Viele Corona-Neuinfektionen

Offenbach droht uneinsichtigen Reiserückkehrern mit fünfstelligen Bußgeldern

Auf einem Smartphone wird der Fragebogen des Offenbacher Gesundheitsamtes angezeigt.
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Das Offenbacher Gesundheitsamt hat wegen der Corona-Pandemie einen digitalen Fragebogen für Reiserückkehrer entwickelt.

In Offenbach hat sich die Gesamtzahl der Corona-Infizierten in 24 Stunden so stark erhöht wie nie zuvor. Die Hälfte der Neuinfizierten sind Reiserückkehrer.

Offenbach – Trauriger Höchststand: Am Mittwoch (29.07.2020) meldete Offenbach 265 Corona-Infizierte. Damit hat sich die Gesamtzahl innerhalb von 24 Stunden um 16 erhöht – so viele wie nie zuvor. Die Hälfte der Neuinfizierten stellt eine Gruppe, die nun bundesweit in den Fokus gerückt ist: Reiserückkehrer. „Die erste Welle in Deutschland wurde durch Reiserückkehrer aus Ischgl ausgelöst – da kam Offenbach noch gut weg. Doch momentan haben wir viele Rückkehrer von Reisen in Corona-Risikogebiete wie die Türkei, Serbien, Bosnien oder Montenegro“, weiß Dr. Bernhard Bornhofen, Leiter des Gesundheitsamtes.

Wer aus diesen Gebieten zurückreist, muss sich eigentlich beim Amt melden und anschließend in eine 14-tätige Quarantäne gehen. Doch basiert dies bisher völlig auf Vertrauen: Wer sich nicht von selbst beim Gesundheitsamt meldet, von dem weiß man dort nichts. Bornhofen betont, dass die Stadt mit großem Aufwand versucht habe, bei Arbeitgebern, Migrantenvereinen, Moscheegemeinden oder dem Ausländerbeirat auf diese Problematik hinzuweisen.

Corona: Täglich 120 Anrufe zu Reisefragen beim Gesundheitsamt in Offenbach

Einerseits sei dies zwar von Erfolg gekrönt: Täglich erreichen rund 120 Anrufe von Reisenden das Gesundheitsamt in Offenbach, zehn Mitarbeiter sind allein für diesen Telefondienst abgestellt. Doch gleichzeitig werden immer wieder Fälle bekannt, bei denen die Personen nichts von der Meldepflicht wussten und anschließend als mögliche Infektionsüberträger tagelang unterwegs waren.

Bornhofen erinnert daran, dass Arbeitnehmer, die sich wissentlich in ein Risikogebiet begeben, unter Umständen ihren Anspruch auf Lohnersatzzahlungen für die Zeit der Quarantäne verlieren – eine Reise in ein Risikogebiet sollte folglich gut überlegt sein. Auch stelle es eine Ordnungswidrigkeit dar, sich nicht zu melden – und diese kann mit fünfstelligen Bußgeldzahlungen teuer werden.

Offenbach: Informationen für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Das Offenbacher Gesundheitsamt hat unter https://t1p.de/o7br mehrere Informationen für Reisende in Risikogebiete zusammengestellt. Wer aus einem Risikogebiet zurück reist, ist verpflichtet, sich umgehend beim Stadtgesundheitsamt unter E-Mail an hit.gesundheitsamt@offenbach.de oder unter Telefon 069 80653520 zu melden und sich in Quarantäne zu begeben. Wer dem nicht nachkommt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 25 000 Euro geahndet werden kann. Für Reiserückkehrer hat das Gesundheitsamt einen Fragebogen in mehreren Sprachen erstellt, der auch mobil ausgefüllt und versendet werden kann: https://t1p.de/ntsh.

Die Lage macht nicht einfacher, dass die Frage der Corona-Tests für Rückkehrer bisher bundesweit uneinheitlich geregelt war. Erst kommende Woche soll es eine verbindliche Regelung seitens des Bundes geben. „Wer einen negativen Corona-Test nach einer Reise nachweisen kann, muss nicht in Quarantäne“, sagt Bornhofen.

Allerdings gebe es auch da Fallstricke: Wer etwa zwei Tage vor Abreise im Urlaubsland einen Test mache und dann bei der Einreise das negative Testergebnis vorlege, hätte formal alles richtig gemacht – und doch bestünde die Gefahr, sich in der Zeit zwischen Test und Einreise zu infizieren. Abhilfe könne die geplante Verpflichtung, bei Einreise einen Test zu machen, schaffen.

Offenbach: Auf amtlich anerkannte Corona-Schnelltests achten

Der Leiter des Gesundheitsamtes Offenbach weist darauf hin, dass unter dem Namen „Schnelltest“ auch Angebote verfügbar sind, die jedoch nicht amtlich anerkannt werden. „Wer sich testen lassen will, sollte darauf achten, dass es ein PCR-Test ist – sogenannte Antikörper-Schnelltests werden nicht anerkannt.“

Neben Reiserückkehrern nimmt das Gesundheitsamt auch osteuropäische Bauarbeiter, die im ganzen Rhein-Main-Gebiet tätig sind, aber aus Kostengründen in Offenbach untergebracht sind, ins Visier: In den meist zu kleinen Unterkünften werde oft nicht auf Abstandsregeln geachtet, eine Infektion zieht dann rasch viele weitere Fälle nach sich.

Corona: Hohe Arbeitsbelastung beim Offenbacher Gesundheitsamt

An die Rückkehr zu normalen Arbeitszeiten sei beim Gesundheitsamt mit Blick auf Reise-Problematik und Nachverfolgung von Infektionsketten auch weiter nicht zu denken. „Positive Testergebnisse werden uns in der Zeit zwischen 17 und 23 Uhr gemeldet“, sagt Bornhofen. Zwar sei sein Amt personell bereits um sechs Stellen aufgestockt worden und Anfang August werden vier weitere Mitarbeiter hinzukommen, doch von Entlastung könne man nicht sprechen.

„Aufklärung muss weiter betrieben werden, für Entwarnung ist es zu früh“, stellt Bornhofen klar. Der zweiten Welle entgehen könne man nur, wenn alle die „AHA-Regel“ konsequent anwendeten: „Abstand halten, auf Hygiene achten und Alltagsmasken tragen.“ Der Erfolg, dass Deutschland vergleichsweise wenig Tote gehabt habe, sei leider auch das Problem: „Dadurch wird die Gefährlichkeit von Corona unterschätzt.“ Auch waren die schweren Krankheitsverläufe weit weniger präsent in der Öffentlichkeit als in anderen Ländern. „Wer aber mit Pflegepersonal spricht, bekommt ein anderes Bild: Diese Leute wissen, wie schwer ein Covid-19-Patient leidet“, sagt Bernhard Bornhofen. (Von Frank Sommer)

Alle Informationen über Corona in der Region Offenbach finden Sie in unserem News-Ticker.

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