Kaum Infektionen in Bussen

Offenbach: Diesel-Busse werden mit antiviralen Luftfiltern ausgestattet

Die RMV-App hält zu jeder Verbindung eine Auslastungsprognose bereit.
+
Die RMV-App hält zu jeder Verbindung eine Auslastungsprognose bereit.

Der Öffentliche Nahverkehr hat durch die Corona-Pandemie einen schweren Stand: Aus Sorge vor einer Infektion bleiben vielerorts die Fahrgäste aus. Doch trotz des Rückgangs an Fahrgästen erreichen unsere Zeitung viele Leserzuschriften, die sich beklagen – über volle Busse, die fehlenden Abstandsmöglichkeiten in diesen, über Fahrgäste, die sich nicht an die Maskenpflicht halten.

Offenbach - So fragt Leserin Ines W., weshalb nicht öfter Gelenkbusse eingesetzt würden, um so mehr Abstände innerhalb der Busse für Fahrgäste zu ermöglichen. Sie habe schon beobachtet, dass gerade ältere Menschen sich an der Haltestelle gegen eine Fahrt entschieden, wenn die Busse besonders voll seien. Und Leser Lutz S. klagt über die mangelnde Maskendisziplin in den Massenverkehrsmitteln: „Das muss viel stärker kontrolliert werden – die Fahrer sind ja hinter einer Trennscheibe, aber die Nutzer sind nicht geschützt.“

Sowohl die Stadt Offenbach als auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) betonen, dass die Landesregierung die Abstandsregeln außer Kraft gesetzt habe. Dafür gelte aber eine Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. „Der ÖPNV spielt so gut wie keine Rolle als Infektionsort“, sagt zudem Gesundheits- und Nahverkehrsdezernentin Sabine Groß. In den vergangenen zehn Wochen wurden dem Gesundheitsamt nur zwei Fälle bekannt, die sich möglicherweise im ÖPNV infiziert hatten.

Dass die Busse, wie Leser berichteten, oft überfüllt seien, ist nicht durch die von Stadt und RMV erhobenen Daten zu belegen. „Im Januar lag die Fahrgastauslastung gemessen an der Auslastung der S-Bahn bei 40 Prozent im Vergleich zu einem durchschnittlichen Monat vor Corona, im Februar bei 43. Da der Trend verkehrsmittelübergreifend ähnlich ist, ist davon auszugehen, dass auch in den Bussen aktuell weniger als die Hälfte der vor Corona üblichen Fahrgäste unterwegs ist“, sagt RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann. Auch die Offenbacher Buslinien seien längst nicht überfüllt. „Insgesamt gab es im Februar eine Auslastung von 21 Prozent über alle Linien und Tageszeiten“, ergänzt Groß.

Der Wunsch nach mehr Abstand seitens der Fahrgäste sei verständlich, heißt es beim RMV. Allerdings seien bei sämtlichen Verkehrsbetrieben schon alle verfügbaren Fahrzeuge und Fahrer im Einsatz, so auch in Offenbach. Um kleinere Busse auf verschiedenen Linien durch Gelenkbusse zu ersetzen, was Passagieren mehr Platz einräumt, fehlen Fahrzeuge wie Fahrer. „Der Einsatz von zusätzlichen Bussen oder Gelenkbussen auf anderen Strecken ist aus Kapazitätsgründen nicht möglich“, sagt auch Stadträtin Groß. Allerdings hätten die Verkehrsbetriebe das Personal für Kontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht aufgestockt. Auch beim Ordnungsamt weist man darauf hin, dass die Überprüfung der Maskenpflicht in den ausgewiesenen Bereichen der Stadt oberste Priorität habe.

Damit die Fahrgäste sich sicher fühlen könnten, werde einiges unternommen, betont Groß. So würden etwa alle Haltegriffe mehrfach gereinigt oder es werde auf Durchlüften gesetzt. Der von der Kreisverkehrsgesellschaft seit September auf einer Linie im Kreis genutzte keimtötende Lack zur Prävention komme in Offenbach jedoch nicht zum Einsatz, sagt Groß. „Eine Infektion erfolgt über die Luft, wir setzen daher auf antivirale Luftfilter. Die neuen Solaris-E-Busse verfügen bereits über Filter, bei den alten Bussen werden diese sukzessive eingebaut. Leider liefert Hersteller MAN diese sehr langsam aus“, sagt sie.

Sowohl Verkehrsdezernentin als auch RMV verweisen auf ein digitales Angebot, um sich vor Fahrantritt zu informieren: Die RMV-App verfügt zu jeder Verbindung über eine ständig aktualisierte Auslastungsprognose. Mit dieser, so heißt es beim Verbund, habe man die Möglichkeit, gezielt auf voraussichtlich weniger genutzte Verbindungen auszuweichen.

Von Frank Sommer

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare