Erkenntnis des Wetterdienstes

Luftqualität in Offenbach: „Wetterlage hat den Corona-Effekt quasi verschleiert“

Messstation für Luftqualität Untere Grenzstraße Offenbach
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Um die Luftqualität in ganz Hessen zu messen, wurde vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ein Luftmessnetz errichtet – etwa in der Unteren Grenzstraße.

Durch die Corona-Krise hat sich die Luftqualität in Offenbach verbessert. Doch bestimmte Umstände erschweren die Messung.

  • Klage der Deutschen Umwelthife für Durchsetzung besserer Luftqualität in Offenbach
  • Während der Corona-Krise gab es eine Verbesserung der Luftqualität
  • Werte sind 15 Prozent geringer als im Vorjahr - trotz ungewöhnlich hoher Windgeschwindigkeiten

Offenbach - Am 14. September ist es soweit: An diesem Tag verhandelt der Verwaltungsgerichtshof Kassel eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land. Es geht um die Durchsetzung besserer Luftqualität in Offenbach, wo - wie vielerorts - regelmäßig zu hohe Konzentrationen des Reizgases Stickstoffdioxid gemessen werden. Um diese dauerhaft zu senken, schnüren Stadt und Land ein Maßnahmenbündel, das im sogenannten Luftreinhalteplan mündet.

Luftqualität in Offenbach: Verbesserung während der Corona-Krise

Derweil hat der Deutsche Wetterdienst jetzt das mit amtlichen Zahlen belegt, was der Normalbürger subjektiv wahrgenommen hat: Während der Corona-Krise hat das reduzierte Verkehrsaufkommen die Luftqualität verbessert. Erkenntnis der DWD-Wissenschaftler: Trennt man meteorologische Einflüsse ab, zeige sich in 48 Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern eine Verbesserung der Luftqualität durch den Lockdown um etwa 30 Prozent für Stickoxide (NOx).

Luftqualität in Offenbach: Wetter nimmt erheblichen Einfluss auf die Messwerte

Die Stickoxid-Konzentrationen werden maßgeblich geprägt durch die Auto-Abgase und durch meteorologische Bedingungen, die deren „Abtransport“ beeinflussen. In der nun vorgelegten Auswertung wurden fünfjährige Zeitreihen (2015-2020) mit den ersten beiden vierwöchigen Lockdown-Phasen (23. März bis 19. April, 20. April bis 17. Mai) verglichen.

Ergebnis: In den ersten vier Wochen nahmen die Konzentrationen von NOx um 31 plus minus 8 Prozent und 22 plus minus 6 Prozent bei NO2 gegenüber einem erwarteten Verlauf ohne Lockdown ab. Neben Diesel-Abgasen, heißt es in einer Mitteilung, nehme auch das Wetter erheblichen Einfluss auf die Messwerte.

Luftqualität in Offenbach: Ungewöhnlich hohe Windgeschwindigkeiten

Was die Analyse erschwerte: Im Februar und März traten ungewöhnlich hohe Windgeschwindigkeiten auf, die eine starke Verdünnungswirkung entwickelten und zu niedrigen Stickoxidkonzentrationen führten. Ab Mitte März, also mit dem Beginn des Lockdown, kam es gleichzeitig zu reduzierten Windgeschwindigkeiten, was einen Stickoxid-Anstieg bewirkt hätte, und zu Emissionsminderungen: In der Summe änderten sich die NO2-Konzentrationen in verschiedenen Regionen nur zwischen minus 12 und plus 4 Prozent im 4-Wochen-Mittel. Dies bedeutet: Allein aus den Konzentrationsverläufen ist kein klarer Corona-Effekt erkennbar. Erst die Abtrennung der meteorologischen Einflüsse erlaubt den Minderungseffekt durch den Lockdown zu beschreiben.

„Vor allem die Parameter Wind und Temperatur beeinflussen die Konzentration der Stickoxide und damit der Luftqualität entscheidend. Die Crux war, dass allein aus den Konzentrationsverläufen der Lockdown-Effekt nicht herauslesbar war, da er durch die gleichzeitig sich umstellende Wetterlage quasi verschleiert wurde,“ so Dr. Christian Plaß-Dülmer vom DWD.

Luftqualität in Offenbach: Offenbach bildet keine Ausnahme

Offenbach bildet da, obwohl nicht unter den 48 Städten gelistet, keine Ausnahmen. Auch hier wurden relativ hohe Windgeschwindigkeiten (Böen bis maximal 93 Stundenkilometer) beobachtet. „Dies sorgte dafür, dass verhältnismäßig geringe Stickstoffdioxide-Werte gemessen wurden“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Während des Corona-Lockdowns waren hingegen Wetterlagen (mit weit mehr als zehn Sonnenstunden täglich), die zu höheren Werten führen. Die aktuellen Messdaten können im Internet eingesehen werden.

Nichtsdestotrotz sind die Werte im März, April, Mai und Juni an der Messstation Untere Grenzstraße im Mittel immer noch um zirka 15 Prozent geringer als die Werte, welche im Vorjahr zur gleichen Zeit gemessen wurden, lenkt sie den Blick auf die Vorjahres-Zahlen. Die Passivsammler an den beiden anderen belasteten „Hotspots“ (Mainstraße, Bieberer Straße) eignen sich als Quelle nicht, „da sich aus ihrer Laboranalyse immer nur ein NOx-Durchschnittswert für ein Quartal ergibt“, schränkt sie ein.

Die aktuellen Messdaten können eingesehen werden unter: t1p.de/grenzwert

Von Martin Kuhn

Der besorgniserregende Corona-Trend in Offenbach geht weiter. Es gibt so viele Infizierte gleichzeitig, wie nie zuvor. Die Verwaltung will hart durchgreifen.

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