Eine Belastungsprobe

Ladeneröffnung mitten im Corona-Lockdown: „Angst davor, wie es weitergeht“

Zwischen Stoffen, Nähmaschinen und Schnittmustern: In ihrem Laden entwerfen Evalotte Dronka (links) und Clara Maldener ihre eigene Mode, bieten aber auch Änderungs- und Maßarbeiten sowie Nähkurse an.
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Zwischen Stoffen, Nähmaschinen und Schnittmustern: In ihrem Laden in Offenbach entwerfen Evalotte Dronka (links) und Clara Maldener ihre eigene Mode, bieten aber auch Änderungs- und Maßarbeiten sowie Nähkurse an.

Geschäftsinhaber trifft der Corona-Lockdown besonders hart. Zwei Frauen aus Offenbach wollen trotz der widrigen Umstände durchhalten.

Offenbach – Auf dem Tresen im Verkaufsraum des kleinen Ladens an der Ecke, wo Liebig- auf Senefelderstraße trifft, liegen noch die Flyer aus, mit denen die Kunden zur Geschäftseröffnung eingeladen werden sollten. 21. März 2020, da sollte es nach arbeitsreichen Wochen für Evalotte Dronka und Clara Maldener offiziell losgehen, im eigenen Ladenlokal, mit „Passepartout“.

Doch dann war da Corona, Lockdown, und die beiden jungen Frauen mussten erst einmal einen Gang zurückschalten. Mittlerweile läuft der Betrieb, überwiegend auf Sparflamme, so, wie es die Corona-Regeln eben gerade zulassen.

Offenbach im Lockdown: „Wir haben das von Anfang an gut durchkalkuliert. Aber natürlich ohne Corona“

Seit 2018 sind Clara Maldener und Evalotte Dronka mit ihrer nachhaltigen Modemarke „Passepartout“ selbstständig. Gleich nach Abschluss ihrer Ausbildung zu Maßschneiderinnen an der Käthe-Kollwitz-Schule, wo sie sich Evalotte Dronka und Clara Maldener kennengelernt haben, wollten sie – damals noch gemeinsam mit einer dritten Mitstreiterin – ihr eigenes Ding machen. Das Konzept: handgenähte Kleidung, nachhaltige Materialien, nicht ganz günstig, dafür hochwertig und langlebig. „Wir finden, man kauft besser einmal etwas Gutes statt immer wieder günstig und neu“, erläutert Clara Maldener die Idee. Bislang verkauften sie ihre Kleidung online und auf Märkten. Der eigene Laden ist der nächste große Schritt.

Die beiden 23-Jährigen bieten dort nicht nur ihre eigenen Entwürfe an, sondern auch Maß- und Änderungsarbeiten, geben Nähkurse für Kinder und Erwachsene. Zumindest im Sommer konnten sie Kunden in ihrem Laden bedienen, einige ihrer Ideen und Pläne umsetzen. Dann kam der erneute Corona-Lockdown. Derzeit dürfen sie als Handwerksbetrieb ausschließlich Änderungs- und Maßschneiderein anbieten.

Wenigstens das, die Einnahmen sind wichtig für die beiden. Die Renovierung des Ladenlokals haben sie komplett von ihrem Ersparten finanziert und auch weiterhin müssen sie laufende Kosten zahlen. „Wir haben das von Anfang an gut durchkalkuliert. Aber natürlich ohne Corona“, sagt Evalotte Dronka.

Offenbach: Modedesignerinnen haben Geschäft in Eigenregie renoviert

Nachdem die Modedesignerinnen wochenlang in Eigenregie renoviert, viel Zeit, Kraft und Geld in die Geschäftsräume investiert haben, hätten sie sich den Start etwas weniger holprig gewünscht. Auch wenn die Sache mit dem eigenen Laden alles andere als von langer Hand geplant war, sobald sie sich dafür entschieden hatten, waren sie voll bei der Sache. „Das war eigentlich ziemlich spontan“, erzählt Clara Maldener. Reißverschlüsse und vielleicht auch noch anderes Nähzubehör, nach mehr suchten Evalotte Dronka und Clara Maldener nicht, als sie im Januar vergangenen Jahres über eine Kleinanzeige auf die Geschäftsaufgabe einer Schneiderei in der Senefelderstraße 47 aufmerksam wurden.

Die Betreiber wollten noch vorhandenes Material loswerden, die beiden jungen Frauen verarbeiten, was es bereits gibt, statt Neues zu kaufen. Auch das ist Teil ihres nachhaltigen Konzepts. Bei „Passepartout“ verwenden sie nur Stoffe in Bio-Qualität, in erster Linie Naturmaterialien, oder eben solche aus Restbeständen, Materialien, die bei anderen übrig geblieben sind, sonst vielleicht in der Tonne landen würden.

„Dann kamen wir ins Gespräch darüber, was denn mit dem Laden passiert“, erzählt Evalotte Dronka. Die beiden Schneiderinnen machten kurzen Prozess, übernahmen die Räume. „Wir haben alles selbst entkernt“, berichtet Clara Maldener. Der alte Boden kam raus, frische Farbe an die Wände, eine neue Einrichtung in Werkstatt und Verkaufsraum. Dass sie dort aktuell keine Kunden beraten, nicht ihre Kreationen zeigen können, keine Nähkurse veranstalten dürfen, das bedauern sie sehr. „Das haben wir uns alles natürlich anders ausgemalt“, sagt Evalotte Dronka. Irgendwie sollte der Laden an der Senefelderstraße auch ein Ort des Zusammenkommens sein, einer zum Wohlfühlen, vielleicht mit weiteren Veranstaltungen, zu Ostern, Weihnachten, mit Essen und Getränken und Austausch.

Corona in Offenbach: Finanziell eine Belastungsprobe

Ideen gibt es viele, in die Tat umsetzen können die beiden Schneiderinnen sie derzeit nicht. Auch finanziell eine Belastungsprobe. „Die Überbrückungshilfe ist schwierig zu beantragen, und ob wir überhaupt etwas bekommen, wissen wir noch nicht“, erzählt Clara Maldener. „Wir bereuen es nicht, den Laden übernommen zu haben, aber wir haben schon Angst davor, wie es weitergeht.“ Noch seien sie aber weit davon entfernt, aufgeben zu wollen, sagen die beiden Frauen. Sie hoffen auf die kommenden Monate, auf bessere Zeiten. (Lena Jochum)

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