Großbaustellen der EVO

Corona-Krise erfordert besondere Vorgehensweisen: Feldbetten und Essensrationen im Müllheizkraftwerk

Corona Container Duschen Toiletten Dietzenbacher Straße
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Corona-Container: Die EVO hat auf dem engen Gelände noch Standorte für 30 Container gefunden, in denen separate Duschen, Toiletten und Ruheräume für die Fremdfirmen untergebracht sind.

Soziale Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben: Das ist die beste Möglichkeit, sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen. Doch nicht jeder kann im Homeoffice arbeiten.

Offenbach – Was müssen Menschen beachten, die nach wie vor ihre Arbeit im Betrieb oder auf Baustellen erledigen? Da ist ein teils ausgeklügeltes Management notwendig. Das lässt sich stellvertretend am Müllheizkraftwerk an der Dietzenbacher Straße festmachen, das die EVO aktuell um eine Klärschlamm-Verbrennung erweitern lässt.

Die Arbeiten auf engstem Raum werden durch die besondere Situation mit dem Corona-Virus erschwert – die EVO hat daher einen umfangreichen Hygieneplan erstellt. Für die zusätzlichen Arbeitskräfte hat der Versorger einen zentralen Anmeldeprozess eingerichtet. Bevor Firmen auf das Gelände dürfen, müssen sie Schulungen zu Sicherheitsaspekten absolvieren und sämtliche Mitarbeiter namentlich benennen. „Wir wissen zu jeder Zeit, wer sich auf dem Gelände aufhält. Jeder wird lückenlos erfasst“, hebt Kraftwerksleiter Markus Gegner hervor.

Offenbach: Großbaustellen der EVO - Hygienehinweise in mehreren Sprachen

Überall auf dem Gelände hängen Plakate mit Hygienehinweisen – in deutscher, englischer, polnischer, türkischer und rumänischer Sprache. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, werden feste Gruppen gebildet, die an einem Gewerk arbeiten. Diese Gruppen müssen auf der Baustelle Abstand zu allen anderen Gruppen halten und erhalten Zutritt lediglich zu einem genau definierten Bauabschnitt, was durch permanente Überprüfungen sichergestellt wird.

Damit das Risiko einer Erkrankung klein bleibt, betreibt die EVO einen immensen Aufwand: Der Versorger hat ein eigenes „Dorf“ mit 30 Containern errichtet, in denen separate Duschen, Toiletten und Ruheräume untergebracht sind. „Der Markt ist regelrecht leer gefegt; es war schwierig, überhaupt Container zu bekommen“, betont Technikvorstand Günther Weiß. Kostenpunkt? Da will er keine konkreten Zahlen nennen – sicher auch, um den Container-Markt nicht zusätzlich anzuheizen.

Das Hygiene-Konzept geht aber noch weiter: Für die externen Beschäftigten - aktuell sind das etwa 160 Mitarbeiter von 30 Firmen - wurden sogar fünf Raucherzonen geschaffen, um Kontakte zu verringern. Eine Essensausgabe steht den Gruppen nur zu festgelegten Zeiten zur Verfügung und wird nacheinander genutzt. Sämtliche neuralgischen Punkte werden mehrfach täglich gereinigt und desinfiziert. „Im Infektionsfall wollen wir es erreichen, dass nicht alle Beschäftigten, sondern nur die jeweilige Gruppe nach Hause in die Quarantäne geschickt werden muss“, ergänzt Robert Krug, Projekt-Ingenieur für Sonderaufgaben.

Offenbacher Kraftwerker würden in Isolation gehen

Selbst auf die von Fachleuten befürchtete „zweite Welle“ im Herbst ist die EVO vorbereitet: Falls massenhaft Infektionen auftreten, haben viele EVO-Kraftwerker ihre Bereitschaft signalisiert, sich im MHKW isolieren zu lassen. „Das hier ist nicht irgendeine Anlage, das ist ,ihr’ Kraftwerk – und das lassen unsere Leute nicht im Stich“, beschreibt Weiß die hohe Identifikation der Kraftwerker mit ihrem Arbeitsplatz. Die wichtige Leitwarte ist für externes Personal generell tabu und ansonsten gut abgeschirmt. „Das sind absoluten Spezialisten, die nicht ohne weiteres zu ersetzen sind.“

Falls alle Stricke reißen, sei der Isolierbetrieb für mehrere Wochen geplant. Verständlicherweise: Strom, Fernwärme, Müllentsorgung – das alles sind Systeme, die laufen müssen. Angeschafft wurden daher Feldbetten und Waschmaschinen, Getränke und Tausende von Essensrationen, Tiefkühlschränke und Duschen. Selbst an ein Unterhaltungsprogramm mit Spielen und DVD-Filmen hat die EVO vorsorglich gedacht, damit bei den kasernierten Beschäftigten im Notfall nicht zu schnell Langeweile aufkommt.

Da jedoch nicht alles auf ewige Zeiten bevorratet werden kann, profitiert die gesamte Region: Haltbare Backwaren, Milchprodukte, Getränke und mehr gehen vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit an die Tafeln in Offenbach, in Seligenstadt, in Jügesheim, ehe die EVO-internen Lager wieder neu aufgefüllt werden... (Von Martin Kuhn)

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