Fremdgehern auf den Fersen

Sherlock-Holmes-Tag: Ein Detektiv gibt Einblicke in seinen Berufsalltag

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Alexander Malien ist von Beruf Detektiv.

Wohl basierend auf dem Geburtstag seines Schöpfers, erhielt eine der bedeutendsten Figur der Kriminalliteratur einen eigenen Ehrentag: Sir Arthur Conan Doyle wurde am 22. Mai 1859 geboren – Grund genug für seine Fans, heute den „Internationalen Sherlock-Holmes-Tag“ auszurufen.

Offenbach – Seit 2014 wird dieser kuriose Feiertag zelebriert und dem wohl berühmtesten Detektiv der Welt gehuldigt. Aber wie sieht der Berufsalltag eines echten Detektivs eigentlich aus? Mit den gängigen Vorstellungen vom Schnüffler, der mit der Lupe auf dem Boden kriecht und zwischendurch sein Pfeifchen schmaucht, hat die Realität nicht viel zu tun. Unsere Zeitung hat einen Detektiv getroffen und nachgefragt.

Das Offenbacher Umland gehört zum Tätigkeitsgebiet der Frankfurter Detektei Lentz: Auch hier werden im Privatbereich Fremdgeher oder Unterhaltsbetrüger entlarvt oder auf dem Wirtschaftssektor Lohnfortzahlungsbetrüge oder Verstöße gegen das Wettbewerbsverbot freigestellter Mitarbeiter von Firmen aufgedeckt. Das dritte Feld beschäftigt sich mit dem Thema Abhörschutz, allerdings nicht in Form von Lauschaktionen – es geht vielmehr darum, solchen auf die Spur zu kommen.

Der 32-jährige Alexander Malien ist bereits seit zwölf Jahren dabei: Eigentlich gelernter Kfz-Mechatroniker, hat er sich nach seiner Bundeswehrzeit neu orientiert und sich nach einigen Schnupperwochen für diese Laufbahn entschieden.

„Man braucht viel Geduld und Ausdauer“, beschreibt Malien, der mittlerweile auch als Gesellschafter der Detektei fungiert, seine Tätigkeiten im Außendienst. Er ist für Ermittlungen und Beobachtungen zuständig, nachdem sein Team für den jeweiligen Fall gebrieft wurde. „Wir bieten Observationen nie unter drei Detektiven im Team an“, erklärt Malien.

Der Innendienst stellt im Vorfeld auftragsvorbereitende Ermittlungen an, damit die Observation so reibungslos wie möglich vonstatten gehen kann. Aber auch das Detektivteam selbst bereitet sich vor, indem es die Umgebung des Falles sondiert: „Wir verschaffen uns erst einmal einen Überblick, wie die örtlichen Gegebenheiten sind, was man für ein Fahrzeug einsetzen kann, ob vielleicht auch ein Motorrad sinnvoll ist oder öffentliche Verkehrsmittel.“

Vor Ort verschafft man sich den Überblick im Team: „Man braucht geeignete Beobachtungspositionen, meistens mit Blick auf das Objekt, in dem die Zielperson wohnt.“ Gelegentlich kann die Observation ganz schön am Geduldsfaden zerren, „gerade bei krankgeschriebenen Arbeitnehmern, die vielleicht wirklich den ganzen Tag zu Hause sind.“ Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: „Es kann auch passieren, dass ein Außendienstmitarbeiter, bei dem es um Spesen- oder Arbeitszeitbetrug geht, einen den ganzen Tag durch die Gegend scheucht.“ Manchmal stünde man acht Stunden vor einem Haus, weil die Zielperson nicht auftauche, „dann komme sie kurz vor Abbruch doch raus – „und dann geht es von Null auf Hundert los.“ Manchmal müssen in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen getroffen werden, die der Detektiv aus seiner Erfahrung und seiner Menschenkenntnis schöpft.

Neben der Beobachtung muss natürlich auch ermittelt werden: In Seminaren erlernen die Spürnasen psychologische Gesprächsführung, mit der man dem Gegenüber Informationen entlocken kann, ohne dass derjenige merkt, worum es tatsächlich geht. Was genau man anwenden kann, hänge immer von der Umgebung und den Gegebenheiten ab, berichtet Malien. Auf alle Fälle gibt ein Detektiv in einer solchen Situation nicht seinen Klarnamen, sondern einen fiktiven Namen an.

In eine brenzlige Situation ist Malien selbst noch nicht geraten - doch ist kein Ermittler igefeit, in seltenen Fällen auch einmal aufzufliegen: „Wir sind psychologisch so geschult, dass wir uns Stories einfallen lassen, mit denen man sich erst einmal gut rausreden kann. Die Leute werden immer misstrauischer, gerade die, die wirklich Dreck am Stecken haben – und man kann ja weder die Person noch die Fahrzeuge in Luft auflösen.“ Werden sie enttarnt, sind der betreffende Detektiv und das Fahrzeug „erst mal raus“ und werden ausgetauscht. „Im allergrößten Notfall wird dann mit dem Kunden geredet, dass man da Gras drüber wachsen lassen kann und den Fall vielleicht in drei, vier Wochen noch mal angeht.“

Alexander Malien trennt seinen Beruf strikt vom Privatleben. Dennoch gibt es manchmal Fälle, bei denen er „den Glauben an die Menschheit verliert“, wie er sagt. Zum Beispiel erinnert er sich an einen Fall aus Offenbach, bei dem eine Frau vermutete, ihr Gatte führe eventuell ein Zweitleben. Wie sich herausstellte, war dem Herren ein Zweitleben nicht genug: Der Schwerenöter unterhielt feste Partnerschaften mit vier anderen Frauen und hatte sogar mit zweien davon Kinder.

Schwierig mache seinen Beruf auch die Darstellung von Detektiven in Film und Fernsehen, die bei manchen Kunden eine bestimmte Erwartungshaltung fördere: „Wenn wir so arbeiten würden, wie es im Fernsehen gezeigt wird, säßen wir alle schon längst im Knast“, schmunzelt Alexander Malien.

VON JAN SCHUBA

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