Offenbach eine Stadt für Radfahrer?

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Das geht bislang sicher als dickes Minus in die ADFC-Wertung ein: Der kombinierte Geh- und Radweg an der Senefelderstraße ist in einem üblen Zustand, da Baumwurzeln die Platten zur Buckelpiste gemacht haben. Inzwischen sind die schlimmsten Stellen mit Baken versehen. Ebenfalls schlecht sind die Gehwegabsenkungen.

Offenbach - Jahr für Jahr testet der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) das Fahrradklima in deutschen Städten. Und Jahr für Jahr geht Offenbach bei der Auszeichnung leer aus. Dabei ist dieses „Klima“ anerkannt als Gradmesser für ein Stück Lebensqualität. Von Martin Kuhn 

„Wir können den Anteil des Radverkehrs weiter erhöhen, wenn sich Radfahrer gut und sicher im Straßenverkehr fühlen“, sagt Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr. Da dürfte selbst Offenbachs Grünen-Bürgermeister Peter Schneider dem CDU-Mitglied zustimmen. Bleibt die spannende Frage: Wie kann das inmitten einer Metropolregion gelingen? Dabei bietet Offenbach einiges, das fürs Radeln spricht: Die Stadt ist relativ kompakt und hat (bis auf Bieberer Berg und Rosenhöhe) nahezu keine Höhenunterschiede. Dennoch reicht es nicht für eine bessere Bewertung im ADFC-Ranking.

Schaut man sich die Ergebnisse an, muss zunächst festgehalten werden: Lediglich 196 Teilnehmer beteiligten sich an der Erhebung. Der radelnde Rest nimmt die Begebenheiten, wie sie sind. Für das schlechte Gesamtbild ausschlaggebend sind die Punkte Fahrraddiebstahl (4,6 nach dem Schulnotensystem; vergleichbare Städte: 4,1), die Wegweisung (3,6 andere: 3,3) und der Belag der Radwege (4,3 andere 4,0). Auch nicht gut: Es findet nur „ausreichend“ Werbung fürs Radfahren statt; man wird als Verkehrsteilnehmer eher nicht ernst genommen.

Da kann der positiv bewertete Zugang zu öffentlich zugänglichen Leihfahrrädern – „nextbike“ und eBike-Station am Marktplatz – die Sache nicht mehr rausreißen (3,6 andere 4,1) für Offenbach und somit die politisch Verantwortlichen. Das sieht Peter Schneider freilich anders: „Radfahren steht beharrlich auf der Tagesordnung. Wir gehen Schritt für Schritt, um Offenbach zukunftsfähig zu machen. Bei aller Sparsamkeit landet keine Idee in der Schublade. Dazu gehört eine gute Fahrrad-Infrastruktur und -Alltagskultur.“ Dafür nimmt die Stadt in diesem Jahr etwas von ihrem wenigen Geld in die Hand. Für etwa 300.000 Euro sind an 270 Standorten mehr als 900 neue Radwegschilder vorgesehen. Bereits im Preis inbegriffen sind „flankierende Maßnahmen“ wie Bordsteinabsenkungen. Zudem werden weitere Einbahnstraße für gegengerichteten Radverkehr geöffnet. Und außerdem hat die Stadt einen Fahrrad-Workshop organisiert, der gut 40 Offenbacher zusammenführte: Stadtplaner, Vereinsvertreter, Fachhändler, Alltagsradler.

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Die ausgearbeiteten Ideen reichen von Radtouren für Kinder zum Erlernen von verkehrssicherem Verhalten über eine Freundlichkeitskampagne des ADFC bis zu konkreten Verbesserungsvorschlägen, aufgezeichnet auf dem Fahrradstadtplan. „Die außerordentlich konstruktive Atmosphäre hat gezeigt, dass in Offenbach ein großes Potenzial an Ideen und Motivation besteht“, resümiert Projektleiterin Dr. Anna-Christine Sander. Es sind es offenbar die sogenannten weichen Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. „In erster Linie muss am Stellenwert des Radelns gearbeitet werden“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Das Ergebnis des Fahrradklimatests zeige, dass in Offenbach auf allen Gebieten Verbesserungsbedarf bestehe.

Vielleicht wäre ja der Wiesbadener Weg eine Alternative für Offenbach: In der Landeshauptstadt zeigt die „Radwende“ die Strecken Wiesbadener Radler (via Smartphone und installierter App) gesammelt auf einer Karte, die als Planungsgrundlage für eine verbesserte Fahrradinfrastruktur dienen soll. Das Neue daran: Die Karte ist eine plakative Darstellung des lokalen Radverkehrs in Echtzeit. So muss nicht länger darüber theoretisiert werden, wie Radler ticken und fahren. Anhand ihrer elektronischer Spuren erkennen die Planer die tatsächlich genutzten Strecken und können diese weiter fördern und ausbauen – etwa durch entsprechende Ampelschaltungen.

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