Pandemie

Offenbach: Weshalb Migranten häufiger Corona bekommen

Transparent des Impfzentrums in Offenbach in 16 Sprachen.
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So gut läuft es nicht überall: Transparent des Impfzentrums in Offenbach in 16 Sprachen.

Unverständliches Informationsmaterial, beengte Lebensverhältnisse: Migranten in Offenbach sind deutlich häufiger von Corona betroffen als andere Gruppen.

Offenbach – Seit über einem Jahr hat die Corona-Pandemie nun Offenbach fest im Griff. Die Corona-Inzidenz der Stadt Offenbach gehört seitdem fast ständig zu den „Spitzenreitern“ in Hessen. Ein Grund dafür, so legt ein Bericht von RTL nahe, könnte der hohe Migrantenanteil sein.

Denn noch immer mangelt es an der Kommunikation der entsprechenden Behörden mit jenen, die Deutsch nicht fließend sprechen. Denn im „Beamtendeutsch“ der Corona-Informationsflyer kommen selbst Muttersprachler manchmal durcheinander. So sagte Ali Karakale, Migrationsberater bei der Stadt Offenbach im Interview mit „RTL“ über das Informationsmaterial: „Es ist nicht in einer einfachen Sprache geschrieben.“ Bevor er also die Flyer verteile, sei es immer notwendig, die Flyer zuvor zu übersetzen.

Offenbach: Migranten werden schlecht über Corona informiert

Diesen Mangel an Kommunikation gab auch der Leiter des Offenbacher Gesundheitsamtes, Bernhard Bronhofen, vor einer Woche im Interview mit der Offenbach Post zu. Er sagte damals „Nur wer sich informieren kann, kann sich und andere auch vor dem Virus schützen.“

Ein wesentlicher Faktor sieht Migrationsberater Karakale in der Schließung der Moscheen in Offenbach. Denn dort würden ja nicht nur die Gläubigen zum Gebet gerufen werden, sondern normalerweise würden sich danach dort viele treffen, um sich auszutauschen. Wie er RTL sagte, seien die meisten Migranten sehr auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen und weniger auf die schriftliche Kommunikation, wie durch Zeitung und Internet, geprägt.

Corona in Offenbach: Prekäre Wohnsituation vieler Migranten verschäft die Lage

Dieser mündliche Austausch sei nun weggefallen. Und gerade für die älteren Migranten in Offenbach sei dies sehr gefährlich, da sie sich so zum Beispiel kein Informationsmaterial über das Coronavirus von Jüngeren mit besserem Deutsch übersetzen lassen könnten. Dies könnte zwar in der Familie geschehen, aber dort gebe es laut einer von RTL-interviewten Dame ein neues Problem: „Die zweite und dritte Generation, die lesen und sprechen zwar Türkisch, aber sie können das dann für den Opa oder die Oma nicht übersetzen.“ Kurzum: Die Jüngeren kennen die türkischen Vokabeln für die Fremdwörter nicht.

Ein weiteres Problem sind die sozialen Verhältnisse, in denen viele Migranten in Offenbach wohnen. „Wir haben hier viele Menschen, die in sehr prekären Wohnungssituationen wohnen, man hat eine Dreizimmerwohnung mit sechs Leuten, Zweizimmerwohnung mit fünf Leuten.“ Und wenn sich dann eine Person mit dem Virus ansteckt, ist Isolation nicht möglich. Innerhalb kürzester Zeit stecken sich alle Mitglieder des Haushaltes an. (als)

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