„Diskriminiert Menschen“

„Zwangsimpfung“? – Personal soll für Corona-Impfung Prämie bekommen

Eine medizinische Angestellte bereitet eine Imfpung vor. (Symbolbild)
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Sich gegen Corona impfen zu lassen, sollte eine freiwillige Entscheidung sein. Im Ketteler wird sie durch eine Bonuszahlung „erleichtert“. Im Sana-Klinikum geht es auch ohne: 90 Prozent der Belegschaft wollen sich impfen lassen. (Symbolbild)

Sich gegen Corona impfen lassen und dafür eine Prämie kassieren? Im Ketteler-Krankenhaus Offenbach ist es bereits hunderten Mitarbeitern so ergangen – und das sorgt für Unmut.

  • Sich gegen Corona impfen zu lassen, soll eine freiwillige Entscheidung sein.
  • Im Ketteler-Krankenhaus Offenbach wird diese Entscheidung durch eine Bonuszahlung „erleichtert“.
  • Es handelt sich bei dem ausgezahlten Bonus eigentlich um eine Tarifzulage des Deutschen Caritascverbandes - die jedem Mitarbeiter zusteht.

Offenbach – In einer internen Hausmitteilung, die der Redaktion vorliegt, wird offensiv für Personal-Impfungen geworben. Wörtlich heißt es darin: „Impfen wird belohnt“. Eine Einmalzahlung, nach Informationen unserer Zeitung in Höhe von 500 Euro, soll noch im März an die bisher 300 geimpften sowie alle an Covid-19 erkrankten Mitarbeiter ausgezahlt werden. Wer sich später impfen lasse, erhalte das Geld jeweils im Folgemonat. „Viele Kolleginnen und Kollegen hinterlässt dieses Schreiben fassungslos“, berichtet eine langjährige Mitarbeiterin des Krankenhauses, die unerkannt bleiben möchte. Mehr noch: „Das diskriminiert Menschen, die sich für das Wohl von Patienten einsetzen, und setzt eine Form von ,Zwangsimpfung‘ um, die so noch nicht einmal vom Gesetzgeber vorgesehen ist.“

Brisant dabei: Bei dem Bonus handelt es sich um eine Tarifzulage des Deutschen Caritasverbades, eine von dessen Arbeitsrechtlicher Kommission beschlossene Corona-Einmalzahlung. Sie steht jedem Mitarbeiter zu und ist nicht an Bedingungen geknüpft. Am Lichtenplattenweg jedoch wird sie zunächst nur an diejenigen ausgezahlt, die sich impfen ließen. Zwar habe, so schildert die anonyme Kollegin, die Mitarbeitervertretung erwirkt, dass die Zahlung an nicht-geimpfte Mitarbeiter Ende Juni erfolge. „Aber mit welcher Berechtigung gibt es eine Verzögerung?“, fragt sie sich.

Impf-Prämie im Ketteler-Krankenhaus Offenbach: Geschäftsführung schweigt

Ein solches Verhalten der Geschäftsführung halten viele für skandalös, da es Stimmungsmache und Spaltung in der Belegschaft befördere. „Und das soll doch im Kleinen und gesamtgesellschaftlich vermeiden werden“, appelliert die Schreiberin. Zudem stelle sich die Frage, ob die Bewertung beziehungsweise der Wert eines Mitarbeiters an seinem Impfstatus bemessen wird. Die Geschäftsführung begründe das Vorgehen damit, noch mehr Personal zur Corona-Impfung bewegen zu wollen.

Geschäftsführer Gerd Kath verweigert jegliche Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung: „Die Ihnen vorliegende Mitteilung ist ausschließlich für die hausinterne Verwendung bestimmt und wird von mir in keinster Weise kommentiert.“

Offenbach: Corona-Impfung für Krankenhaus-Mitarbeiter

Weitaus offener in Sachen Impf-Kommunikation zeigt sich das Sana-Klinikum in Offenbach. Bereits mehr als 900 Mitarbeiter haben sich impfen lassen, wobei der mit deutlichem Abstand höchste Anteil bei Beschäftigten im ärztlichen und pflegerischen Bereich liegt.

Bevorzugt werden diejenigen geimpft, die mit einem erhöhten Risiko auf eine Infektion mit dem SARS-Cov-2-Virus konfrontiert sind. Das sind Beschäftigte der Zentralen Notaufnahme, der Intensiv- und Covid-Stationen, der Endoskopie und der Bronchoskopie beziehungsweise Beschäftigte in Bereichen, deren zu betreuende Patienten ein sehr hohes Risiko eines tödlichen Krankheitsverlaufs, zum Beispiel durch eine Vorerkrankung haben. Mit der Impfung dieser Gruppe wurde Anfang Februar begonnen. „Alle Interessierten sind geimpft und haben auch bereits ihre Zweitimpfung erhalten“, teilt Geschäftsführerin Kirsten Kolligs mit.

Mit den Impfungen der zweiten Gruppe, also Personen mit hoher Priorität, wurde Ende Februar begonnen. Hierzu gehören Ärzte und Pfleger mit ständigem Patientenkontakt, aber auch Personen, die in einer Gesundheitseinrichtung arbeiten, „und zwar in besonders relevanten Positionen zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur“.

Es geht auch ohne Impf-Prämie: Im Sana-Klinikum Offenbach wollen 90 Prozent die Impfung

Ein Bonussystem wie im Ketteler-Krankenhaus gibt es im Sana nicht. Trotzdem ist die Impfbereitschaft bei den Mitarbeitern sehr hoch. „Nach einer unverbindlichen Abfrage wollen sich rund 2140 Beschäftigte impfen lassen, das entspricht etwa 90 Prozent der Belegschaft“, sagt Kolligs. Es geht also auch ohne zusätzliche finanzielle Anreize... (Veronika Schade)

Die freien Intensivbetten werden auch in den Offenbacher Krankenhäusern in der Corona-Krise immer wieder knapp. Und die Mitarbeiter und Patienten des Ketteler-Krankenhauses geraten in der Situation immer wieder an ihre Grenzen. Chefarzt und Professor Stephan Sahm spricht von einer unzumutbaren Dauer-Quarantäne in dem Offenbacher Krankenhaus.

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