Schwarze Kunst ausprobieren

Druckerwerkstatt im Bernardbau soll Angebote der Museen erweitern

Historische Maschinen zum Anfassen: Die Besucher sollen selbst mit den Maschinen drucken dürfen. Noch stehen die Geräte bei Manroland in Mühlheim. Links eine Kniehebelpresse der Leipziger Firma Karl Krause und rechts eine 650 Kilogramm schwere „Washington Hand Press“. Fotos: Haus der Stadtgeschichte
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Historische Maschinen zum Anfassen: Die Besucher sollen selbst mit den Maschinen drucken dürfen. Noch stehen die Geräte bei Manroland in Mühlheim. Links eine Kniehebelpresse der Leipziger Firma Karl Krause und rechts eine 650 Kilogramm schwere „Washington Hand Press“.

Es riecht nach Farbe und Spachtelmasse, der knapp 163 Quadratmeter große Raum erstrahlt in frischem Weiß. „Sehr schön, das Fenster am Eingang ist schon eingebaut“, sagt Katja M. Schneider, Kuratorin am Haus der Stadtgeschichte.

Offenbach –  Bis vor ein paar Monaten war in dem Raum im Bernardbau an der Herrnstraße noch ein Teil des Bürgerbüros untergebracht, im Laufe des Jahres soll er eine andere Bestimmung erhalten: Die seit vielen Jahren von Klingspormuseum und Haus der Stadtgeschichte ersehnte Druckerwerkstatt wird hier ihr Domizil finden. Statt „nicht berühren“ gilt für die Exponate dann das Motto:Anfassen und ausprobieren ausdrücklich erwünscht!

In ihrer Sitzung am 6. Februar stimmen die Stadtverordneten über einen Antrag zur Einrichtung der Werkstatt ab, den die Tansania-Koalition eingebracht hat (wir berichteten). Noch im Laufe dieses Jahres soll sie eingerichtet werden.

„Die Idee, das Angebot der beiden Museen um eine Werkstatt zu ergänzen, ist schon über zwölf Jahre alt“, sagt Kulturamtsleiter Ralph Philipp Ziegler, „nun kann sie endlich umgesetzt werden.“ Gescheitert ist das Vorhaben bisher an fehlenden Räumen und der Finanzierung. Sowohl im Haus der Stadtgeschichte wie dem Klingspormuseum gibt es keine dafür geeigneten Örtlichkeiten. Durch den Auszug des Bürgerbüros habe sich die Chance für die Erweiterung um eine Mitmach-Werkstatt eröffnet, sagt Kulturdezernent und Oberbürgermeister Felix Schwenke: „Ziel ist es, für möglichst wenig Geld möglichst viel Qualität für die Besucher zu bekommen – und das ist mit dem Konzept gelungen.“

Das von Verantwortlichen beider Museen ausgearbeitete Konzept, das von der Koalition nun ins Stadtparlament eingebracht wird, sieht vor, ab 2021 eine halbe Stelle für einen „Werkstattleiter“ für rund 23 000 Euro zu schaffen. Außerdem werden knapp 10 000 Euro für die Einrichtung der Werkstatt veranschlagt. Zu großem Dank sei man vor allem der Dr. Marschner-Stiftung verpflichtet, die bereits für dieses Jahr die Personalkosten übernimmt, damit die Werkstatt eingerichtet werden kann, betont Schwenke.

Realistisch sei eine Eröffnung gegen Jahresende, sagt Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte.

Erst einmal müssten die Schätze aufgestellt werden. Die „Schätze“ das sind mehrere hundert Kilogramm schwere, historische Druckmaschinen. Sie stehen noch in Offenbachs Nachbarstadt Mühlheim bei Manroland. Das Unternehmen stellt die Maschinen, die teils über 150 Jahre alt sind, der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Aufgestellt werden dürfen aus statischen Gründen nur handbetriebene Druckmaschinen, wie die Steindruckpresse der Leipziger Firma Karl Krause oder die Gaveaux’sche Maschine aus dem Jahr 1840 aus Paris. „Das Tolle ist, dass die Maschinen in einen unglaublich guten Zustand sind“, sagt Schneider, „eigentlich kann sofort losgedruckt werden.“

Fotos: Haus der Stadtgeschichte

Da in Offenbach durch Alois Senefelder und Johann André im Jahr 1800 der erste professionelle Lithografiedruck betrieben wurde, sei es nur folgerichtig, dass dies künftig auch von beiden Museen stärker gewürdigt werde, sagt Dorothee Adler vom Klingspormuseum. „Wir haben uns dem Thema bisher künstlerisch, das Haus der Stadtgeschichte historisch genähert – und bald werden die Besucher selbst Hand anlegen dürfen und sich als Drucker versuchen“, sagt sie.

Zwar gibt es schon jetzt in beiden Häusern auch Druckangebote, etwa mit dem „Offenbacher Gullideckel“, doch für ein dauerhaftes Angebot sind beide Museen nicht geeignet: Erwachsene vermissen Waschgelegenheiten für ihre Hände, und bei Kindern gelangt schnell ein geschwärzter Handabdruck auf die Ausstellungsmöbel.

„Aber in der Druckerwerkstatt darf gekleckert werden; es soll sogar – die Faszination Druckerei muss richtig erlebbar werden“, macht Kulturamtsleiter Ziegler Lust auf einen Besuch.

Geplant sind Workshops für Gruppen und Schulklassen, auch Künstler sollen regelmäßig den Besuchern Drucktechniken vorführen oder sie zu eigenen Arbeiten an den Pressen anleiten. „Das Interesse ist bereits jetzt sehr groß“, sagt Schneider. Bei der Ausstellungseröffnung zum Druckerjahr am Wochenende sei sie bereits von ehemaligen Druckern, Künstlern und Besuchern angesprochen worden, ab wann es Workshops geben würde oder wie man sich einbringen könne. „Das zeigt, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind für ein modernes, zeitgemäßes Mitmachangebot.“

Fotos: Haus der Stadtgeschichte

Da die Örtlichkeit zuvor für das Bürgerbüro genutzt wurde, ist der Zugang dank eines Aufzuges barrierefrei. Allerdings, obgleich auch im Bernardbau gelegen, einen direkten Zugang für die Besucher von der Ausstellung in die Werkstatt wird es nicht geben. „Um drucken zu dürfen, ist eine Voranmeldung natürlich sinnvoll, darauf wird es wohl hinauslaufen“, sagt Adler. Aber wer nur die Maschinen sehen möchte, dem werde man bestimmt von beiden Museen aus auch unkompliziert die Exponate zeigen können.

Museumsdidaktisch betreut wird die Werkstatt von beiden Museen, künftige Ausstellungen werden auf die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Werkstatt bietet, abgestimmt. Mitmachangebote würden schon jetzt sehr gut angenommen, sagt Eichenauer, aber nun würden sie in einer ganz anderen Größenordnung ermöglicht.

VON FRANK SOMMER

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