„Ich hab gedacht, ich spinne“

Keine Pizza Hawaii: Sana Klinikum verwehrt Patientin sehnlichsten Wunsch

Das Sana Klinikum in Offenbach hat einer Patientin den Wunsch auf eine Pizza Hawaii verwehrt. 
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Das Sana Klinikum in Offenbach hat einer Patientin den Wunsch auf eine Pizza Hawaii verwehrt. 

Das Sana Klinikum in Offenbach hat einer Patientin den Wunsch auf eine Pizza Hawaii verwehrt. Ihr Sohn wünscht sich angesichts der Begründung mehr „Menschlichkeit“.

Offenbach – Um seiner 86-jährigen Mutter die schwere Zeit im Sana-Klinikum leichter zu machen, wollte Dieter Walk ihr einen Wunsch erfüllen: eine Pizza Hawaii. Um die hatte die Seniorin sehnlichst gebeten, weil ihr das Krankenhausessen nicht schmeckte. Doch mit dem Karton kommt er nicht weit. Die offizielle Entscheidung der Klinik: Keine Pizza für Gisela Walk – wegen Infektionsgefahr. Eine Pizza Hawaii stellt für die Patienten des Sana-Klinikums eine ernste Infektionsgefahr dar. Das ist zumindest das, was die Verantwortlichen Dieter Walk gesagt haben, als er mit einem dampfenden Pizzakarton, vor dem Eingang der Station steht.

Eigentlich sollte die Ananas-Schinken-Kombi das angegriffene Gemüt seiner 86-jährigen Mutter Gisela etwas aufhellen, es ihr leichter machen, den Klinikaufenthalt ohne Besuch zu ertragen. „Sie hatte sich ihr Lieblingsessen so sehr gewünscht“, sagt Walk. „Die Krankenhauskost hat sie nicht mehr runterbekommen.“ Also fährt er los, holt bei einer nahegelegenen Pizzeria eine Pizza Hawaii und will sie am Eingang für seine Mutter abgeben. „So läuft das eigentlich immer in der Zeit von Corona“, sagt Walk. „Wenn ich etwas für meine Mutter hatte, habe ich es abgegeben und es wurde ihr dann aufs Zimmer gebracht.“

Sana Klinikum Offenbach: Pizza stellt zu hohes Infektionsrisiko dar

Doch an diesem Tag blockt das Personal am Eingang zur Station. Zu gefährlich, die Pizza stelle eine mögliche Infektionsquelle dar, heißt es. „Ich hab gedacht, ich spinne“, sagt Walk. „Es ist doch völlig egal, ob ich meiner Mutter ein Buch vorbeibringe oder einen Pizzakarton mit ihrem Lieblingsessen“, argumentiert Walk.

Für das Sana-Klinikum zählt das aber offensichtlich nicht. „Das Personal hat richtig gehandelt“, sagt Klinik-Sprecherin Marion Band. „Lebensmittel dürfen zurzeit nicht zu den Patienten gebracht werden.“ Das gelte für alle Lebensmittel, auch für eine Pizza Hawaii. Diese Regelung sei schon länger in Kraft und auch auf der Homepage des Sana-Klinikums nachzulesen, sagt Band.

Offenbach: „Etwas mehr Menschlichkeit“

Der Frage, ob von einem Pizzakarton tatsächlich eine erhöhte Infektionsgefahr ausgeht, weicht sie aus. „Für uns ist das vor allem eine Frage der Logistik“, rechtfertigt sie die Entscheidung des Klinikums. „Wenn jetzt jeder anfängt, den Patienten Essen vorbeizubringen, können wir das nicht leisten.“ Dazu komme, dass viele Patienten aus medizinischen Gründen gar nicht alles essen dürften.

Dieter Walk hat zwar grundsätzlich Verständnis für die harte Linie in Sachen Lebensmittellieferungen, wünscht sich aber im Einzelfall mehr Augenmaß. „Gerade, wenn es einmalig darum geht, einsamen alten Menschen den Klinikalltag etwas angenehmer zu machen, könnte man ja etwas mehr Menschlichkeit zeigen.“

Sana Klinikum Offenbach: „Lebensmittel dürfen zur Zeit nicht zu den Patienten gebracht werden“

Mittlerweile ist die 86-jährige Gisela Walk wieder entlassen, befindet sich auf dem Weg der Besserung und hat endlich ihre ersehnte Pizza Hawaii verspeist. (Christian Reinartz)

Die Mitarbeiter des Sana Klinikums in Offenbach erhielten erst vor Kurzem schlechte Nachrichten.

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