Windparkprojekt im Spessart

EVO dreht größeres Rad

Offenbach - Die Energieversorgung Offenbach (EVO) sieht sich mit einer Neuausrichtung des Unternehmens auf einem guten Weg aus dem Stimmungstief. Von Frank Pröse 

Vor allem wegen des drohenden Verlusts einiger kommunaler Stromkonzessionen im Kreis Offenbach waren im vergangenen Jahr Sorgenfalten auf der Stirn der Vorstandsvorsitzenden Heike Heim zu sehen gewesen. Einige Monate später präsentiert sie mit neuem Selbstbewusstsein ein in interessante Kooperationen eingebundenes neu strukturiertes Unternehmen, das sich als „innovativer Energiepartner“ präsentiert, der die Energiewende seinem Slogan entsprechend nahe am Kunden betreibt.

Die EVO verfolgt dabei laut Heim unter anderem das ehrgeizige Ziel, in vier Jahren alle ihre Kunden mit selbst erzeugtem Strom versorgen zu können. Dabei helfen soll ein neuer Windpark in Flörsbachtal/Jossgrund, den die gemeinsame Tochter von EVO und Kreiswerke Main-Kinzig, die Naturenergie Main-Kinzig GmbH, bauen will. Die geplanten elf Anlagen mit 27 Megawatt Leistung sind eines der größten Windparkprojekte in Hessen. Laut Heim dürften bald alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, sodass im Herbst die Rodung beginnen und im Frühjahr 2017 die Inbetriebnahme der Anlage erfolgen kann, mit der die EVO ihr Windkraft-Potenzial auf weit mehr als 100 Megawatt ausbaut. Den Angaben nach haben die Offenbacher seit 2011 etwa 250 Millionen Euro in Erneuerbare Energien investiert und sind damit in der Rhein-Main-Region mit führend. Um sich an der Spitze halten zu können, werden für weitere Ökoenergie-Projekte noch Kooperationspartner gesucht.

Waren EVO und Maingau (Obertshausen) Energie beim Wettbieten um Stromkonzessionen einiger Kreiskommunen noch erbitterte Gegner und standen die Vergaben zum Betreiben der Netze in Heusenstamm, Obertshausen und Hainburg noch unter dem Vorbehalt einer langjährigen und teuren juristischen Auseinandersetzung, so ziehen beide Energieversorger über eine gemeinsame Tochter Mainnetz seit Mitte März an einem Strang. Der EVO war es laut Heike Heim auf Nachfrage dieser Zeitung vor allem wichtig, ein zusammenhängendes Netzgebiet in Stadt und Kreis zu erhalten und zu bewirtschaften. Im Ergebnis der „gelungenen und von allen Aufsichtsgremien gedeckten interkommunalen Zusammenarbeit“ ist die EVO jetzt für die technische Betriebsführung von Wartung bis Ausbau des Netzes zuständig und kann so auch die Beschäftigung von 130 Mitarbeitern in Offenbach sichern, die bei der EVO für Stadt und Kreis Offenbach im Netzbetrieb arbeiten. Den kaufmännischen Part übernimmt die Maingau, der 74,9 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft gehören. Die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der drei Kommunen, mit der die EVO Schadensbegrenzung betreiben konnte, ist auf 20 Jahre angelegt.

Zur neuen EVO-Struktur gehört auch eine eigene Stromnetzgesellschaft, die sich die Offenbacher zum 1. Juni leisten. Die bisherige mit der Konzernmutter MVV betriebene gemeinsame Tochter Netrion geht in zwei Netzgesellschaften auf, in Offenbach heißt sie ENO, Energienetze Offenbach GmbH.

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

Als zukunftsträchtiges Geschäftsfeld kann sich für die EVO die Zusammenarbeit mit maincubes one GmbH erweisen, einem Entwickler und Betreiber von Rechenzentren, der am Goethering auf einem 6 000 Quadratmeter großen früheren EVO-Gelände ab Juni ein solches Zentrum errichtet. Dabei können die Offenbacher einmal mit der Lieferung von Strom für das Energie fressende Zentrum punkten, können dem neuen Nachbarn aber zudem den optimalen Zugang zu DE-CIX bieten, dem gemessen am Datendurchsatz weltweit größten Internet-Knoten in Fechenheim.

Zur Diversifizierungsstrategie der EVO gehört auch die mit der Kreishandwerkerschaft entwickelte Dienstleistung Regiowerker OF, ein Onlineportal für Stadt und Kreis zum Thema Gebäudesanierung und Energieeffizienz, das Kunden und Innungsbetriebe rasch und unkompliziert zusammenführt.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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