Mehr Kommunikation nötig

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Die Gründer des deutsch-türkischen Unternehmervereins DTU mit ihrer Vorsitzenden Rukiye Tunc Tuygar (4.v.l.) stellten sich jetzt bei der IHK in Offenbach vor.

Offenbach - Eva Dude, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer in Offenbach, soll beantworten, „warum die Gründung des deutsch-türkischen Unternehmervereins (DTU) wichtig ist“. Von Stefan Mangold

Das ist gar nicht so einfach, schließlich hat sich der DTU-Hessen gerade erst gegründet und muss erst einmal seine Wichtigkeit beweisen. Eva Dude spricht auf der DTU-Gründungspräsentation am Montag in den Räumen der IHK von den ersten Türken, „die vor 50 Jahren kamen“. Längst gehörten die in Deutschland zur Normalität. Deren Enkel seien mittlerweile an der Spitze der Gesellschaft angekommen. Womit Dude auch eine Frau wie Hülya Arslaner meinen dürfte. Die Frankfurter Rechtsanwältin moderiert die erste Veranstaltung des DTU-Hessen.

Von dessen Zielen spricht Rukiye Tunc Tuygar. Die Juniorchefin der Hainburger Spedition Tunc Trans hält den Vorsitz. Tunc Tuygar attestiert einen „Mangel an Kooperation zwischen den deutsch-türkischen Unternehmern“. Zum einen gelte es, den zu beheben. Zum anderen „wollen wir sozial benachteiligte, insbesondere türkische Bürger bei Berufswahl, Aus- und Weiterbildung unterstützen“. Bisher fehle eine Plattform, auf der sich Unternehmer und arbeitssuchende Jugendliche austauschen könnten. Außerdem engagiere sich der DTU-Hessen für einen „wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Austausch“ mit deutschen Unternehmern. Der Verein wolle auch helfen, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei weiter auszubauen.

Arif Arslaner thematisiert Arbeitslosigkeit unter Türken

Ilhan Saygili, der türkische Generalkonsul in Frankfurt, berichtet von Anfragen per Email nach Ausbildungsstellen, die ihn just an diesem Tag erreicht hätten. Denen habe er mit den Kontaktdaten des DTU-Hessen geantwortet. Des Konsuls Grußwort fasst Hülya Arslaner auf Deutsch zusammen, bevor sie den nächsten Redner ankündigt: „Meinen älteren Bruder, den Geschäftsführer von KUBI e.V.“, dem Frankfurter Verein für Kultur und Bildung. Der Bruder habe in ihrer Jugend bereits darauf geachtet, „dass Bildung in meiner Entwicklung eine wichtige Rolle spielt“.

Arif Arslaner thematisiert die Arbeitslosigkeit unter den Türken. Die liege „zwei- bis dreimal höher als die unter Deutschen“. Fraglos hänge das mit der sozialen Herkunft zusammen. „Die meisten stammen aus Arbeiterfamilien“, in denen Bildung und Ausbildung nicht unbedingt einen hohen Stellenwert eingenommen hätten. „Es gibt jedoch auch Ausgrenzungen von Migranten“, beobachtet Arslaner. Das belege eine Studie. Die habe die Reaktionen von Arbeitgebern auf Bewerbungen mit identischen Notenspiegeln verglichen. Die Einladungen zum Gespräch für Bewerber mit deutschen Namen „waren um ein Viertel höher als für die mit fremd klingenden Namen“. Außerdem erhielten 25 Prozent der Jugendlichen ihren Ausbildungsplatz, „weil sie im Unternehmen jemanden kennen“. Kontakte, über die Migranten weit weniger verfügten.

Kredite nur für den kurzfristigen Bedarf nutzen

Arslaner spricht von der Motivation türkischer Unternehmen, sich für die Qualifikation von Migranten einzusetzen. „Sie haben ein legitimes Interesse, Gewinn zu erzielen“, was mit ausgebildeten Kräften leichter zu realisieren sei. Auch kenne fast jeder türkische Unternehmer jemanden aus der eigenen Familie, „der als sozial benachteiligt gilt“.

Dr. Necdet Bayram, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Eigentümer eines Autohauses in Alsbach, gibt konkrete Hinweise, wie der Verein seine Mitglieder beraten könne. Er empfiehlt, Kontokorrentkredite nur für den kurzfristigen Bedarf zu nutzen. Auf Dauer seien die mit zehn Prozent Zinsen nämlich zu teuer. Er rät deshalb zu langfristiger Aufnahme. Um die Kosten zu drücken, „sollten Sie sich von ihrer Hausbank ständig bewerten lassen“. Claudia Jäger (CDU), Integrationsdezernentin des Kreises Offenbach, hält die „Sprachkompetenz für den wichtigsten Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe“. Nicht alle hätten den gleichen Integrationsstand. Stefan Färber betont ebenfalls „als langjähriges Mitglied im Aufsichtsrat der Sparkasse Offenbach“, wie wichtig für einen Unternehmer der Kontakt zu seiner Bank sei, „der spart ihnen Geld.“

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