Imker werden bestohlen

Kriminelle Banden haben es auf Bienen abgesehen: „Jedes Frühjahr das gleiche Problem“

Bis zu 40 Kilo Honig kann ein gesundes, großes Bienenvolk erzeugen.
+
Bis zu 40 Kilo Honig kann ein gesundes, großes Bienenvolk erzeugen. Die Täter schlagen jeden Frühling zu.

Als „Beute“ bezeichnet man im Imker-Jargon einen Bienenkasten: In Offenbach werden immer wieder Bienenvölker gestohlen. Auch diesen Frühling ist es passiert.

  • Kriminelle Diebesbanden klauen immer wieder Bienenvölker
  • Ein Imker aus Offenbach klagt darüber, dass jeden Frühling Bienen geklaut werden
  • Die Tiere sind lukrativ

Offenbach – Für Björn Pittelkow hat der Begriff eine bittere Doppelbedeutung bekommen: Als er vor wenigen Tagen auf den Schneckenberg fährt, um nach seinen Tieren in Offenbach zu sehen, muss er feststellen, dass er bestohlen wurde. Acht Bienenvölker haben Unbekannte sich unter den Nagel gerissen. Ein ungewöhnliches Verbrechen? Keineswegs. Pittelkow weiß: „Es ist jedes Frühjahr das gleiche Problem.“

Offenbach: Kriminelle klauen immer wieder Bienen - auch diesen Frühling

Als langjähriges Mitglied des Imkervereins „Lehrbienenstand Offenbach 1875“ kennt der Lebensmittelhygieniker sich mit der Zucht bestens aus. Sechs Jahre lang standen seine Beuten unbehelligt auf dem Schneckenberg. „Es sind richtig starke Völker, die jetzt eigentlich in die Rapsernte sollten.“ Die Früchte seiner Arbeit ernten nun andere.

Einen Verdacht, wer die Bienen in Offenbach diesen Frühling gestohlen haben könnte, hat Pittelkow nicht. Eines steht für ihn aber fest: „Es war jemand, der sich mit Bienen auskennt.“ Es müsse entweder ein Imker gewesen sein oder jemand, der im Auftrag eines Imkers gehandelt habe. Laien wüssten weder, wie die Bienen zu handhaben seien, noch wie man von ihnen profitiere. Pittelkow kann nur den Kopf schütteln: „Einige Imker verlieren über den Winter ihre Völker und denken dann: Der Nachbar hat’s ja.“ Das komme leider immer wieder vor.

Offenbach: Banden klauen Bienen im Frühling - woran liegt das?

Warum die Tiere in manch einem Experten kriminelle Ambitionen wecken, kann Jürgen Panthöfer, 1. Vorsitzender des Imkervereins, erklären. Er rechnet vor: „Eine Beute kostet ungefähr 150 Euro, dazu kommen jeweils etwa 180 Euro pro Bienenvolk.“ Im Fall Pittelkow bedeutet das also einen Verlust von mehr als 2 600 Euro. Der Honigertrag ist dabei noch nicht mit eingerechnet. „Diese Bienen produzieren bis zu 40 Kilo Honig pro Volk“, so Panthöfer. „Und auf dem Markt bekommt man für ein Kilo zirka 15 Euro.“ Das entspricht einer zusätzlichen Summe von bis zu 4 800 Euro.

Einen Teil des Geldes könne Pittelkow zwar über die Versicherung vom Landesverband der Imker zurückbekommen, aber das seien eben nur Teilbeträge. Ein enormer Schaden für den ehrlichen Imker. Auch der Zeitpunkt des Diebstahls ist laut Panthöfer kein Zufall. „Das Timing ist super“, sagt er. „Die Beuten haben im Moment noch kein so großes Gewicht, weil der Honigertrag noch nicht da ist.“ Die Bienen seien noch in der Entwicklung. „Die Blütezeit geht ja jetzt erst los.“ Der Dieb habe zweifelsohne in Offenbach beobachtet, wie stark die Bienen fliegen und daraus auf die Größe des Volkes geschlossen. „Und diese tollen Völker stellt er sich jetzt zuhause oder sonst irgendwo hin und arbeitet mit ihnen.“ Alles weitere Zubehör, das er dafür benötige, bekomme er im Online-Fachhandel.

Diebstahl von Bienen in Offenbach: Jedes Jahr viele Fälle

Ein weiterer Nachteil für Bestohlene: Nur an den Beuten kann ein Imker seine Tiere wiedererkennen. Im Falle des Vereins „Lehrbienenstand“ ist in jeden Kasten eine Erkennungsmarke eingebrannt. Sähe Pittelkow aber einen Bienenschwarm in freier Wildbahn, könnte er nicht bestimmen, ob es sich um einen seiner gestohlenen handelt oder nicht.

Panthöfer: „Im Moment sind die Grenzen zu. Aber früher gab es auch öfter Auftragsdiebstähle von osteuropäischen Nachbarn.“ Das Bienenmaterial im Rhein-Main-Gebiet und somit auch in Offenbach sei nämlich bis über die Bundesgrenzen hinweg als besonders gut bekannt. „Da werden die Kästen schnell in einen Sprinter verladen und dann über die Grenze nach Polen oder Tschechien verfrachtet.“ Der Imkerversicherung Gaede & Glauerdt zufolge gibt es unter den 110 000 versicherten Imkern in Deutschland pro Jahr zwischen 250 und 350 Diebstähle.

Offenbach: Das sagt die Polizei zum Diebstahl der Bienen

Polizeisprecher Rudi Neu weiß: „Ermittlungen sind in diesen Fällen schwierig, da es meistens keine verwertbaren Spuren gibt.“ In der Regel sei man deshalb auf Hinweise von Zeugen angewiesen. Nachdem unsere Zeitung bei der Polizei in Offenbach nachgefragte, fand sich der Fall Pittelkow gestern auch in deren Pressebericht. Darin heißt es: „Die Täter kamen offensichtlich mit einem Fahrzeug und transportierten die ,Honigmacher’ ab.“ Die Ermittler bitten um Hinweise unter 069/8098-5100.

Björn Pittelkow gibt die Hoffnung indessen nicht auf. „Die EVO hat in der Nähe eine Photovoltaikanlage mit Videoüberwachung“, sagt er. Er habe bereits mit ihr Kontakt aufgenommen, damit nachgesehen werde, ob der Dieb vielleicht auf Band sei.

Dumm gelaufen: Ein Dieb wurde beim Klauen in einem Lidl in Offenbach ertappt, dann rannte er davon. Er erlebte eine böse Überraschung. Im Kreis Offenbach klaut ein Dieb mit einer blauen OP-Maske Pakete. Als er kurzzeitig gefasst wird, eskaliert die Situation. Außerdem wird das City-Center am Marktplatz in Offenbach umgebaut und saniert. 

Von Marian Meidel

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare