Das schmutzige Schmuckstück

Dreck und Graffiti in Offenbach: Unwürdiger Zustand von Schloss, Schlossplatz und HfG

Die Infotafel des Schlosses ist völlig verdreckt und beschmiert
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„Eines Schlosses unwürdig“, befindet die Stadt: Auch die Infotafel ist völlig verdreckt und beschmiert.

„Reizvollster Renaissancebau nördlich der Alpen“  – mit dieser Beschreibung wird das Isenburger Schloss gern geschmückt. Die Fassade wird auf der Internetseite des Regionalparks Rhein-Main als „der Stolz der Hochschule“, die auch im Schloss untergebracht ist, gelobt.

Offenbach – Doch der Anblick vor Ort ist ernüchternd: Nur wenige Orte in Offenbach sind derart mit Graffiti beschmiert, mit Dreck übersät wie das Areal von Schloss und Hochschule für Gestaltung (HfG). Der Platz rund um den Ludo-Mayer-Brunnen, dessen Wasserspiele seit langer Zeit schon abgestellt sind, ist mit Glasscherben übersät, Steinplatten sind beschädigt oder fehlen.

Graffiti sind überall am Schloss, ob an der Vorder- oder Rückseite, Infotafeln zur Geschichte des Gebäudes sind beschmiert oder mit Aufklebern übersät, selbst die Holztür am östlichen Turm ist völlig verschmiert. Das Hochschulgebäude präsentiert sich nicht besser: Auch hier überall Schmierereien, Aufkleber, Steinskulpturen und Reliefe sind von Abgasen geschwärzt.

Damit werden die üblichen Offenbacher Klischees bedient

Eine, die um die Außenwirkung dieses Ortes genau Bescheid weiß, ist Gästeführerin Monika Krämer: Regelmäßig ist sie mit Besuchern am Schloss und an der HfG, um beides vorzustellen. „Die Mehrzahl der Besucher reagieren sehr schockiert, wenn sie die Gebäude sehen: Überall Graffiti, dazu die Glasscherben am Boden, das ist schon schlimm.“ Gerade bei Besuchern aus Frankfurt würden damit eher die üblichen Klischees über Offenbach bedient. „Besonders schlimm ist der Durchgang an der HfG, der ist seit Jahrzehnten nur dreckig. Ich schäme mich jedes Mal, wenn ich mit Leuten da durch gehe.“

Deutliche Worte gibt es von der Stadt zum Zustand des ganzen Areals: Die Schmierereien seien „unerträglich“, der Zustand „eines Schlosses unwürdig“. „Solche Zustände würde die Stadt an den Schulen oder anderen städtischen Einrichtungen nicht dulden und innerhalb kürzester Zeit entfernen lassen“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Die Kulturleittafel am Schloss  sei „die am häufigsten verschandelte im Stadtgebiet“.

Das Areal der HfG in Offenbach ist Landeseigentum

Doch eine Handhabe gebe es für die Stadt nicht: Das ganze Areal ist Landeseigentum. Das Land wiederum verweist auf die HfG als Nutzerin: “Für die laufende Instandhaltung sowie die Pflege vor Ort ist die Hochschule als liegenschaftsverwaltende Stelle zuständig.“ Die HfG erhalte vom Land ein Budget, aus dem die Pflege des denkmalgeschützten Areals zu finanzieren sei.

Kein schöner Anblick: Der Platz vor dem Ludo-Mayer-Brunnen ist mit Glasscherben übersät.

Wie hoch dieser Etat ist, dazu macht die HfG keine Angaben. Er würde aber „jetzt schon mehr als ausgeschöpft“, heißt es. Der Zustand des denkmalgeschützten Areals sei bekannt, doch müsse die Hochschule, die ihrer Hauptaufgabe der Lehre und Forschung nachzugehen habe, hier Prioritäten setzen. Schon die denkmalpflegerischen Aufgaben seien fordernd, heißt es. Denn die mit der Entfernung der Schmierereien beauftragte Firma habe Bedenken geäußert, dass durch die Reinigung auch die Farbe des Schlosses in Mitleidenschaft gezogen werde.

HfG hat Stadt Offenbach um Unterstützung gebeten

Zwar werde der Hof täglich gekehrt, doch da es sich um ein frei zugängliches Areal handele, komme es nachts zu Vermüllung. Bei der Stadt habe die HfG mehrfach um Unterstützung durch Kontrollen gebeten, aber es gebe keine Rückmeldung. Für den Nichtbetrieb des Ludo-Mayer-Brunnens führt die Hochschule die Wasserknappheit im Sommer an, zudem sei es immer wieder vorgekommen, dass sich Leute im Brunnen gewaschen hätten.

Von Seiten der Stadt heißt es, dass man gern Land und Hochschule zu mehr Engagement für das Baudenkmal bewegen würde. Ein verschandeltes und verschmutztes Schloss-Areal sei weder für Stadt noch für die Hochschule ein Aushängeschild. (Von Frank Sommer)

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