Lernen in der Pandemie

Schulen in Offenbach bleiben zu: „Sind aus allen Wolken gefallen“

Bis auf die Abschlussklassen müssen alle Schüler weiter zuhause bleiben.
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Corona in Offenbach: Bis auf die Abschlussklassen müssen alle Schüler weiter zu Hause bleiben.

Lernen an den Schulen in der Corona-Pandemie: Das neue hessische Eskalationskonzept bedeutet für zahlreiche Eltern in Offenbach eine Hiobsbotschaft.

Offenbach – Für Eltern, deren Kinder in Offenbach zur Schule gehen, ist es eine Hiobsbotschaft: Die Schulen bleiben vorerst geschlossen, das Land ordnete Distanzunterricht an. Grund ist ein neu erstelltes Eskalationskonzept, das die „Notbremse“-Regelung des Bundes vorwegnimmt. Kommunen mit einer Inzidenz von über 200 dürfen keinen Präsenz- oder Wechselunterricht anbieten, sondern Distanzunterricht. Bleibt die Inzidenz fünf Tage unter 200, wird die Regelung aufgehoben. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen: die Abiturprüfungen können wie geplant ab Mittwoch in den Schulen geschrieben werden.

Bis Donnerstagabend war für Eltern, Lehrer und Schulleiter die Welt noch in Ordnung: Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz hatten zuvor verkündet, dass ab 19. April für die Klassen 1 bis 6 und Abschlussklassen Wechselunterricht angeboten wird, zweimal in der Woche vor Schulbeginn würden die Kinder zur ersten Stunde auf Corona getestet.

Corona-Entscheidung für Schulen in Offenbach: „Wir sind aus allen Wolken gefallen“

Doch am späten Donnerstagabend informierte das Kultusministerium in einem Brief über die Einschränkungen für Kommunen mit einer Inzidenz über 200. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt eine Lehrerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte aus Furcht vor Konsequenzen, „was denkt sich das Land, mal wieder tiefgreifende Änderungen bis auf den allerletzten Drücker aufzuschieben? Wir Lehrer werden dann den verständlichen Ärger der Eltern abbekommen!“

„Stinksauer“ seien viele Eltern, bestätigt Rolf Rebell, Vorsitzender des Stadtelternbeirates. Die ganze Woche hätten Schulleitungen die Selbsttests vorbereitet, Eltern informiert und deren Erlaubnis eingeholt – überflüssigerweise, wie sich nun herausgestellt habe. „Hätten die Politiker in Wiesbaden gleich am Montag oder Dienstag gesagt, dass die Verordnung gelten und angewandt wird, aus meiner Sicht wäre alles in Ordnung gewesen“, sagt Rebell. So aber habe man die Eltern und auch die Verantwortlichen in den Schulen im Ungewissen gelassen. „Bereits am Montag wusste doch jeder, dass die Stadt Offenbach nicht plötzlich unter die Inzidenz von 200 sinken würde“, sagt er.

„Richtig geärgert“ habe er sich, berichtet Markus Tumbrink, Leiter der Marienschule. „Für das Land war diese Entwicklung doch am Montag absehbar und wir wurden nicht informiert“, sagt er. Nun müssten die Eltern schon wieder kurzfristig alles neu planen. „Die Vorbereitungen für die Selbsttests waren aufwendig, da steckt viel Arbeit dahinter, nun ist erst einmal alles für die Katz’.“ Die angekündigten weiteren Informationen zur Notbetreuungen oder Abitur-Prüfungen, wurden am gestrigen Nachmittag noch nicht herausgegeben, kritisiert Tumbrink.

Corona in Offenbach: Für die Stadt bleibt kein Ermessensspielraum

Tatsächlich hat das Kultusministerium mit dem geringstmöglichen Aufwand informiert, bis Freitagnachmittag waren diese erheblichen Einschnitte für Eltern in den betroffenen Kommunen nicht einmal auf der Internetseite des Kultusministeriums zu lesen. Den schwarzen Peter, so drängt sich der Eindruck auf, soll so vom Land den Kommunen zugeschanzt werden.

„Uns bleibt als Stadt leider kein Ermessensspielraum“, äußert Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, „wir müssen vollziehen, was das Land angeordnet hat.“ Im Gespräch mit unserer Zeitung macht Weiß keinen Hehl daraus, was er von der Anordnung hält. „Ich bin wirklich enttäuscht, dass alle Anstrengungen, die die Schulen unternommen haben, Präsenzunterricht anzubieten, Makulatur sind. Vor allem, da die Eltern erst vor wenigen Tagen informiert wurden und sich nun erneut umstellen müssen.“

Schule in der Corona-Krise: Abschlussprüfungen können geschrieben werden

Er habe nicht den Eindruck, dass der Einsatz der Schulen gewürdigt werde. „Es wurde viel getan, um den Schulbetrieb zu ermöglichen, die Lehrer sind größtenteils geimpft, die Tests wurden aufwendig vorbereitet, es herrscht Maskenpflicht – dieses pauschale Verbieten nimmt keine Rücksicht auf die Anstrengungen vor Ort“, sagt Weiß.

Problematisch sei auch, dass das Land nur eine Notbetreuung für Kinder mit Eltern aus „systemrelevanten Berufen“ zulasse: Dies sei wesentlich restriktiver als die zuvor von der Stadt erlassene Regelung. „Wir hatten eine Aussetzung der Präsenzpflicht erlassen, das bedeutete, dass die Kinder nicht kommen mussten, es aber konnten. Das ist jetzt nicht mehr möglich.“

Immerhin, die Abschlussprüfungen können geschrieben werden. Dann kommen die bereits vergangene Woche gelieferten Selbsttests zum Einsatz. (Frank Sommer)

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