Letzter Ausweg

Wohnungsnot: Dauerbelegung des Frauenhauses führt zu erheblichen Einschränkungen

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Für Betroffene von häuslicher Gewalt stellt der Gang ins Frauenhaus häufig den letzten Ausweg aus einer im Zweifel lebensbedrohlichen Situation dar. (Symbolbild)

Für Betroffene von häuslicher Gewalt, ob physisch oder psychisch, stellt der Gang ins Frauenhaus häufig den letzten Ausweg aus einer im Zweifel lebensbedrohlichen Situation dar.

  • Frauenhäuser oft als letzter Ausweg 
  • Wohnungsnot belastet auch Frauenhaus Offenbach
  • Frauenhaus als Übergangslösung immer länger genutzt

Offenbach –  Fernab von ihrem Wohnort und an einer geheimen Adresse bekommen betroffene Frauen von häuslicher Gewalt in diesen Einrichtungen nicht nur unmittelbare Hilfe und Beratung, sondern vor allem eine vorübergehend geschützte Unterkunft, in der sie von dem gewalttätigen Partner nicht gefunden werden können und sicher sind.

Doch wie Gloria Schmid, von der Beratungsstelle „Frauen Helfen Frauen“, die das Offenbacher Frauenhaus betreibt, erzählt, zieht sich diese Übergangslösung für viele Frauen schon seit geraumer Zeit immer häufiger in die Länge.

Sie beklagt, dass es aufgrund steigender Mieten immer schwieriger werde, bezahlbare Wohnungen für diejenigen zu finden, die aus dem Frauenhaus ausziehen und fortan ein neues Leben in der Stadt beginnen möchten.

Offenbach: Übergangslösung im Frauenhaus zieht sich immer häufiger in die Länge

Als Beispiel nennt sie eine Frau, die anderthalb Jahre in der Einrichtung gelebt hat, bis vor Kurzem endlich eine Wohnung gefunden wurde, in die sie einziehen kann. „Die Stadtentwicklung geht zulasten derjenigen, die aus einer Gefährdungssituation zu uns kommen“, kommentiert Schmid den gegenwärtigen Zustand.

Zwar existiere eine freiwillige Selbstverpflichtung, in welcher sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBO dazu bekenne, betroffenen Frauen bevorzugt Wohnraum zu vermitteln, doch all zu häufig zeige diese Regelung nach ihrer Erfahrung keinerlei Wirkung.

Offenbach Frauenhaus: Betroffene finden keine neue Wohnung

Hinzu kommt, dass das Problem einem Teufelskreis gleicht. Eine Folge des schwierigen Wohnungsmarkts: Betroffene wollen aus der als Übergang gedachten Schutzeinrichtung wieder auszuziehen, finden jedoch keine Wohnung; sie bleiben weiterhin im Frauenhaus und blockieren somit gewissermaßen den Platz für andere Schutzsuchende.

Und der Platz in der Offenbacher Einrichtung sei sowieso schon viel zu eng bemessen, weiß Schmid zu berichten. Auf zwei Stockwerken bietet das Haus 32 Plätze auf zwölf Zimmer verteilt, die in der Regel immer voll belegt sind. Sie spricht davon, dass das Frauenhaus um mindestens zwei zusätzliche Zimmer erweitert und im besten Fall auch barrierefrei gestaltet werden müsse.

Offenbach: Frauenhaus fordert Zugriff auf freie Wohnungen

Doch damit allein sei das Problem noch lange nicht gelöst, ist sich Gloria Schmid sicher. „Wir können nicht einfach nur die Einrichtung vergrößern, sondern was wir wirklich brauchen, ist der Zugriff auf freie Wohnungen“, fasst sie eine der dringendsten Forderungen des Vereins zusammen.

Zwei zusätzliche Zimmer im Frauenhaus sowie jährlich 15 Wohnungen, zu denen sich die GBO selbst verpflichtet hat, wären die Lösung: „So könnten wir einen schnelleren Durchlauf von etwa einem halben Jahr gewährleisten“, ist Gloria Schmid sicher.

Etwa ein halbes Jahr dauert es ihr zufolge auch, um für die Schutzsuchenden die ersten Schritte eines Neuanfangs in die Gänge zu leiten. Die gehen von der Anmeldung in Kindergärten oder Schulen über die Vermittlung von Sprachkursen oder der Anbindung ans Jobcenter. „Doch dann stagniert es schnell, und das lange Warten ist für die Frauen oft super deprimierend.“

Verstärkt werde diese schwierige Situation zudem noch dadurch, dass viele der Frauen, die Zuflucht in der Einrichtung suchten, zuvor finanziell von ihrem Partner abhängig gewesen seien. „Dann fliehen sie vor der häuslichen Gewalt, doch der Täter kann einfach in der Wohnung bleiben – das kann so nicht sein“, ärgert sich Gloria Schmid.

VON JOEL SCHMIDT

Wer vor häuslicher Gewalt flieht, kann in einem Frauenhaus Zuflucht finden. Und wie geht es danach weiter? Diese und weitere Fragen beantwortet „Frauen helfen Frauen“ bei einem Tag der offenen Tür.

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