Corona-Regeln in Offenbach

Corona-Ausgangssperre: Unterwegs mit der Polizei in Offenbach

In Vierergruppen sind die Ordnungshüter unterwegs. Die Fußgängerzone ist menschenleer.
+
In Vierergruppen sind die Ordnungshüter unterwegs. Die Fußgängerzone in Offenbach ist menschenleer.

Die Stadt Offenbach hat wegen der Corona-Pandemie eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Polizei kontrolliert in der Innenstadt, ob die Regeln eingehalten werden.

Offenbach – Das Gebäck, für das sich der junge Mann am späten Samstagabend noch einmal auf den Weg gemacht hat, wird teuer: Zusätzlich zum Preis, den er in dem noch geöffneten Laden in der Fußgängerzone gezahlt hat, muss er 200 Euro berappen. Denn es ist bereits 22.30 Uhr – und ein Einkauf ist kein Grund, der die Verletzung der Ausgangssperre rechtfertigt.

Die Polizei zeigte sich überrascht über das Bild, das sich am ersten Abend der neuen Verordnung im Offenbacher Stadtgebiet abzeichnete: Zwar gab es eine Reihe von Verstößen und daraus resultierende Bußgeldbescheide, aber insgesamt war doch Schlimmeres erwartet worden.

Corona-Regeln in Offenbach: „Ausgangssperre ist ein massiver Einschnitt in die Grundrechte“

Sieben Einsatzkräfte der Stadtpolizei brechen kurz nach 21 Uhr mit der Unterstützung von zehn Kollegen der Bundespolizei auf, um zunächst die Fußgängerzone und weitere neuralgische Punkte in der City und den Außenbezirken zu kontrollieren. In der Stadtwache sitzt Dienstgruppenleiter Boris Mertens, der den Einsatz koordiniert und mit seinen Mitarbeitern über Funk in Kontakt bleibt.

Mit Taschenlampen geht es bei den Kontrollen durch den Martin-Luther-Park.

„Die Ausgangssperre ist ein massiver Einschnitt in die Grundrechte, wir sind uns dessen bewusst“, so Boris Mertens. Aber die Corona-Infektionszahlen in Offenbach ließen aktuell keine Alternative zu.

Martin Grabarczyk befürchtet dennoch „Diskussionen bei offenen Fragen.“ Er ist der Kopf einer der Vierergruppen, die sich kurz nach 21 Uhr auf den Weg macht. Er und sein Kollege von der Stadtpolizei werden von zwei Beamten der Bundespolizei auf ihrer Streife begleitet. Die Fußgängerzone ist menschenleer, in den Bussen sitzen nur ganz vereinzelt Fahrgäste. Auf der Waldstraße stehen erste Passanten. Es ist etwa 21.30 Uhr. „Ich müsste Sie mal fragen, warum Sie sich hier noch aufhalten“, fragt Grabarczyk einen Mann, der aber gleich nachweisen kann, dass er auf dem Weg zur Arbeit ist – ein triftiger Grund, sich trotz Sperre draußen aufzuhalten.

Offenbach verhängt Ausgangssperre: Geschäfte dürfen auch nach 21 Uhr offen haben

Kein Grund ist der Weg zum späten Einkauf, den zwei junge Männer anbringen. Der Supermarkt an der Waldstraße, den sie besuchen wollen, hat ohnehin geschlossen, aufgrund des Verstoßes gegen die Allgemeinverfügung gibt’s ein Bußgeld von jeweils 200 Euro. Die Öffnung der Geschäfte ist Sache der Betreiber – und tatsächlich haben nicht alle Geschäfte nach 21 Uhr geschlossen, obwohl keine Kunden mehr unterwegs sein dürfen. „Damit locken Sie die Leute an“, erklärt einer der Beamten einem Kioskbesitzer, der seine Laden noch offen hat.

„Es ist hier sehr tot“, beschreibt ein Polizeibeamter einer anderen Gruppe, der Grabarczyk und seinen Leuten auf der Streife begegnet. Tatsächlich ist die Innenstadt um diese Zeit, es ist 21.45 Uhr, so menschenleer wie sonst um drei oder vier Uhr morgens. Über den wie ausgestorben wirkenden Wilhelmsplatz und die Bleichstraße geht es auf die Waldstraße. Hier ist es etwas belebter – Durchgangsverkehr, Passanten sind unterwegs.

Er wolle sich auf dem Heimweg von der Arbeit schnell etwas zum Abendessen vom Imbiss holen, erklärt ein Mann. Er muss sich belehren lassen, dass „keine Schlenker erlaubt sind“ und er sich auf den direkten Weg nach Hause machen muss.

Corona-Ausgangssperre in Offenbach: Polizei geht auch auf Konfrontation

Der Martin-Luther-Park ist menschenleer, erst dahinter trifft die Polizeistreife auf drei junge Männer: Einer wird direkt nach Hause geschickt, die anderen beiden haben keine Bleibe für die Nacht, sie seien auf der Durchreise nach Moldawien, erklären sie auf Englisch, sie wollten die Nacht zur Ablenkung in Frankfurt verbringen.

Auf dem Weg von der Bismarckstraße zur Kaiserstraße wird es zunächst wieder ruhiger, hier treffen die Polizisten auf Leute, die ihren Hund Gassi führen – ein plausibler Grund. Plötzlich meldet sich eine andere Gruppe per Funk, ein Radfahrer sei ihnen „weggefahren“ – diesem Radfahrer stellt sich Grabarczyk mit den Kollegen auf der Kaiserstraße in den Weg. Er käme von einer Familienfeier, erklärt er, den anderen Polizisten sei er „im Reflex“ davongefahren. Hier zeigt er sich einsichtig, die Personalien werden aufgenommen.

Nur einen Moment später kommen den Polizisten zwei Betrunkene entgegen, einer sogar ohne Mund-Nasen-Schutz: Hier wird die Auseinandersetzung ein wenig heftiger, der Mann verweigert die Herausgabe der Personalien und geht auf Konfrontation, so dass die Polizisten einen härteren Ton anschlagen müssen. Erst dann lässt er sich überzeugen, seine Daten doch noch herauszugeben.

Stiller Corona-Protest vor der Stadtwache während der Ausgangssperre in Offenbach

Praktisch direkt vor der Stadtwache, in die die Gruppe nach den ersten anderthalb Stunden der Streife kurz zurückkehrt, sitzt ein junger Mann auf einer Bank, raucht und trinkt Bier. Aus „Protest“ sitzt er dort, verweigert Personalien und Unterschrift und kündigt an, auch an den nächsten Abenden dort zu sitzen – ungeachtet dessen, dass er neben der Ausgangssperre auch das Verbot von Alkoholkonsum auf öffentlichen Flächen verletzt.

„Ich habe ein bisschen mehr erwartet“, bilanziert Martin Grabarczyk. Positiv überrascht ist er von der Disziplin der Bevölkerung an diesem ersten Tag der Ausgangssperre. Die Streifen wird es nun jeden Tag geben. Auch insgesamt fällt das Fazit der Nacht eher positiv aus, wie gestern von der Stadtpolizei zu erfahren ist. „Insgesamt gab es 26 Verstöße gegen die Ausgangssperre, 26 weitere Verstöße betrafen die Maskenpflicht“, heißt es. (Jan Schuba)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare