Kein Ort für Pazifisten

Eigentümer der Hassia-Fabrik eröffnet einen Waffenhandel 

+
Thomas Messer, Eigentümer und Vermieter der ehemaligen Hassia-Fabrik, bietet dort künftig auf 600 Quadratmetern Waffen, Sicherheitstechnik und Outdoor-Bekleidung an. Prunkstück der extra gesicherten Langwaffen-Kammer ist ein Scharfschützengewehr der Bundeswehr.

Offenbach - Werbeagenturen, Designer, Tanzschule, Fetisch-Club, Architekten, eine Außenstelle des Amts für Arbeitsförderung und ein Edel-Bordell mit Escortservice – wohl kein historisches Industriegemäuer in der Stadt beherbergt so viele unterschiedliche Mieter wie die ehemalige Hassia-Fabrik. Von Matthias Dahmer 

In einem Tresor sind Pistolen und Messer ausgestellt.

Nun kommt ein neues Angebot hinzu, das für Stirnrunzeln sorgen kann: Waffen.

Das, was vom nächsten Wochenende an auf 600 Quadratmetern in Haus 3 der Hassia angeboten wird, ist nichts für Pazifisten: Gewehre wie SIG Sauer 516 Patrol 16,6 für 2379 Euro oder Pistolen wie Glock 19 x Coyote 9 mm Luger (777 Euro) und Desert Eagle XIX 6 Zoll schwarz (2289 Euro) sind Marken und Modelle, bei denen Kenner vermutlich mit der Zunge schnalzen und sich andere schaudernd abwenden. Hinzu kommt frei Verkäufliches wie Gaspistolen oder Pfefferspray, außerdem Munition und Zubehör, etwa Zielfernrohre und Nacht-sichtgeräte. Dazu passende Outdoor-Bekleidung, auch im Tarnlook, zu der freilich auch weniger den Waffen zugeneigte Interessenten greifen könnten. „Meine Kunden sind Sportschützen, Jäger, Sicherheitspersonal, Personenschützer oder auch Polizisten, die sich auf eigene Rechnung etwa stichfeste Handschuhe kaufen“, sagt der Mann, der dieses in Offenbach, wenn nicht gar in ganz Hessen, einmalige Sortiment präsentiert.

Der Name des Waffenhändlers ist bezeichnenderweise Thomas Messer und der Grund, warum er sich an der Christian-Pleß-Straße mit seinem Geschäft niedergelassen hat, ist einfach: Ihm gehört die Hassia. 2012 hat der umtriebige 50-Jährige, der stets locker und unkompliziert daherkommt, das verschachtelte Gebäude-Ensemble der ehemaligen Schuhfabrik für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft. Und der Laden läuft offenbar. „Wir sind voll vermietet“ kann Messer verkünden.

Stilechte Begrüßung: Für die Kundschaft wird am Eingang ein Gitter geöffnet, das einer Gefängniszelle nachempfunden ist.

Sein jüngstes Baby ist nun die „Messer Waffenhandel und Sicherheitsgesellschaft mbH“, wie das Unternehmen firmiert. Er habe früher im Personenschutz gearbeitet und sei zudem passionierter Jäger, sagt Messer. Vor drei Jahren habe er deshalb beschlossen, in den Waffenhandel einzusteigen. Was bislang – nach erfolgreich abgelegter Prüfung – in seinem Heimat- ort Schmitten im Taunus auf eher kleiner Flamme köchelte, will er nun in Offenbach größer aufziehen.

Schon der Eingang ist stil-echt: Der Kunde steht vor einem mit Handschellen dekorierten Gefängnis-Gitter, das den Zellen von Alcatraz nachempfunden sei, sagt der Hausherr, der geräuschvoll aufschließt. Die Verkaufsfläche, die Messer bislang als Eventhalle vermietet hatte, ist thematisch zweigeteilt: links Bekleidung, rechts Knarren. „Damit können Sie sich bei Minus 40 Grad in den Schnee legen“, deutet Messer auf eine dick wattierte Tarnhose. Er führt durch die Reihen der Outdoor-Bekleidung, von der Wand blicken Trophäen seiner Großwildjagden herab. Auch Tierliebhaber dürften sich hier nicht wirklich wohl fühlen.

Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr

Messer führt auf die gegenüberliegende Seite, wo ein von innen beleuchteter und mit großem Sichtfenster ausgestatteter Tresor steht. Unten liegen Messer, die Regale darüber sind mit silbrig-glänzenden oder mattschwarzen Pistolen bestückt. Eine sticht besonders hervor: Teile von Lauf und Griff sind in Pink gehalten. „Zunehmend entdecken auch Frauen das Schießen für sich“, kommentiert Thomas Messer.

Wenige Meter weiter, wieder ein massives Gitter. Messer schließt auf und wir befinden uns in einem dezent ausgeleuchteten Raum. An den Wänden hängen dutzende Gewehre darüber die Namen der Hersteller. In der Mitte steht auf dem Tisch als Prunkstück der Flintenkammer ein Scharfschützengewehr der Bundeswehr. Um Kundschaft sorgt sich der Waffenhändler nicht. In Deutschland gebe es schließlich 1,1 Millionen Sportschützen, 350.000 Jäger und etwa 3000 Berufswaffenträger.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion