Soziale Folgen der Pandemie

Besorgniserregende Zahlen des Jobcenters: Corona bringt viele Offenbacher in prekäre Lage

Die Corona-Pandemie hat viele Offenbacher in eine prekäre Situation gebracht: Die Zahl der Arbeitslosen ist deutlich gestiegen. (Symbolbild)
+
Die Corona-Pandemie hat viele Offenbacher in eine prekäre Situation gebracht: Die Zahl der Arbeitslosen ist deutlich gestiegen. (Symbolbild)

Im Jobcenters Mainarbeit in Offenbach zeigen sich die dramatischen sozialen Folgen der Corona-Pandemie: Die Zahl an Hilfsbedürftigen und Arbeitslosen ist sprunghaft gestiegen.

  • Die Corona-Krise hat sich in Offenbach zu einer sozialen Krise entwickelt
  • Das Jobcenter registriert deutlich mehr Arbeitslose und Hilfsbedürftige seit Beginn der Pandemie
  • Die Umstellung des Betriebs bei Mainarbeit hat derweil gut funktioniert

Offenbach – Dass Corona auch für die Offenbacher noch lange nicht abgehakt werden kann, offenbaren die täglichen Zahlen des Gesundheitsamts: die der Neuinfektionen, die der Behandlungsbedürftigen, die jener, die sich in häuslicher Quarantäne befinden und zum Glück auch die der schon wieder Genesenen.

Was die sozialen und finanziellen Langzeitfolgen der Pandemie angeht, muss man sich die Daten anschauen, die an anderer Stelle in der Stadtverwaltung zusammengetragen werden: Beim Jobcenter Mainarbeit. Dort ist die Bilanz eindeutig: Nach Jahren des fast kontinuierlichen Rückgangs ist im März die Zahl der Empfänger staatlicher Transferleistungen sprunghaft angestiegen.

Offenbach: Zahl der Arbeitslosen ist seit März um rund 1600 gestiegen

„Das ist ganz klar eine Auswirkung des durch die Corona-Pandemie und den darauf folgenden Lockdown ausgelösten Einbruchs der Wirtschaft“, sagt Mainarbeits-Chef Matthias Schulze-Böing. Laut der jüngsten Statistik, welche die Daten bis einschließlich Juni enthält, stieg die Zahl der Arbeitslosen insgesamt seit März von 6302 auf aktuell 7903. Etwas geringer ist der Anstieg bei den Hartz IV-Beziehern. Die Arbeitslosigkeit im sogenannten Rechtskreis des SGB II erhöhte sich seit März von 4344 auf 4794 Personen.

Dafür hat Schulze-Böing zwei Erklärungen: „Zum einen ist es generell so, dass Einbrüche am Arbeitsmarkt in der Grundsicherung, die von den Jobcentern betreut wird, mit Zeitverzögerung ankommen, da die meisten Arbeitslosen erst einmal noch im Versicherungssystem und damit von den Arbeitsagenturen Leistungen beziehen.“ Zum anderen habe sich das Offenbacher Jobcenter sehr bemüht, Arbeitsfördermaßnahmen auch in der Zeit des Lockdowns fortzusetzen und zum Beispiel Bildungs- und Orientierungsmaßnahmen auf telefonische- und Videokontakte umzustellen.

Offenbach: Mehr Familien auf Sozialhilfe angewiesen durch Corona

„Das ist bis auf wenige Ausnahmen gut gelungen, auch weil sich die Offenbacher als sehr kreativ gezeigt und mitgezogen haben“, sagt Schulze-Böing. Bei den Arbeitsagenturen und anderen Jobcentern seien Maßnahmen oft erst einmal vollständig gestoppt worden. Die entsprechenden Teilnehmer tauchten dann natürlich in der Arbeitslosenstatistik auf.

Ähnlich zu den Arbeitslosenzahlen entwickelte sich die Zahl der Familien, die auf Sozialhilfe angewiesen sind: Zählte die Mainarbeit im März noch knapp 7000 sogenannte Bedarfsgemeinschaften, sind es derzeit 7573.

Beim Blick über den Tellerrand kann Mainarbeits-Chef Schulze-Böing immerhin bilanzieren: „Im Ergebnis zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit in Offenbach zwar sehr stark angestiegen ist, aber etwas niedriger als im hessischen Durchschnitt und bei anderen Großstädten.“ So zeigt die Entwicklung der Anzahl der leistungsberechtigten Personen nach dem SGB II für Offenbach einen Anstieg von 3,5 %. Frankfurt hat 7,3 % zu verkraften, Darmstadt 6,8 %, etwas besser kommt Kassel mit 3,1 % weg. Hessenweit liegt der Anstieg bei 4,6 %.

Offenbach: Zahl der Anträge auf Geldleistungen durch Corona-Pandemie explodiert

Regelrecht explodiert ist seit März die Zahl der Anträge auf Geldleistungen. Von der 11. auf die 12. Kalenderwoche stieg die Zahl der angeforderten Unterlagen zur Beantragung von Leistungen von 53 auf 136. Zwei Wochen später war mit 277 ein Höchststand zu verzeichnen. Man erkenne deutlich, dass die Antragsgründe „kein ausreichendes Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit“ und „kein ausreichendes Einkommen aus Kurzarbeitsgeld“ einen großen Anteil ausmachen, so Schulze-Böing. Zuvor hätten diese beiden Faktoren kaum eine Rolle gespielt. Mittlerweile habe sich das aber wieder deutlich reduziert. So wurden für die letzte Juniwoche nur noch 71 Anträge registriert.

Die Umstellung des Betriebs im Jobcenter während des Lockdowns – Kundenkontakte liefen ab 17. März per Telefon, Mail oder übers digitale Kundenportal – hat laut Schulze-Böing gut funktioniert. Das sei Mitarbeitern, Partnern wie etwa Bildungsträgern und nicht zuletzt den Kunden zu verdanken, die bisher die neuen Rahmenbedingungen sehr weitgehend akzeptiert hätten. Schulze-Böing: „Es gab fast gar keine Konflikte wegen der neuen Form unseres Betriebs.“ (Von Matthias Dahmer)

Mit einer anderen Krise muss sich eine junge Frau aus Offenbach herumschlagen. Ihr wird die Finanzierung eines Fernsehers verwehrt. Bei der Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit erlebt sie einen Schock. Wird der Wohnort Offenbach ihr finanziell zum Verhängnis?

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare