Auftakt mit Weltmeister

Corona-Impfzentrum in der Stadthalle Offenbach nimmt Betrieb auf

Die ersten Impfwilligen dürfen nach der Registrierung am Eingang das gut bewachte Impfzentrum in der Offenbacher  betreten.
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Lang ersehnter Moment: Die ersten Impfwilligen dürfen nach der Registrierung am Eingang das gut bewachte Stadthallen-Impfzentrum betreten.

Das Impfzentrum in der Offenbacher Stadthalle hat nach Monaten im Standby-Modus seinen Betrieb aufgenommen. Der erste Impfling ist ein 82-jähriger Tennis-Doppel-Weltmeister.

Offenbach - Es ist nur eine kleine Begebenheit am Rande der lang ersehnten Eröffnung des Offenbacher Impfzentrums in der Stadthalle – und doch sinnbildlich für den bisherigen hindernisreichen Impfstart in Deutschland: Als der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes das Absperrgitter öffnen möchte, ist aufgrund der frostigen Temperaturen das Vorhängeschloss vereist. So muss er erst ein Feuerzeug dranhalten, bis er den Schlüssel umdrehen kann und die Stadthalle nach Monaten des Wartens endlich ihre neue Funktion als eines von 28 Impfzentren in Hessen übernehmen kann.

Schon deutlich vor der offiziellen Eröffnung um 9 Uhr warten bereits die ersten Impfwilligen, die einen Termin ergattern konnten, vor dem Eingang. Mit ihnen Vertreter vieler Medien – und alle vier Magistratsmitglieder, die sich, als es endlich reingeht, mit dem ersten Impfling im Offenbacher Impfzentrum fürs Foto aufstellen.

Impfzentrum in Offenbach: Weltmeister bekommt die erste Dosis gespritzt

Als dieser wird Werner Schlereth in die Annalen der Stadt eingehen. „Ich wollte schon immer der erste sein“, sagt der Bieberer auf die Frage, wie er sich fühle, und lacht. Dabei ist der 82-Jährige mit der Position ganz vorne vertraut – ist er doch Kapitän der Tennis-Nationalmannschaft seiner Altersklasse und amtierender Ü80-Doppel-Weltmeister. Dass er sich impfen lassen würde, sobald er die Gelegenheit dazu habe, sei für ihn selbstverständlich, schließlich wolle er bald wieder zu internationalen Turnieren reisen können. Gelassen macht er sich auf den Weg in die Impfstraße, wo er vom medizinischen Personal empfangen wird.

„Der heutige Eröffnungstag ist ein Probelauf für alle“, sagt Niko Kern von der Berufsfeuerwehr, der als organisatorischer Leiter des Impfzentrums für möglichst reibungslose Abläufe zuständig ist. In der Theorie habe alles schon wunderbar funktioniert, nun müsse es sich in der Praxis bewähren. „Deshalb sind heute mehr Mitarbeiter da, als eigentlich für diese Anzahl an Impfungen notwendig wären. Es ist Learning by Doing“, sagt er. Zunächst haben montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr jeweils 42 Personen, freitags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr jeweils 72 Personen die Möglichkeit, sich impfen zu lassen – abhängig von der verfügbaren Impfstoffmenge. „Wenn wir irgendwann unter Volllast laufen, arbeiten insgesamt 160 Mitarbeiter in zwei Schichten“, so Kern.

Dass dies in nicht allzu ferner Zukunft so weit ist, hoffen auch Oberbürgermeister Felix Schwenke und Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. „Die Prozesse müssen sich jetzt einspielen. Wenn eines Tages hoffentlich von EU und Bund genügend Impfstoff kommt, muss es vor Ort rund laufen“, betont der OB. Da der Betrieb eines Impfzentrums eine ganz neue Herausforderung sei, sei es ausgeschlossen, dass sofort alles reibungslos klappe. Dennoch sind alle froh, dass das lokale Impfzentrum endlich eröffnet ist und die Menschen kürzere Anfahrtswege haben. Bisher mussten Offenbacher zum Impfen in die Frankfurter Festhalle – für viele Über 80-Jährige eine Zumutung.

Impfzentrum in Offenbach ist lange im Standby-Modus gewesen

Zunächst werden an der Waldstraße die Vakzine der Firmen Biontech und Moderna geimpft. „Die EU hat zu lange auf die falschen Firmen gesetzt wie Curevac und Sanofi“, kritisiert Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier. Auch seine Magistratskollegin Groß ist enttäuscht über den holprigen Impfbeginn in Deutschland. Dass er sich dermaßen hinziehen würde, sei eine politische und gesellschaftliche Herausforderung, die so niemand gewollt habe.

Infos im Internet

www.offenbach.de/impfzentrum

Startbereit war die Stadthalle, wie vom Land Hessen angeordnet, bereits zum 12. Dezember. „Seitdem befand sich das Impfzentrum in einem Standby-Modus“, sagt der organisatorische Leiter Kern. „Wir hätten jederzeit loslegen können.“ Das Gebäude wird seitdem rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst und der Polizei bewacht, innen und außen. Der Stadt entstehen dadurch keine Kosten, beruhigt Kämmerer Freier: „Die übernimmt komplett das Land.“

Ein Hinweis ist den Organisatoren wichtig: Wer einen Impftermin hat, sollte unbedingt die angegebene Uhrzeit beachten, um lange Wartezeiten und Engpässe im Wartebereich zu vermeiden. Denn draußen warten will bei den Temperaturen wohl keiner... (Veronika Schade)

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