Offenbach

Polizisten helfen bei Heiratsantrag ‒ und vergessen Corona-Regeln

Heiratsantrag in Offenbach
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Ein Heiratsantrag zu Hause war dem Bräutigam in spe wohl zu langweilig – darum bat er die Polizisten um Hilfe. (Symbolfoto)

Ein Anwohner aus Offenbach beobachtet, wie Polizisten umgeben von einer Menschentraube und Herzchenballons mit einer vermeintlichen Hochzeitsgesellschaft feiern.

Offenbach – Zwei Polizisten feiern mit einer vermeintlichen Hochzeitsgesellschaft auf der Walter-Spiller-Brücke – ohne Abstand, mit viel zu vielen Leuten, nicht alle tragen Masken. Dazwischen eine ganze Traube knallroter Herzchen-Luftballons. Zur Feier des Tages aktiviert die Streife dann auch noch Blaulicht und Martinshorn. Was sie nicht ahnen: Ein Nachbar fotografiert das Treiben.

„Als ich die beiden Polizisten dazwischen gesehen habe, bin ich davon ausgegangen, dass sie diese Versammlung auflösen“, sagt Anwohner Frank Jonas. „Aber was dann geschah, hat mich sprachlos gemacht.“ Er schildert, dass die Beamten anstatt die Corona-Regeln durchzusetzen, sich von den Feiernden umarmen lassen und für die Kamera posieren. „Der Abstand war gleich null“, sagt Jonas. „Ich hatte das Gefühl, dass die Polizisten Teil der Festgesellschaft waren.“ Unterdessen hat Jonas sein Handy gezückt, um die bizarre Situation festzuhalten. Dann kommt es noch besser. „Erst haben die Polizisten ein Kind auf den Fahrersitz gesetzt und dann unter dem Jubel der Feiernden zweimal Blaulicht und Martinshorn angemacht.“ Er kann es immer noch nicht fassen. „Die haben entgegen aller Corona-Regeln einfach alles laufen lassen“, sagt Jonas. „Da hört bei mir das Verständnis auf.“

Polizei-Präsident zum Vorfall in Offenbach: Polizisten haben Vorbildfunktion

Er wendet sich mit den Fotos an die Redaktion, die beim Polizeipräsidium Südosthessen nachhakt. Dort ist man sofort alarmiert, da es sich um den Einsatzbereich des zweiten Polizeireviers handelt. Erinnerungen an einen anderen Fall werden wach. Erst vor wenigen Monaten wurden Polizisten desselben Reviers dabei gefilmt, wie sie sich mit einem Dienstwagen aus einer Offenbacher Apfelweinkneipe abholen ließen. Ein Vorgang, der bis ins hessische Innenministerium gelangte. Die Folge waren personelle Konsequenzen, vor allem für die damalige Revierleitung. Während derzeit viele Monate bei der Untersuchung ins Land gingen, reagiert der neue Polizeipräsident Eberhard Möller sofort. Er macht klar: Polizisten komme bei der Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln eine grundsätzliche Vorbildfunktion zu.

„Ich erwarte, dass unsere Polizeibeamten mit gutem Beispiel vorangehen und im Einsatz in allen Bereichen Masken tragen, wo es eine entsprechende Tragepflicht gibt“, sagt Möller. Ausnahmen könnten nur in bestimmten Einsatzsituationen gerechtfertigt sein, heißt es in einer Stellungnahme des Präsidiums. Eine solche Situation läge aber im konkreten Fall offenkundig nicht vor. In der Folge ordnet Möller eine rasche Untersuchung an, die nach wenigen Tagen das erstaunliche Ergebnis bringt: Die Polizei in Offenbach hat ein Herz für die Liebe in Zeiten von Corona.

Polizeisprecher in Offenbach erklärt: Kollegen haben bei Heiratsantrag geholfen

Pressesprecher Rudolf Neu schildert den Fall so: Ein Mann habe sich mit der Bitte, ihm bei seinem Heiratsantrag zu helfen, an die Polizei gewandt. Er bat darum, auf der Spillerbrücke in eine vorgetäuschte Verkehrskontrolle zu geraten. Dabei sollten dann beim Öffnen des Kofferraums die Herzchenluftballons zum Vorschein kommen. Danach Kniefall und Heiratsantrag. „Um das positive Image der Polizei in der Öffentlichkeit zu stärken, gaben die Beamten dem Wunsch des Bräutigams statt und hielten den Wagen im Rahmen der allgemeinen Streifentätigkeit zu einem auftragsfreien Zeitpunkt an“, erklärt Neu den Hergang. Die Streife sei dabei für mögliche Einsätze jederzeit erreich- und verfügbar gewesen.

Zwar hätten die Beamten nach eigenen Bekunden wie vorgeschrieben eine Maske getragen. Allerdings seien bei der gestellten Kontrolle dann weitere Personen dazugekommen, die sich gemeinsam mit dem Paar gefreut und gratuliert hätten. „Aufgrund der hohen Emotionen wurden im ersten Moment die Corona-Bestimmungen nicht in Gänze eingehalten“, sagt Neu. „Wohl im Überschwang der Gefühle wurden auch die beiden Beamten vom künftigen Brautpaar für einen Moment in den Arm genommen.“

Schiefgegangener Polizei-Einsatz in Offenbach: „Wird nicht nochmal passieren“

Für Frank Jonas macht das die Sache nicht besser. „Spätestens, als die Polizei gesehen hat, was da passiert, hätte die Beamten eingreifen müssen“, sagt er. „Aber das haben sie zu keinem Zeitpunkt getan. Die haben sich offensichtlich mitgefreut und kannten die Feiernden.“ Für die beiden Polizisten hat der schiefgegangene Einsatz jedenfalls schon Konsequenzen gehabt. Polizeisprecher Rudolf Neu: „Es gab auf allen Dienstebenen Gespräche über den Vorfall und den beiden wurde eindringlich klargemacht, was sie da getan haben. So etwas wird definitiv nicht noch mal passieren.“ (Christian Reinartz)

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