Umgang mit Covid-19

Corona-Nachverfolgung in Offenbach immer schwieriger – Gesundheitsamt arbeitet am Limit

Vorbildlich mit Maske und Abstand: Offenbachs Gesundheitsdezernentin Sabine Groß und Amtsleiter Bernhard Bornhofen beim Gespräch mit unserer Zeitung.
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Vorbildlich mit Maske und Abstand: Offenbachs Gesundheitsdezernentin Sabine Groß und Amtsleiter Bernhard Bornhofen beim Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Corona-Neuinfektionen in Offenbach steigen immer weiter. Das Gesundheitsamt kommt an seine Grenzen. Wenig hilfreich sind da pöbelnde Fußballfans.

  • Stadt Offenbach immer heftiger von Coronavirus betroffen.
  • Offenbacher Gesundheitsamt stock Personal massiv auf
  • Infektionen mit Coronavirus auch auf dem Schulweg möglich

Offenbach - Rund 1 100 Menschen sind in häuslicher Quarantäne, die 7-Tages-Inzidenz liegt bei 261 Fällen auf 100. 000 Einwohner gerechnet – das Coronavirus hält Offenbach weiter fest im Griff. „Wir hatten nach dem Anstieg durch Reiserückkehrer im Sommer die 7-Tages-Inzidenz schon auf 15 herunter gedrückt – doch dass es nun solch einen Tsunami gibt, der uns fast eine Inzidenz von 300 beschert, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen.

Für das Offenbacher Gesundheitsamt hat die Eindämmung der Corona-Infektionen höchste Priorität. Doch je mehr Fälle bekannt werden, desto komplizierter wird die Nachverfolgung, wo sich jeder Infizierte angesteckt hat und wen dieser noch alles möglicherweise infiziert hat.

Coronavirus in Offenbach: Gesundheitsamt stock Zahl der Mitarbeiter massiv auf

„Rund 80 Leute sind momentan bei uns damit beschäftigt, die Kontakte nachzuverfolgen“, sagt Bornhofen. Als die Pandemie im März begann, zählte das Amt noch 33 Personen, die versuchten, die Infektionsketten zu unterbrechen. „Alle Dezernenten haben Mitarbeiter an das Gesundheitsamt ausgeliehen“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. Neben sieben Bundeswehrsoldaten (drei weitere sind Sanitäter und machen Abstriche für Tests) sind auch Beschäftigte der Stadtwerke und der Museen inzwischen damit beschäftigt, zu erfragen, wie und woher eine Infektion mit dem Coronavirus stammen könnte.

Die ursprüngliche Aufstellung des Amtes habe ausgereicht, um etwa zehn Fälle pro Tag nachzuverfolgen – doch bei über 50 oder 70 Corona-Infektionen pro Tag wie nun, stießen die Mitarbeiter des Offenbacher Gesundheitsamtes an ihre Grenzen, sagt Groß. Zumal jeder Anruf ein wahrer Spagat sei: Einerseits müsse einfühlsam vorgegangen werden, um Ängsten zu begegnen, andererseits würden sich längere Gespräche angesichts der hohen Fallzahlen verbieten.

Offenbacher Gesundheitamt nimmt fragen zu Coronavirus nur noch per Mail entgegen

Groß und Offenbachs Gesundheitsamts-Chef Bornhofen bitten in dieser Situation um Verständnis, dass das Gesundheitsamt momentan telefonisch nicht erreichbar sei. „Alle Telefone sind für die Nachverfolgung im Einsatz“, betont Bornhofen. Fragen rund um das Coronavirus würden aber selbstverständlich weiterhin beantwortet, allerdings bittet das Amt darum, diese per E-Mail unter hit.gesundheitsamt@offenbach.de einzureichen. „Sobald wir Kapazitäten frei haben, antworten wir“, sagt Bornhofen.

Wenig hilfreich seien etwa jene Fußball-Fans gewesen, die aus Verärgerung über eine angebliche Benachteiligung ihres Vereins die Mitarbeiter des Offenbacher Gesundheitsamtes mit Beleidigungen am Telefon überzogen hätten – auch dies sicher ein Grund, weshalb nun sämtliche Bürger den Kontakt via E-Mail suchen sollten. Auch wenn es inzwischen in vielen Fällen nicht mehr gelingt, zu erforschen, wie es zur Corona-Infektion kam, hält man beim Gesundheitsamt dennoch an dem Vorgehen fest. „Jeder Fall liefert Hinweise für weitere: So hatten sich kürzlich etwa Menschen allein beim Anstehen am Kiosk angesteckt“, sagt Bornhofen.

Offenbacher Gesundheitsamt bestätigt: Coronavirus in Winter länger aktiv

Dass die Zahlen inzwischen derart steigen, liegt laut dem Leiter des Offenbacher Gesundheitsamts auch an der Jahreszeit. „Unser Wissen über das Virus erweitert sich ständig – so wissen wir heute, dass die Viren im Sommer durch das UV-Licht schneller abgestorben sind.“ Nun, im Herbst und Winter, blieben die Coronaviren dagegen länger aktiv, eine Ansteckungsgefahr auch unter freiem Himmel sei nun wesentlich größer. „Auch wenn die Alltagsmasken keinen hundertprozentigen Schutz bieten – wenn alle sie tragen und wir Abstand halten, wird das Risiko geringer.“

Die Stadt Offenbach hofft nun, dass die von Bund und Land verkündeten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus greifen werden werden. „Das Virus ist nicht unbesiegbar“, sagt Groß, „wichtig ist, dass wir uns gemeinsam an die Hygiene-Regeln halten.“ Es gelte nun, Krankenhäuser und Pflegeheime zu schützen, damit diese handlungsfähig blieben. „Die Heime gänzlich zu schließen wie im Frühjahr, ist ein Fehler, das wissen wir heute“, sagt Groß. Neben dem Infektionsschutz müsse man auch der Gefahr der Vereinsamung der Bewohner begegnen.

Gesundheitsamt und Stadt Offenbach warnen: Infektion mit Coronavirus auch im Auto möglich

Auch Offenbacher Schulen und Kitas bleiben eine Herausforderung: Durch die zweite Stufe des Schul-Eskalationskonzeptes des Landes ist eine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet, doch es gebe noch genug Grauzonen. „Wir bereiten gerade eine Information für Schüler der Berufsschulen und der Oberstufen vor: Da werden oft Fahrgemeinschaften gebildet“, sagt Bornhofen. Das sei prinzipiell zwar aus verkehrlicher Sicht begrüßenswert, doch auch beim gemeinsamen Schulweg im Auto gebe es die Gefahr sich mit dem Coronavirus anzustecken. „Auch in den Pausen auf den Schulhöfen muss auf die Abstandsregeln geachtet werden“, sagt Groß. Momentan werde sogar schon eine dritte Stufe für Schulen vorbereitet – Schüler der Sekundarstufe II werden in absehbarer Zeit im Wechselmodell unterrichtet: teils in der Schule, teils zuhause.

„Das Schwierige an dem Virus ist, dass die einen nur leichte Symptome haben und dass es andere sehr hart trifft – dadurch wollen manche die Gefahr partout nicht einsehen“, sagt Bornhofen, „das bringt eine Spaltung in die Gesellschaft.“ Eindringlich appellieren Groß und Offenbachs Gesundheitsamt-Leiter Bornhofen an die Bevölkerung, sich an die Hygiene-Regeln zu halten. „Jeder hat es in seiner Hand, ob es noch weitere Lockdowns gibt“, sagt Sabine Groß. (Frank Sommer)

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