Corona-Lockdown

Einzelhändler und Friseure in Offenbach in Angst: „Einige werden es nicht schaffen“

In der Frankfurter Straße in Offenbach sind am Montag viele Last-Minute-Käufer unterwegs.
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In der Frankfurter Straße in Offenbach sind am Montag viele Last-Minute-Käufer unterwegs.

Die Einzelhändler und Friseure in Offenbach fordern im Corona-Lockdown die gleiche Unterstützung wie die Gastronomie. 

Offenbach - Montagmittag, die Innenstadt ist voll. Ob Fußgängerzone, KOMM- oder Ringcenter: Überall sind die Parkplätze voll, ziehen sich Warteschlangen durch den Raum. Viele Menschen erledigen jetzt noch schnell ihre Weihnachtseinkäufe. Denn morgen kommt der Lockdown. Bis mindestens Sonntag, 10. Januar, werden nicht nur die Gastronomie, sondern auch der Einzelhandel und die Friseurgeschäfte stillstehen.

Corona-Lockdown in Offenbach: Schwerer Einschnitt für Einzelhandel

Stefan Becker, Vorsitzender des Offenbacher Gewerbevereins und Geschäftsführer des Modehauses M. Schneider: „Das ist für den Einzelhandel ein ganz schwerer Einschnitt, da die Vorweihnachtszeit für uns die größten Umsätze bringt.“ Ein erheblicher Verlust. Andererseits müsse man sehen, dass der Gesundheitsschutz nun einmal über allem stehe, so Becker. „Es geht eben nicht mehr anders.“ Was ihn und viele seiner Kollegen stört, ist nicht der Lockdown, sondern der Mangel an behördlicher Hilfe in dieser Zeit. „Der Handel möchte dieselbe Unterstützung haben wie die Gastronomie.“ Denn die Resultate des Lockdowns seien für ihn die gleichen. „Es ist eine sehr lange Phase, und wir brauchen Hilfe. Denn selbst, wenn man uns die gesamten Fixkosten erstattet, hilft das dem Einzelhandel nur bedingt.“ Als Beispiel nennt er sein eigenes Textilgeschäft: „Der Winter läuft nun einmal, und wenn man erst Mitte Januar wieder aufmachen kann, hat man schon das Winterschlussgeschäft.“

Auch wenn Massen von Menschen derzeit auf den letzten Drücker ihre Feiertagseinkäufe erledigen - den Händlern bringt es wenig. „Das fördert die Kundenfrequenz in den zwei Tagen, hat mit dem Gesamtumsatz vom Dezember aber wenig zu tun“, so Becker. „Wir haben im Dezember schon zu viel verloren, das ist nur eine Randerscheinung.“

Corona in Offenbach: Wunsch nach Hilfestellung

Den Wunsch nach einer Hilfestellung, wie sie die Gastronomie erfährt, haben die Einzelhändler mit den Friseuren gemein. Günther Rösler, Obermeister der Offenbacher Friseur-Innung, beklagt ebenfalls einen „erheblichen Umsatzausfall“, da auch für seine Zunft das Hauptgeschäft vor der Weihnachtszeit liege.

Wie existenzbedrohend die Situation für Offenbacher Friseure werden kann? „Manche werden es nicht schaffen“, so Rösler. Viele seiner Kollegen hätten sich in den letztem Jahren Rücklagen erarbeitet. Wer das versäumt habe, werde die Corona-Krise wirtschaftlich nicht überstehen.

„Was ärgerlich ist: Wir haben alle Hygiene-Standards eingehalten. Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich jemand in unserem Bereich angesteckt hätte“, sagt Günther Rösler. „Aber das hat alles nichts genutzt. Da wird pauschal einfach alles zugemacht.“

Auch Einzelhandel stark von Corona-Lokdown betroffen: „Es ist eine Katastrophe“

Auch Ulrike Schmittinger, Geschäftsführerin von Schuh Pauthner in der Herrnstraße, wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung in der Zeit der Krise: „Es ist eine Katastrophe. Hilfe bekommt nur die Gastronomie, wir bekommen ja nur ein paar Prozent unserer Kosten.“ Schmittinger geht davon aus, dass der Lockdown noch bis mindestens Ende Januar verlängert werde. „Und dann muss man weitersehen.“

Das Kundenverhalten habe sich im Vergleich zu 2019 ohnehin stark verändert. „Das Spaßkaufen ist nicht mehr da, mit der Maske und der Angst im Genick.“ Auch Geschäftsleute kauften bei ihr gerade kaum ein, bedauert die Schuhhändlerin. „Die sitzen jetzt ja alle mit Schlappen im Home Office.“ (Von Marian Meidel)

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