Markt Offenbach

Klobaler Konflikt: Damentoilette ist unzumutbar

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Zu eng und zu heiß: Wenn die Marktfrau muss, muss sie sich reinquetschen und aufpassen.

Offenbach - Eigentlich war der mit der Presse anberaumte Ortstermin als Gelegenheit zur Schlichtung gedacht. Aber statt versöhnlich wird es im Keller des Markthäuschens laut. Sehr laut und teils deftig. Von Sonja Achenbach und Thomas Kirstein

Es schreien sich an Werner Hinkelbein vom Liegenschaftsamt und die Marktfrauen Petra Heckelmann und Naomi Neumann.

Im Untergeschoss des gerade sanierten, auch gastronomisch genutzten Schmuckstücks am Nordende des Wilhelmsplatzes geht es vordergründig um die nach der Renovierung zu mickrig ausgefallene Damentoilette. Weil beide Seiten gleich loslegen, lässt sich nicht beurteilen, wer wen zuerst angegangen ist. Wer mit Wochenmarkt-Befindlichkeiten vertraut ist, weiß aber: Hier entlädt sich auch Aufgestautes.

Nach wenigen Minuten Wortgefecht – die Redaktion war Ohrenzeuge, mag die gegenseitigen Beleidigungen aber nicht dokumentieren – rauschen die Gärtnerin und die Vorsitzende des Marktbeschickervereins wütend ab.

Symptome eines zerrütteten Verhältnisses

Die Probleme, die sie vorbringen wollten, haben sie zum Glück schon vorher ruhiger der Zeitung geklagt. Was sie aufbringt, sind nur neu hinzugekommene Symptome eines zerrütteten Verhältnisses. Gibt es doch unter den Beschickern nicht wenige, die überzeugt sind, die Stadt nehme sich zu viel mit „ihrem“ Markt heraus; beim Umbau des Wilhelmsplatzes hat man sich nicht richtig eingebunden und gefragt gefühlt; neue Belegungspläne gängeln; alte Standplätze waren besser; das neue Pflaster vertreibt die Kunden; mancher sieht sich durch die Umgestaltung schlicht an den Rand des Ruins getrieben.

Aktuell ist es die unzureichende Gelegenheit, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, die in Rage bringen. Wochenlang, schimpfen Petra Heckelmann und Naomi Kaiser, habe den Frauen des Markts wegen des Markthaus-Umbaus kein stilles Örtchen zur Verfügung gestanden. Und jetzt sei alles schlimmer als vorher: Nur noch ein Thron für sämtliche Marktfrauen! Und der Kabuff, wo er steht, ist eine Zumutung! Frau kann sich in der Sardinenbüchse kaum drehen; wer sich bei kalten Außentemperaturen zu unvorsichtig hinsetzt, holt sich Brandblasen; nur acht Zentimeter sind’s zwischen der Klobrille und dem heißem Heizkörper.

Neidisch gucken Damen rüber zu den Herren

Neidisch gucken die Damen rüber zu den Herren, denen ausreichend Bewegungsfreiheit an sage und schreibe vier Pinkelbecken vergönnt ist. „Wir gehen schon mal aufs Männerklo“, gesteht Petra Heckelmann.

Das sollte beim Ortstermin besprochen und nach Möglichkeit geklärt werden. Aber es entlud sich ja lautstark und wenig hilfreich ein klobaler Konflikt.

Als die Widersacherinnen weg sind, atmet der für den Wochenmarkt zuständige Stadtmitarbeiter Hinkelbein erstmal durch und nimmt Platz sowie wieder Farbe im Gesicht an. Dann erklärt er der Zeitung, was er den Marktfrauen – deren bekannte Renitenz er freilich zuvor ausdrücklich betont hatte – hatte mitteilen wollen: Eigentlich sollte der Heizkörper gar nicht an dieser Stelle sein – aber angesichts anderer Leistungen der Firma wundert ihn die Fehlinstallation nun auch wieder nicht, sagt er. Abhilfe wird geschaffen: Der Heizkörper wird durch einen kleineren an weniger problematischer Stelle ersetzt. Nämlich dorthin, wo er von Anfang an hätte hingesetzt werden sollen.

Und auch das sollte die Damen erleichtern: Sie dürfen die Kabine der Marktaufsicht als zweite Damentoilette nutzen.

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