Gesundheitsamt an Kapazitätsgrenze

Mutter schlägt Alarm: Verwirrung um Corona-Tests bei Schülern

Ein Schüler kommt mit Mundschutz in die Klasse und stellt seine Schulranzen auf seinen Tisch.
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Manche Schulklassen in Offenbach müssen zum Corona-Test, andere nicht (Symbolbild).

Das Gesundheitsamt in Offenbach stößt an seine Grenzen - und fährt eine undurchsichtige Linie. Manche Schulklassen müssen zum Corona-Test, andere nicht.

  • Eltern von Schülern an der Leibnizschule berichten von einer verwirrenden Linie des Gesundheitsamts in Offenbach.
  • Ein Schüler einer 6. Klasse wurde positiv getestet, doch die Klasse soll nicht getestet werden.
  • Bei einem ähnlichen Fall mit einer 7. Klasse sollen alle Schüler auf Corona-Tests machen.

Offenbach - Die 7-Tage-Inzidenz nähert sich wieder bedrohlich der roten Warnstufe von 50 Infizierten auf 100.000 Einwohner. Insgesamt tragen nachweislich 94 Menschen in Offenbach das Coronavirus mit sich herum. Umso wichtiger ist es da, Infektionsketten zu erfassen und weitere Ansteckungen zu verhindern. Auch an den Schulen sind kurz vor den Herbstferien wieder Erkrankungen bekannt geworden, Klassen mussten in Quarantäne. Doch laut Kerstin Düppe, Mutter eines Leibnizschülers, werden die Klassenkameraden eines Infizierten nicht mehr sofort zum Corona-Test geschickt.

Was war geschehen? Vergangene Woche wurde in einer sechsten Klasse ein Corona-Fall bekannt. Sechs Wochen zuvor, als schon einmal ein Schüler betroffen war, kontaktierte das Gesundheitsamt innerhalb weniger Stunden alle Eltern der Klasse und ordnete Quarantäne und Tests in der Frankfurter Uniklinik an. Diesmal erfuhren die Eltern nur über die Klassenlehrerin von der Quarantäne-Anordnung. „Von einem Corona-Test war aber keine Rede mehr “, sagt Düppe.

Gesundheitsamt Offenbach: Hinweis von RKI keine bindende Empfehlung

Auf Nachfrage beim Gesundheitsamt wurde ihr mitgeteilt, dass eine Quarantäne-Anordnung nicht mehr automatisch einen Corona-Test nach sich ziehe. „Das Robert-Koch-Institut empfiehlt aber, dringend, dass zur frühzeitigen Erkennung Tests durchgeführt werden“, sagt sie. Das Gesundheitsamt halte das jedoch nur für eine nicht bindende Empfehlung. Erklärt wurde das mit eigenen Kapazitätsproblemen.

Da Kerstin Düppe Gewissheit über den Zustand ihres Sohnes haben wollte, ließ sie auf eigene Kosten einen Test machen. „Der fiel zum Glück negativ aus“, sagt sie. Für Eltern wie sie unverständlich: Als am Montag bei einer siebten Leibniz-Klasse ein Corona-Fall bekannt wurde, wurden neben der Quarantäne auch Tests angeordnet.

Gesundheitsamt Offenbach testet wegen Kapazität nicht alle Schüler aus betroffenen Klassen

Auf Nachfrage heißt es bei der Stadt, dass sehr wohl Corona-Tests angeordnet würden, allerdings werde „aus Kapazitätsgründen bei Testcentern und Laboren“ nur noch zum Ablauf der Quarantäne getestet, um sicherzugehen, dass dann eine Infektion mit Sicherheit ausgeschlossen werden könne. Auch im Fall der sechsten Klasse werde getestet, jedoch entscheide das Gesundheitsamt, wer zum Test dürfe: Nur wer „intensiven Kontakt“ zu den infizierten Kindern hatte, müsse auch untersucht werden. Wenn ein Mund-Nasen-Schutz getragen und der Klassenraum stets gut durchlüftet worden sei, könne es auch sein, dass sich das Gesundheitsamt gegen einen Test entscheide.

Zudem hätte die Erfahrung gezeigt, dass es bisher unter allen knapp 2500 getesteten Schülern, die mit Infizierten Kontakt hatten, kein einziges positives Ergebnis gegeben habe. Womöglich würden sich Kinder also nicht untereinander anstecken, heißt es.

Gesundheitsamt Offenbach: Freiwilligen Corona-Test können nicht alle Familien selbst zahlen

Für Mutter Düppe ist dieses Verhalten unverständlich. „Mein Sohn und der Betroffene saßen sechs Stunden zusammen im Klassenraum – da hätte man testen sollen.“ Darauf zu hoffen, dass Kinder sich untereinander nicht anstecken könnten, sei unverantwortlich. „Es fehlt einfach die einheitliche Linie, wenn die einen getestet werden, die anderen aber nicht.“ Der Hinweis der Stadt, dass sich jeder selbst testen lassen könne, gehe in die falsche Richtung, denn nicht alle Eltern von Schülern aus Offenbach könnten sich die 59 Euro für einen Corona-Test leisten.

Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß äußert in einem Schreiben an Kerstin Düppe Verständnis für deren Einwände: Vorsorgliche Tests hätten „zur Beruhigung der jeweiligen Lage viel beigetragen“. Allerdings sei das Gesundheitsamt an Kapazitätsgrenzen gestoßen, weswegen „Priorisierungen nach Abwägungen“ vorgenommen werden, „um mit der Fülle der Aufgaben zurechtzukommen.“ Er habe im Krisenstab darum gebeten, das Vorgehen „intensiv zu kommunizieren“, damit es für alle Eltern verständlich sei. (Frank Sommer)

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