„Das ist Telefonterror“

Offenbacher Ziel von dreister Betrugsmasche 

Eine Frau aus Offenbach berichtet von regelrechtem Telefon-Terror wegen einem angeblichen Lotto-Abo. 
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Eine Frau aus Offenbach berichtet von regelrechtem Telefon-Terror wegen einem angeblichen Lotto-Abo. 

In Offenbach kursiert derzeit wieder eine dreiste Betrugsmasche am Telefon. Polizei und Unitymedia geben wertvolle Tipps, wie Sie sich dagegen schützen. 

Offenbach - Drei- bis viermal pro Tag kämen die Anrufe. „Zu jeder Uhrzeit, es ist ein regelrechter Telefonterror“, sagt Angela W. (Name der Redaktion bekannt). Über Wochen erhält die Frau aus Offenbach Anrufe, die nur ein Ziel haben: sie um Geld zu betrügen. „Es wird dann behauptet, ich hätte ein Lotterie-Abo abgeschlossen und hätte vergessen, dafür zu bezahlen“, sagt sie, „in meinem ganzen Leben hatte ich noch nie ein Lotto-Abo!“ 

Nachdem die Anrufer ihr das angebliche Versäumnis von vier Monatsraten zu jeweils 80 Euro vorgeworfen haben, ändere sich plötzlich der Tonfall. „Dann wird mir freundlich mitgeteilt, dass man mir aus Kulanz anbietet, nur drei Raten zu zahlen und damit wäre die Sache erledigt.“

Auf dieses vermeintlich entgegenkommende Angebot geht Angela W. jedoch nicht ein – und handelt damit völlig richtig, wie Alexander Schlüter vom Polizeipräsidium Südosthessen betont. „Man sollte niemals irgendwelche Zahlungen veranlassen, wenn die Forderung unberechtigt ist“, sagt er.

Offenbach: Telefon-Terror wegen angeblichem Lotto-Abo 

Angela W. ist inzwischen genervt von den dauernden Anrufen. Auch andere Leser der Offenbach-Post berichten von ähnlichen Telefonaten. Allerdings gebe es weder vonseiten der Polizei noch von der Bundesnetzagentur Hinweise, dass der Raum Offenbach momentan besonders im Fokus von Telefon-Trickbetrügern stehe.

„Ich schmeiße gleich den Hörer auf, wenn die am anderen Ende mit ihrer Lotterie-Leier anfangen“, sagt ein Leser, der anonym bleiben möchte. „Mit denen zu diskutieren, führt zu nichts und kostet nur Nerven“, sagt er. „Manchmal frage ich die am anderen Ende der Leitung, ob sie sich nicht schämen, so was zu machen“, sagt Angela W., „aber das führt auch zu nichts.“

Die Offenbacherin fühlt sich den Anrufen hilflos ausgeliefert, denn weder die Polizei, noch ihr Telefonanbieter Unitymedia noch die Bundesnetzagentur wollten ihr helfen. „Beim Polizeirevier wurde ich weggeschickt, da eine Anzeige nichts bringen würde“, sagt sie. Unitymedia und die Bundesnetzagentur hätten darauf verwiesen, dass sie sich eine „Fritzbox“ kaufen und über diese bestimmte Nummern sperren könne. „Dass mir als Antwort etwas zum Kauf angeboten wird, hat mir nicht viel geholfen“, sagt sie.

Mehrere Leser der Offenbach-Post von Telefon-Betrügern genervt 

Das Polizeipräsidium erklärt auf Nachfrage, dass man nicht nachvollziehen könne, weshalb W. weggeschickt worden sei. Bei der Bundesnetzagentur verweist man darauf, dass Beschwerden über betrügerische oder unerwünschte Anrufe sowohl online wie telefonisch oder per Post eingereicht werden können.

Von Januar bis September dieses Jahres seien bisher 45 044 Beschwerden eingegangen, 2018 waren es 62 247. Im Fall von unerlaubter Telefonwerbung oder Werbeanrufen mit unterdrückter Nummer seien in diesem Jahr bereits rund 600 000 Euro an Bußgeld verhängt worden, im vergangenen Jahr knapp 1,1 Millionen Euro.

Die von den Lesern geschilderten Anrufe über „Lotterie-Abos“ sind nicht neu: Seit vielen Jahren werden Beschwerden und Anzeigen gegen diese Betrugsmasche dokumentiert. Dabei versuchen Betrüger immer wieder, an Konto- und persönliche Daten von Bürgern zu kommen, sie zu fragwürdigen Überweisungen oder dem Abschluss eines Abonnements zu überreden.

Maßnahmen gegen Telefon-Betrüger - Tipps von Polizei und Unitymedia 

Die Polizei empfiehlt, bei verdächtigen Anrufen keine Fragen zu beantworten, auch nicht mit „ja“ oder „nein“. Außerdem sollte man keine Rückrufe tätigen, da die Möglichkeit besteht, auf kostenpflichtige Nummern umgeleitet zu werden. Wer den Verdacht hat, Opfer eines Betrugsversuchs geworden zu sein, sollte sich an die örtliche Polizeistelle wenden.

Unitymedia rät, niemals Kundendaten oder Kennwörter unbekannten Anrufern mitzuteilen. Wer doch versehentlich sein Kennwort verraten habe, sollte es unverzüglich ändern.

Die Bundesnetzagentur nimmt Beschwerden über unerwünschte Telefonwerbung und Nummernmissbrauch entgegen: Per Brief (Bundesnetzagentur, Nödeltstraße 5, 59872 Meschede), als Fax (0632 1934-11), telefonisch (z 0291 9955-206), per E-Mail (rufnummernmissbrauch@bnetza.de) oder über ein Online-Formular (www.bundesnetzagentur.de/beschwerdecoldcall).  Von Frank Sommer

Vorsicht vor Betrügern am Telefon 

Dass Betrüger am Telefon versuchen Menschen abzuzocken, ist keine neue Masche. In den vergangenen Jahren gaben Anrufer bereits vor, in Namen der Stadtwerke anzurufen* oder versuchten als falsche Mitarbeiter der Polizei oder von Gerichten angebliche Bußgelder einzutreiben.*

In Offenbach droht zudem der Bahnhof Bieber einzustürzen. Der Eigentümer weigert sich bisher, das Gebäude zu sanieren.

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