich zu meinem Diabetologen, um den neuesten Diabeteswert feststellen zu lassen“, sagt Langenkamp. Pünktlich um 21.40 Uhr erscheint er dann zum Termin am Impfzentrum. Bei der Namenskontrolle wird sein Name auf der Liste zunächst gefunden. „Ich gab meine Unterlagen am Schalter ab, dann war da aber eine große Verwirrung bei den Damen“, berichtet der Senior. Man lässt ihn 20 Minuten warten, erst dann wird ihm eröffnet, dass man ihn nicht impfen könne – weil er erst drei Tage später 70 Jahre alt werde und erst dann berechtigt sei.

Stadt Offenbach will Fälle im Impfzentrum aufklären

Bei der Stadt ist man bemüht, die Fälle aufzuklären. Im Fall von Elard Mey sei die Sache laut Pressesprecher Fabian El-Cheikh, eindeutig.

„Nach eigenen Angaben handelt es sich bei dem Antragsteller um einen Musiklehrer, der in der Newmusic-Academy Unterricht erteilt.“ Bei dieser Akademie handele es sich laut El-Cheikh nicht um eine Schule im Sinne des Hessischen Schulgesetzes. Somit falle Mey nicht unter die Privilegierung der Impfverordnung. Eine ähnliche Antwort erhält auch Torsten Buckpesch nach einer Beschwerde bei der zuständigen Task-Force in Wiesbaden.

Bei Langenkamp hat man jedoch vor Ort einen Fehler begangen. El-Cheikh: „Herr Langenkamp ist impfberechtigt und hatte einen gültigen Impftermin. Fälschlicherweise wurde er abgewiesen.“ Er habe aber noch am selben Tag einen neuen Termin für den Folgetag erhalten, den er jedoch ablehnte und stattdessen einen Alternativtermin für den 17. April vereinbarte.

Corona in Offenbach: „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten sehr“

Langenkamp bestreitet, jemals einen Ersatztermin von der Stadt angeboten bekommen zu haben. „Ich selbst habe mich am Folgetag in Wiesbaden so lange durchgefragt, bis ich einen neuen Termin erhalten habe. Alles andere ist gelogen.“ Generell erscheine ihm die Vorgehensweise im Impfzentrum fragwürdig. „Am nächsten Tag wurde ich sogar von einem Mitarbeiter angerufen, der wissen wollte, warum ich meinen Termin nicht wahrgenommen habe.“ Als er das gehört habe, sei er vom Glauben abgefallen.

„Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für Herrn Langenkamp sehr. Das Personal im Impfzentrum setzt sich mit großem Engagement für ein gutes Gelingen der Impfungen unter doch recht widrigen Bedingungen ein“, sagt El-Cheikh. In den allermeisten Fällen verliefen Registrierung, Anmeldung und Durchführung der Impfungen reibungslos. „In einzelnen Fällen stellen sich jedoch individuelle Situationen bei den Impfwilligen heraus, für die es nicht immer sofort eine klare Antwort gibt.“

Im Fall der beiden Musiklehrer liegt diese jetzt auf dem Tisch. Warum jedoch Kollegen von Mey und Buckpesch mit derselben Vita und derselben Berufssituation in anderen Impfzentren offenbar problemlos geimpft wurden, kann sich in Wiesbaden keiner erklären. Dort heißt es: Da müsse man erst ausführlich nachprüfen. Und das könne dauern. (Christian Reinartz)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare