In 30 Minuten zum Pieks

„Impfspringer“ bekommen in Offenbach übrig gebliebene Astrazeneca-Dosen: Wer sich anmelden kann

Das Impftempo zu beschleunigen ist Ziel der Nachrückerliste. Das begrüßt sicher auch Reinhard Prekel vom Wiener Hof in Bieber, der bereits für die Impfkampagne der Stadt die Ärmel hochgekrempelt hat.
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Das Impftempo zu beschleunigen ist Ziel der Nachrückerliste. Das begrüßt sicher auch Reinhard Prekel vom Wiener Hof in Bieber, der bereits für die Impfkampagne der Stadt die Ärmel hochgekrempelt hat.

Die Corona-Impfung von Astrazeneca ist bei zahlreichen Menschen in Offenbach nicht gerade beliebt. „Impfspringer“ können davon profitieren.

Offenbach – Schneller und unbürokratischer impfen. Dieses Vorhaben setzt die Stadt in die Tat um und bietet ab heute auf ihrer Internetseite eine Nachrückerliste für „Impfspringer“ an. So sollen übrig gebliebene Corona-Impfdosen im Stadthallen-Impfzentrum kurzfristig an registrierte Personen verabreicht und damit sichergestellt werden, dass nichts weggeworfen werden muss.

Diese Impfbörse gilt ausschließlich für den Impfstoff von Astrazeneca. Dieser wird nur an Personen ab 60 Jahren verabreicht. „Für die Impfstoffe von Biontech und Moderna besteht dieses Angebot nicht“, betont Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer. In dem Online-Formular muss die Impfwilligkeit mit diesem Präparat verbindlich gekennzeichnet werden.

Corona in Offenbach: Astrazeneca-Impfstoff bleibt häufig übrig

Hintergrund ist, dass von diesem Impfstoff am meisten vorrätig ist – und zugleich täglich die meisten Dosen übrig bleiben. Das ständige Hin und Her über die Unbedenklichkeit des Vakzins und an wen es überhaupt verabreicht werden darf, ging auch am lokalen Impfzentrum nicht spurlos vorbei. Wie berichtet, erscheinen viele derjenigen, die damit geimpft werden sollen, nicht zum Termin oder entscheiden sich noch spontan an Ort und Stelle dagegen.

„Die Ausfallquote beträgt rund 30 Prozent“, sagt Niko Kern, Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz der Feuerwehr, der für das Impfzentrum zuständig ist. „Wir hoffen, mit den Nachrückerlisten diese Ressource ans Volk zu bringen, und unsere Impfzahlen zu steigern. Jede Impfung zählt.“ Wie viele Menschen auf diese Weise am Tag geimpft werden, lasse sich schwer vorhersagen, da jeder Tag anders verlaufe: „Ob fünf, zehn oder 50, da ist alles denkbar.“

Corona-Impfung von Astrazeneca in Offenbach: Team telefoniert Springer ab

Sich als Springer anzumelden, ersetzt nicht die Registrierung auf der offiziellen hessischen Impf-Anmeldeplattform, kann diese aber ergänzen. „Wir rechnen in den ersten Tagen mit sehr vielen Anmeldungen, für unsere Software wird es sicher ein Belastungstest“, ahnt Kern. „Bestimmt fahren viele Menschen mehrgleisig, bemühen sich zugleich über die hessische Plattform und den Hausarzt um einen Termin.“ Wer in einigen Wochen einen regulären Termin hätte und eventuell vorher durch die Nachrückerliste drankommt, möge seinen eigentlichen Termin telefonisch oder online absagen, damit er rechtzeitig anderweitig vergeben werden kann. „Es geht ums Miteinander in der Bevölkerung“, appelliert Kern.

Ein 15-köpfiges städtisches Organisationsteam ist allein für die Koordination der Termine zuständig. Und hat künftig die Aufgabe, mögliche Springer abzutelefonieren. Wer zusagt, muss sich beeilen: Nach dem Anruf hat der Impfling innerhalb von 30 Minuten in der Stadthalle zu sein – anderenfalls verfällt der Impfstoff, der aufgezogen nicht länger als eine Stunde warten darf. Der Anruf kann laut Kern prinzipiell jederzeit erfolgen, auch erst nach 21 Uhr, kurz vor Schließung des Impfzentrums.

Corona-Impfung: Nachrücker in Offenbach müssen erforderliche Unterlagen dabei haben

Bisher gab’s eine stadtinterne Nachrückerliste für die übrig gebliebenen Impfdosen, diese wurden etwa an Kliniken, mobile Impfteams und Angehörige kritischer Infrastruktur verabreicht. Durch eine Änderung der Gesetzgebung dürfen die Impfstoffreste nun kommunal vergeben werden, ohne es, wie bisher, dem Land melden zu müssen. Das spart Bürokratie – und ermöglicht die Impfbörse.

Ganz ohne Bürokratie geht es aber doch nicht, die Impfberechtigung muss an Ort und Stelle geprüft werden. Deshalb betont Kern: „Jeder Nachrücker muss die erforderlichen Unterlagen und Nachweise ausgedruckt dabei haben.“ Damit nicht noch mehr unnötige Zeit vergeht. Anmelden können sich Offenbacher ab 60 Jahren unter offenbach.de/impfspringer. (Veronika Schade)

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