Glauben und Corona

Corona: Stadt Offenbach bleibt hart – Keine Ausnahmeregel im Ramadan

Fastenbrechen in der Öffentlichkeit
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Öffentliches Fastenbrechen, wie hier in Neu-Isenburg 2015, wird es im Corona-Jahr 2021 nicht geben. Das Fastenbrechen kann nur im engsten Familienkreis begangen werden.

Bis zum 12. Mai dauert der muslimische Fastenmonat Ramadan an: Auch in Offenbach müssen sich Gläubige aufgrund der Corona-Pandemie umstellen. 

Offenbach – Durch die Corona-Pandemie müssen sich viele Gläubige umstellen. Moscheebesuche sind per Kontaktliste festzuhalten, auf das gemeinschaftliche Fastenbrechen soll verzichtet werden. Der Mondkalender bestimmt im Islam den Festkreis: Am Dienstag vergangener Woche hat der Fastenmonat Ramadan begonnen.

Für gläubige Muslime bedeutet das, dass 30 Tage lang zwischen Sonnenauf- und -untergang weder gegessen noch getrunken werden darf. In den Abendstunden, wenn die Sonne weg ist, wird dann das Fastenbrechen zelebriert: normalerweise im großen Kreis, doch die Corona-Pandemie schiebt auch dieser Tradition einen Riegel vor.

Denn Versammlungen bergen ein Infektionsrisiko; der Ramadan 2021 soll somit wie auch im vergangenen Jahr höchstens im engsten Kreis begangen werden. Unsere Redaktion erreichen jedoch Hinweise, dass es Menschenansammlungen in der Innenstadt weit nach 22 Uhr gebe.

Ramadan in Offenbach: Kommunikation zwischen Ordnungsamt und Bürgern kompliziert

Aus manchen Häusern kämen sehr viele Menschen, die dann in Autos mit auswärtigen Nummernschildern einsteigen und wegfahren würden. „Nachfragen bei der Stadtpolizei werden eher einsilbig beantwortet, dass es Ausnahmegenehmigungen gibt“, berichtet ein Leser.

Die Kommunikation des Ordnungsamts mit den Bürgern scheint kompliziert, denn immer besteht Gefahr, dass fremdenfeindliche und rechtsradikale Kräfte das Thema instrumentalisieren.

Doch wie lautet die generelle Regelung für den Ramadan? Denn trotz der Corona-Pandemie gilt die Freiheit der Religionsausübung – auch für die christliche Osternacht gab es Ausnahmen von der Ausgangssperre.

Corona-Ausgangssperre in Offenbach: Nach dem Nachtgebet direkt nach Hause

Prinzipiell gilt bis auf Weiteres eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr, darauf weist die Stadt hin. Für besondere religiöse Feiern kann diese jedoch in einem eng gefassten Umfang gelockert werden, und so ist etwa das Nachtgebet auch nach 21 Uhr in der Moschee möglich.

Danach aber müssen die Gläubigen sich auf direktem Weg nach Hause begeben. Außerdem müssen in den Moscheen Kontaktlisten geführt werden, es müssen Desinfektionsmöglichkeiten vorhanden sein und Abstände zwischen den Besuchern müssen eingehalten werden – all das erinnert an die Anordnungen, wie sie erst kürzlich für die christliche Osternacht galten.

Und analog zur Handhabung zu Ostern fragen bei Kontrollen die Stadtpolizisten auch in den Gemeinden nach, ob die kontrollierte Person wirklich an dem Gebet teilgenommen hat – um zu verhindern, dass manche die Religion als Vorwand zum Aushebeln der Ausgangssperre nutzen.

Ramadan in Offenbach: Keine Ausnahme der Ausgangssperre für das Fastenbrechen

Doch die Ausnahmen von der Ausgangssperre für das Gebet gelten nicht für das Fastenbrechen, betont die Stadt. Das bedeutet, in diesem Jahr muss auf das gemeinschaftliche Essen nach Einbruch der Dunkelheit größtenteils verzichtet werden. Somit kann es nur im engsten familiären Kreis in den jeweiligen Haushalten gefeiert werden.

In Absprache mit der Stadt haben viele Moscheegemeinden das Fastenbrechen in ihren Räumlichkeiten abgesagt. Denn jeder muss bis 21 Uhr zu Hause sein. „Es ist kein Grund für einen Aufenthalt in öffentlichem Raum“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Auch Oberbürgermeister Felix Schwenke betont, dass es für das Treffen zum Fastenbrechen keine Ausnahmegenehmigung seitens der Stadt gibt.

Offenbach: Keine Ausnahme der Ausgangssperre im Ramadan

Wer sich nicht daran hält, für den kann es teuer werden: 200 Euro Bußgeld werden fällig, wenn man sich unberechtigterweise nach 21 Uhr im öffentlichen Raum aufhält – mit jeder Wiederholungstat verdoppelt sich das Bußgeld. Wer also, wie in den vergangenen Tagen geschehen, um 23 Uhr vom Fastenbrechen aufbricht, muss mit Bußgeld rechnen.

Ähnlich wie beim Osterfest kann die Stadt freilich nicht kontrollieren, wie in den Wohnungen gefeiert wird. Aber wie bereits bei diesem Fest, appellieren Stadt und Gemeinden auch beim Fastenbrechen an die Vernunft der Bürger, sich vor dem Corona-Virus zu schützen und Kontakte zu beschränken, denn die Lage in Offenbach ist aktuell sehr Ernst. (Frank Sommer)

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