Ein Grund ist die Corona-Pandemie

Verbrennung von Privatmüll in Offenbach gestoppt – Bürger verärgert 

Das Müllheizkraftwerk wird für Klärschlammverbrennung aufgerüstet. Den entsprechenden Bauarbeiten und Corona fällt die Anlieferung von nicht gewerblichen Abfällen zum Opfer. Foto: EVO/Georg-Foto
+
Das Müllheizkraftwerk wird für Klärschlammverbrennung aufgerüstet. Den entsprechenden Bauarbeiten und Corona fällt die Anlieferung von nicht gewerblichen Abfällen zum Opfer.

Die Energieversorgung Offenbach (EVO) hat ihr Müllheizkraftwerk (MHKW) bis mindestens Ende des nächsten Jahres für den Normalbürger dichtgemacht. Ob es nach 2021 zu einer Wiederöffnung kommt, steht in den Sternen.

Offenbach – Lang sind die Zeiten her, da Privatleute jeden Tag ihr Gerümpel und nicht mehr in die Tonne passenden Abfall täglich und sogar kostenlos in die Müllverbrennung karren konnten; mit der regelmäßigen Samstagsannahme in Offenbach ist es auch vorbei; die Öffnung jeden zweiten und dann nur noch einen Samstag im Monat ist ebenfalls Vergangenheit.

EVO Offenbach: Privatmüll wird vorerst nicht mehr verbrannt

EVO-Sprecher Harald Hofmann erläutert die Beweggründe, die sein Unternehmen zu diesem Schritt bewogen: Einmal ist da natürlich Corona, die Pandemie verbietet einen Publikumsverkehr in der Anlage, strikte Zugangsregeln sollen eine Infektion des Betriebspersonals verhindern. „Wir könnten es uns nicht leisten, dass eine ganze Schicht ausfällt, dann müssten wir den ganzen Laden zumachen – eine Katastrophe“, sagt Hofmann.

Am Tor angegebene Zeiten sind passé.

Das andere sind von außen nicht sichtbare Umbauarbeiten. Die EVO lässt eine Anlage zur Klärschlammverbrennung installieren, die in die bestehende integriert wird; außen kommt später eine Unterdruckhalle dazu. Auf den Freiflächen müssen Kräne aufgebaut werden, Riesenlaster transportieren Material, dazu kommt weiterer Baustellenverkehr.

Offenbach (EVO): Müll kann nicht mehr abgeliefert werden

„Die Sicherheitslage wegen der Bauarbeiten erlaubt die Zufahrt auf das Werksgelände für Private nicht“, hat die EVO entschieden. Und auch wenn einmal der erste Klärschlamm verfeuert wird, zeichnet sich eine Rückkehr früheren Verhältnissen nicht ab. Denn die „auf Samstag ausgedehnten LKW-Anlieferungen und die sehr begrenzten örtlichen Verhältnisse“ lassen die EVO „prüfen, ob eine Wiederaufnahme der Müll-Anlieferungen von Privatleuten aus Sicherheitsgründen grundsätzlich wieder möglich sein wird“.

Offenbach: Bürger ärgert die Entscheidung der EVO

Hört sich nicht gut an für Menschen, die das Angebot gern nutzten und dafür auch bisweilen lange Autoschlangen und Wartezeiten in Kauf nahmen. Das Bedürfnis und die Notwendigkeit, Müll außerhalb der regelmäßigen Abholung und den Möglichkeiten der Wertstoffhöfe hinaus loszuwerden, sind wohl nicht gering. Nutzer wie der Heusenstammer Martin K. werden von den Aussichten nicht begeistert sein. Er hat den Verdacht, dass der Müllofen-Betreiber keinerlei Interesse habe, das bürgernahe Angebot weiter aufrecht zu erhalten. Er schlägt auch die finanzielle Seite auf: Dem EVO-Tarif von 4,50 Euro pro Kofferraum und neun Euro mit heruntergeklappten Sitzen stünden sieben Euro für einen zusätzlichen 60-Liter-Müllsack und Container ab 270 Euro gegenüber.

Debatte um Stopp der Privatmüllverbrennung in Offenbach

Außerdem weist K. auf etliche Abfallarten hin, die von Wertstoffhof und Sperrmüllabfuhr nicht abgedeckt sind. Für Tapeten- und Teppichreste, behandeltes Holz und Laminat oder größeres Plastikspielzeug werde die Müllverbrennung als bessere Adresse empfohlen.

Dem hält EVO-Sprecher Hofmann entgegen, dass die meisten der ins MHKW gebrachten Abfälle durchaus auf kommunalen Bauhöfen willkommen seien – müssten vorher allerdings sortiert werden. Und: „Viele private Anlieferer bringen uns in regelmäßigen Abständen ganz normalen Hausmüll, was sich mit einer größeren Tonne erübrigen würde.“

Wer häufiger die Dietzenbacher Straße angesteuert hat, muss, wie Martin K., die Theorie des großen Restmüll-Anteils nicht teilen. Bei den meisten Mit-Anlieferern handelt es sich eher um Renovierer und Entrümpler. Beide, so scheint es, müssen sich auf Dauer umorientieren. Wer genau wissen will, was wo hin darf, kann das hilfreiche Abfall-ABC auf www.offenbach.de nutzen.

VON THOMAS KIRSTEIN

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare