Intensivpflegekräften soll Zulage gekürzt werden

„Falsches Signal“ während Corona: Parteien kritisieren Kürzungen im Sana-Klinikum

Sana-Klinikum Offenbach
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Das Krankenhaus steht für das Vorhaben, Pflegekräften die Arbeitsmarktzulage zu streichen, in der Kritik.

Mitten in der Corona-Pandemie will das Sana-Klinikum in Offenbach die Zahlungen an seine Mitarbeiter drastisch kürzen. Kritik kommt von sämtlichen Parteien in der Stadt.

  • In der Corona-Pandemie werden Pflegekräfte an Kliniken als „Helden des Alltags“ gefeiert.
  • Das Sana-Klinikum in Offenbach kürzt die Arbeitsmarktzulage für Intensivpflegekräfte radikal ein.
  • Die Politik in der Stadt Offenbach kritisiert die Einsparungen des Sana-Klinkums.

Offenbach – Das Vorgehen des Sana-Klinikums, den Mitarbeitern der Intensivstationen, Notaufnahmen, Anästhesiepflege und der Operationsteams ab März stufenweise die Arbeitsmarktzulage von 250 Euro auf 100 Euro zu streichen, hat auch die Politik auf den Plan gerufen. Die Offenbacher Parteien verurteilen das Vorgehen des Klinikums teils scharf. Mitarbeiter des Krankenhauses hatten sich an unsere Zeitung gewandt, um so gegen das Vorhaben der Sana-Leitung zu protestieren. Der Konzern hatte die Kürzung damit begründet, dass somit die freiwillige Arbeitsmarktzulage nun durch die kürzlich erstrittene Tariferhöhung kompensiert und teilweise „abgesichert“ werde.

„Irrwitzig“, „falsches Signal“ oder „Taschenspielertrick“ – in den Parteien herrscht Unverständnis über das Vorgehen der Klinik-Leitung und Verständnis für die Wut der Mitarbeiter vor. Am moderatesten äußert sich noch die Offenbacher CDU: Man kenne nicht die unternehmerischen Hintergründe für die Entscheidung des Klinikums und könne sie daher nur teilweise kommentieren. Allerdings können auch die CDU-Chefs ihre Verwunderung über den Zeitpunkt der Kürzung nicht verhehlen: „Gerade jetzt sollte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern doch eher eine besondere Wertschätzung ihrer Arbeit zuteil werden.“

Kürzungen im Sana-Klinikum in Offenbach: „Falsches Signal“ während der Corona-Pandemie

Drastischer fällt das Urteil der Offenbacher Liberalen aus. „Mitten in der Pandemie kürzt man keine Zulagen. Zumal bei den Pflegekräften, die gerade Außerordentliches leisten und auch finanziell mehr verdient haben, als nur mit gesellschaftlichem Beifall bedacht zu werden“, schreibt FDP-Fraktionschef Dominik Schwagereit. Dass die Angestellten sich täglich einer Infektionsgefahr aussetzten, sollte eher honoriert werden – stattdessen werde in „der schlimmsten Pandemie der letzten 100 Jahre“ die freiwillige Zulage gestrichen.

Die Kürzung sei das falsche Signal, kommentieren die Grünen die Sana-Entscheidung. „Gerade jetzt sollte sich unsere Wertschätzung und die Anerkennung der besonderen Leistungen unserer Fachkräfte in der Corona-Pandemie auch im Gehalt niederschlagen“, schreiben die Grünen.

Name: Sana Klinikum Offenbach GmbHGründung: 1850
Ort: Offenbach am MainTrägerschaft: Privat
Mitarbeiter: ca. 2000 (Stand 2015)Geschäftsführer: Sascha John
Ärzte: 288Umsatz: 173,3 Millionen Euro (2015)
Betten: 891 vollstationäre BettenGewinn: 1,1 Millionen Euro (2015)
Fachgebiete: 18Gliederung: 23 Kliniken, 6 Institute, 2 Belegabteilungen

Angekündigte Kürzungen während Corona: Sorge um den Arbeitsstandort Sana-Klinikum Offenbach

Ob die Pflegekräfte denn aus Sicht des Konzerns keine gute Arbeit mehr leisten würden, fragt Dennis Lehmann von den Freien Wählern provokant an die Klinik-Leitung gerichtet. Lehmann sieht durch die Kürzung den Arbeitsstandort Offenbach gefährdet: „Gute Arbeit verdient auch ausreichend Geld. In Frankfurt gibt es Firmen, die eine sogenannte Ballungsraum-Zulage zahlen, da im Rhein-Main Gebiet die Lebenshaltungskosten deutlich höher sind.“

Ähnlich sieht es Linken-Politikerin Saadet Sönmez. „Wenn der Sana-Konzern seine Mitarbeiter vergraulen und loswerden will, dann muss die Geschäftsführung nur so weitermachen“, schreibt die Landtagsabgeordnete. Die Arbeitsmarktzulage mit der tariflichen Lohnerhöhung zu verrechnen, sei „irrwitzig und zeigt wie wenig Wertschätzung die Geschäftsführung ihren Beschäftigten entgegenbringt.“

Sana-Klinkum in Offenbach während Corona: Fachkräfte angemessen bezahlen

„Ein guter Arbeitgeber steht hinter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das gilt auch für die Entlohnung. Wenn eingespart werden muss, muss die Führungsetage Zeichen setzen und bei sich selbst anfangen“ fordert SPD-Parteichef Christian Grünewald. Doch „davon, dass auch in den Chefetagen von Sana der Gürtel enger geschnallt wird, habe ich zumindest nichts gehört“, schreibt er weiter.

Um weiterhin gute Fachkräfte nach Offenbach zu holen, sei eine angemessene und die Arbeit würdigende Bezahlung notwendig, betonen die Sozialdemokraten. (Von Frank Sommer)

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