Aus Liebe zum Altbau

Eigentümer der Villa Kaiserstraße 102 bekommen Denkmalschutzpreis

+

Offenbach - Für die liebevolle Restaurierung der kubischen, neoklassizistischen Villa an der Kaiserstraße 102 haben die Stadt und der Rotary Club deren Eigentümern Jacqueline und Peter R. Luth mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet. Von Marian Meidel 

1865 wurde das Gebäude vom Bauunternehmen Casimir Hasenbach errichtet, 150 Jahre später erwarb es das Ehepaar Luth, um es mit großer Hingabe in seinen Originalzustand zurückzuversetzen. Die imposante Villa gegenüber dem Haupteingang des Capitols erstrahlt seit einiger Zeit wieder in ihrem ursprünglichen Glanz. Damit der neoklassizistische Bau heute wieder so aussehen kann wie bei seiner Errichtung 1865, mussten seine Eigentümer Jacqueline und Pether Luth viel Arbeit, Geld und Energie aufbringen – und des Öfteren sogar selbst Hand bei der Sanierung anlegen. Dafür haben die Stadt und der Rotary Club das Offenbacher Ehepaar nun mit dem Denkmalschutzpreis ausgezeichnet.

Jacqueline und Peter R. Luth haben die Kaiserstraße 102 sorgsam restauriert. Dafür überreicht ihnen Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber Urkunde und Plakette.

Bevor die Luths das Gebäude erwarben, befand es sich lange Zeit in städtischem Besitz, beziehungsweise im Eigentum der GBO. „Das Haus war ganz normal, wie jede Immobilie heutzutage, auf einem Online-Portal inseriert“, berichtet Luth. „Meine Frau fragte: Kennst du das Haus? Und ich: Klar, das kennt in Offenbach jeder!“ So präsent sei die Villa aus dem 19. Jahrhundert im Stadtbild. „Wir sind beide Altbau-Fans, deswegen dachten wir uns, schauen wir’s uns doch einmal an.“ Bei der ersten Begehung im Jahr 2014 verliebten die Luths sich sofort in den kubischen, und doch irgendwie verspielten Bau. „Das Haus war allerdings in einem bedauernswerten Zustand. Man konnte aber auch erkennen, dass es einmal sehr schön war, und dass man noch etwas daraus machen kann.“

Bis die nötige Baugenehmigung für die Restaurierung erging, dauerte es noch ein ganzes Jahr – ein Kernpunkt hierbei war die Legalisierung der Wohnräume im Dachgeschoss. Dafür musste unter anderem das Dach komplett neu gedeckt werden. Und selbst das ist nur ein kleiner Teil der Restaurationsarbeiten, die nötig waren. „Vom Spatenstich bis zur Fertigstellung hat es gut eineinhalb Jahre gedauert“, berichtet Peter Luth.

Doch da endete das Engagement der neuen Eigentümer noch lange nicht – tatsächlich waren sie in die Arbeiten unmittelbar involviert. „Wir haben mit verschiedenen Architekten gesprochen, und die haben gesagt: Das könnt Ihr euch gar nicht leisten, wenn ich hier jeden Tag auf der Baustelle sein soll.“ Also haben Jacqueline und Peter Luth selbst die Bauleitung übernommen.

Bildergalerie: Offenbach damals und heute

„Was dazu führte, dass wir im Grunde täglich vor Ort waren.“ Freunde hätten sie zwischenzeitlich gefragt, ob sie in das Gebäude schon eingezogen seien, weil sie so viel Zeit dort verbrachten. „Wir haben auch viel selbst Hand angelegt“, so Peter Luth. „Geschliffen, gestrichen, Dinge angebracht.“ Und das, obwohl sie völlig fachfremd seien. „Ich arbeite eigentlich im IT-Bereich“, sagt Luth und lacht. Wie viel Geld er in die Sanierung der Villa investiert hat, verrät er nicht. Mehr als die 3000 Euro Preisgeld, die Rotary-Präsident Holger Drewing dem Ehepaar am Freitagabend im Rathaus überreicht, wird es aber gewesen sein.

Dominik Mangelmann, der Vorsitzende des Denkmalbeirats, zeigt sich von einem ganz anderen Aspekt beeindruckt: „Üblicherweise nutzen die Preisträger ihre Immobilie selbst, und erhalten sie zu ihrer eigenen Freude.“ Die Luths vermieten ihre Villa an der Kaiserstraße hingegen als Wohnraum an drei Familien.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare