Senefelderquartier in Offenbach

Drogen-Handel in der Roland-Passage? Polizei trifft klare Aussage 

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In der Roland-Passage in Offenbach wird laut Polizei nicht mit Drogen gehandelt. 

Gerüchte behaupten, die Roland-Passage im Senefelderquartier von Offenbach sei ein Drogen-Umschlagsplatz. Die Polizei setzt Fakten dagegen.

Update vom Donnerstag, 14. November 2019, 11:45 Uhr: Schon seit längerem halten sich die Gerüchte, dass die Roland-Passage im Senefelderquartier in Offenbach als Drogen-Umschlagsplatz dient. Die Polizei hat zu diesen Vermutungen jetzt klar Stellung bezogen. Laut einer Polizei-Sprecherin aus Offenbach ist die Roland-Passage “kein Drogen-Umschlagsplatz“. Kontrollen und verdeckte Ermittlungen würden diese Annahme stützen - es wurden lediglich ab und zu Personen mit „Kleinstmengen Marihuana“ angetroffen. 

In Neu-Isenburg wurde der Fahrer eines Peugeot-Transporters von einer Gruppe Passanten angehalten und abrupt zusammengeschlagen. Die Polizei sucht nun nach den Tätern. 

Erstmeldung vom 19. Oktober 2019: Offenbach – Die Umwandlung des einstigen Industrieareals in ein Wohnviertel bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Grund: Vandalismus, Dreck, Dealer und eine problematische Sozialstruktur. 

„Wollen Sie einen positiven Bericht schreiben? Dann müssen Sie woanders hingehen.“ Herr P., der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt das freundlich aber bestimmt. Ihm ist der Alltag in und um die ehemalige Lager- und Montagehalle von MAN-Roland an der Senefelderstraße bestens vertraut. Und was er zu berichten weiß, lässt schon fast den Schluss zu, dass das Konzept der städtischen Planer, hier ein lebenwertes urbanes Viertel zu schaffen, vor dem Scheitern steht.

Offenbach: Vandalismus und Drogen machen Roland Passage zu schaffen

Die seit einer Woche vor dem Eingang liegenden Kippen sind da noch das geringste Problem. Die architektonisch imposante Roland Passage in der denkmalgeschützten Industriehalle mit ihrem markanten Sheddach ist besonders bei schlechtem Wetter Anziehungspunkt für nicht unbedingt erwünschtes Publikum. Die Ladeninhaber, erzählt P., bringen ihre Tageseinnahmen wegen Sicherheitsbedenken schon längst nicht mehr selbst zur Bank. „Die neuen Wohnungen sind ja schön anzuschauen, aber das Publikum . . .“, zuckt P. resigniert mit den Schultern.

Dass auf dem an die Halle angrenzenden und nur von Tauben genutzten Parkdeck an der Christian-Pleß-Straße mit Drogen gehandelt wird, ist ein offenes Geheimnis. So weiß P. davon zu berichten, dass Jugendliche regelmäßig in den Läden Münzgeld in zehn Euro-Scheine gewechselt haben wollen. Und sie sagen auch unverhohlen warum: „Die Dealer da oben nehmen kein Hartgeld.“

Eher unter die Rubrik „bizarr“ fällt, was ein weiterer Insider erzählt: Die Kundschaft des Fetisch-Clubs in der nahe gelegenen Hassia-Fabrik geht auch schon mal in Latex und Leder zum Rewe einkaufen. „Neulich führte eine Frau einen Herrn sogar in Ketten in den Markt. Die wurden gleich wieder rausgeschmissen“, schildert der Beobachter.

Roland Passage Offenbach: KIZ-Gruppe erhält städtische Zuschüsse 

Doch auch behördliches Handeln ist nach Einschätzung der Befragten nicht unbedingt zum Wohle der Passage. So gebe es für die Geschäfte die Auflage, ihre Waren möglichst nah an den Wänden zu präsentieren und nicht in den Raum hineinragen zu lassen. Die ohnehin breite Passage lade dann noch mehr zur unbefugten Nutzung ein. So ist die Rede davon, dass in dem Durchgang mitunter Fußball gespielt wird oder auch mal Mopeds durchfahren.

Statistik belegt: Gewalt gegen Polizei steigt rapide an*

Für Stadtplanerin Marion Rüber-Steins liegt die Verantwortung für die Zustände vor allem beim Eigentümer der einst größten Produktionshalle der Stadt. Gemäß dem städtebaulichen Vertrag erhalte der Investor, die KIZ-Gruppe aus Baden Soden-Salmünster, städtische Zuschüsse für eine qualitätsvolle Gestaltung der Passage. „Wir mussten die Zuschüsse drastisch kürzen. Der Eigentümer hat da etwa bei der Bepflanzung nicht sehr viel Liebe reingesteckt“, so Rüber-Steins. Weil mehrere städtische Schreiben, in denen es unter anderem um eine neue Nutzung des Parkdecks gegangen sei, unbeantwortet geblieben seien, sei nun „Schluss mit lustig“, formuliert die Stadtplanerin. Mit dem Denkmalschutz habe das nur am Rande zu tun.

In der Roland-Passage in Offenbach wird laut Polizei nicht mit Drogen gehandelt. 

Weiteres Beispiel für die Blockade-Haltung des Eigentümers ist laut Rüber-Steins das Obergeschoss der Halle, das ebenfalls nicht genutzt werde. „Wir wollten dort Kulturinitiativen unterbringen – auch darauf erfolgt keine Reaktion.“ Ein Einschreiten der Bauaufsicht oder des Denkmalschutzes gäben die Zustände rund um die Roland Passage nicht her, sagt Rüber-Steins. Doch die Behörden hätten ein Auge darauf.

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Gerd Schlader, beim KIZ-Ableger Bensing und Partner GmbH für die Immobilie zuständig, will sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen. So sei eine geplante Schaffung von Büroraum im Obergeschoss der Halle bislang daran gescheitert, dass der Denkmalschutz den Erhalt der Original-Fenster verlange. Und auch beim Parkdeck weist er die Kritik zurück. Mit den Parkflächen habe man der städtischen Stellplatzsatzung Rechnung tragen müssen. Angesichts der Tatsache, dass die Passage von der Kundschaft überwiegend zu Fuß erreicht werde, sei der Parkraum überdimensioniert. „Sinnvoll wäre eine Schließung der oberen Parkdecks“, meint Schlader.

Roland Passage Offenbach: Pro Monat mindestens 5000 Euro wegen Vandalismus

Zentrale Frage ist für ihn ohnehin, wie der Vandalismus auf dem konzeptionell durchaus gelungenen Areal eingedämmt werden kann. „Wir geben pro Monat 5000 bis 10 000 Euro für die Beseitigung von Vandalismusschäden aus“, sagt Schlader. Und: „Das Problem mit dem Sozialgefüge dort können Sie mit der Architektur nicht lösen.“

Die Vermutung, wonach die Passage bald den Besitzer wechselt, will Schlader nicht bestätigen. Grundsätzlich sei das aber immer möglich. Marion Rüber-Steins wäre das recht: „Dann hätte ich wenigstens einen anderen Ansprechpartner.“  

Von Matthias Dahmer


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