Viele Auflagen

Trotz Corona-Lockerung: Hotels erwarten kaum Gäste

Khalid Malik vom Löwen-Hotel betont, er sorge sich mehr um das Wohl der Menschen als um seine Finanzen. Foto: PRIVAT
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Khalid Malik vom Löwen-Hotel betont, er sorge sich mehr um das Wohl der Menschen als um seine Finanzen. 

Wegen der Corona-Lockerung dürfen Hotels wieder private Besucher empfangen. Die meisten Hotels in Offenbach erwarten trotzdem kaum Gäste.

Offenbach – Die Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise haben nicht nur Auswirkungen auf Restaurants und Bars, auch Hotels dürfen wieder private Besucher empfangen.

In den Herbergen rund um das Hauptziel Frankfurt sind es normalerweise hauptsächlich Geschäftsreisende, besonders Messegäste, und (oft fernöstliche) Touristengruppen, die die Betten belegen. Wer nicht einmal mehr einen Notbetrieb aufrecht erhielt, bereitet sich nun auf eine Wiedereröffnung mit Einschränkungen vor. Auf einen umgehend einsetzenden Ansturm wagt aber auch in Offenbach kein Hotelier zu hoffen - zumal die Stadt kaum zu den begehrten Zielen des jetzt einsetzenden innerdeutschen Urlaubs gehören dürfte. Geringe Auslastung bleibt also erst einmal das Problem unabhängig von Zimmerzahl und Kategorie.

Eines der Offenbacher Vier-Sterne-Flaggschiffe ist das Sheraton. 221 Zimmer könnten dort belegt werden. Doch am Büsingpalais seien die Buchungszahlen unverändert niedrig, berichtet Generalmanager Dirk Wilhelm Schmidt. Und so werde es auch bis mindestens Ende August noch bleiben, schätzt er. Es sind vor allem internationale Geschäftsreisende, die bei ihm an der Berliner Straße einchecken. Allerdings wurden die großen Messen in Frankfurt im Mai, Juni und nun auch im September abgesagt. Dass die Offenbacher Lederwarenmesse im September stattfinden soll, bringt kaum Ersatz. Zusätzlich haben viele Unternehmen Reiserestriktionen für ihre Mitarbeiter verhängt. „Es gibt ohnehin nicht so viele Rhein-Main-Touristen, und jetzt fällt auch noch der Anreiz durch Kulturveranstaltungen weg“, sagt Dirk Schmidt. Eine schnelle Erholung für seine Branche sieht er nicht.

Jennifer Klinkel arbeitet an der Rezeption des City Hotels Kaiserhof in der Kaiserstraße. Von der Normalität ist ihr Haus nahe dem Hauptbahnhof nach wie vor weit entfernt. „Es ist kein Vergleich zu vorher, wir freuen uns auf jeden Gast, aber es sind wenige“, sagt sie. Wie kompliziert es für das Hotel ist, sich an alle Auflagen zu halten, zeigt das Beispiel des Frühstücksangebots. Normalerweise wird ein Büfett für die Gäste vorbereitet. Das ist nun verboten. Nach Absprache mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) muss eine andere Form der morgendlichen Verköstigung gefunden werden. Unter anderem darf es nur Geschirr und Besteck aus Plastik geben, es darf keine Musik gespielt werden, und statt Salzstreuern wird es Salzbriefchen geben. Wie die Gäste die neue Art des Frühstückens annehmen werden, ist ungewiss. „Die Gäste interessieren sich zwar für ein Frühstück, wenn wir sie aber über die Verhaltensregeln informieren, werden sie vom Mitbuchen abgeschreckt, da gehen sie lieber zum Bäcker“, sagt Jennifer Klinkel.

Khalid Malik, der Eigentümer des Löwen-Hotels und des angrenzenden Ravel-Hotels in der Ludwigstraße, erwartet bis Ende Juni eine Auslastung von höchstens 30 bis 40 Prozent. Das sei zwar eine kleine Verbesserung zu den Zahlen im März, aber insgesamt empfindet der Hotelier die Situation als „Katastrophe“. Eine Vollbelegung beider Hotels, die zusammen über 120 Betten verfügen, wäre allerdings aufgrund der Hygienevorschriften gar nicht möglich. Nur ungefähr jeder dritte seiner Mitarbeiter arbeitet wieder. Malik hat viele ältere Angestellte und Eltern, die weiterhin zu Hause bleiben müssen. Deshalb übernimmt er mehr Schichten selbst, erledigt die Wochenenden ganz allein. Abends bleibt die Rezeption unbesetzt. „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagt der Hotelbesitzer und schätzt die Lage so ein: „Es ist schwierig, aber okay. Ich hoffe, dass es schnell besser wird. Das Wichtigste ist aber das Wohl der Mitmenschen. Diese Gedanken sind mir näher als die an die finanzielle Seite.“

Eine Ausnahme bildet die Stimmung im ebenfalls Übernachtung anbietenden Restaurant „Zur Post“ in Bürgel: Dort ist man recht zuversichtlich. Wie in den anderen Offenbacher Hotels auch übernachten dort meist Menschen aus beruflichen Gründen in den acht Zimmern, zum Beispiel Handwerker oder Monteure. Aber die „Post“ mit ihrer Lage nicht weit vom Mainradweg kennt auch Touristen, und die buchen bereits fleißig Zimmer. „Wir glauben, dass diesen Sommer viele Deutsche ihren Urlaub in Deutschland verbringen werden. Deshalb erwarten wir viele Radfahrer im Sommer“, sagt Steffi Kopp. Bei Fahrradtouristen ist das Hotel beliebt, weil es eine eigene Fahrradgarage hat und in einschlägigen Publikationen als Fahrradhotel geführt wird.

Von Theresa Ricke

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