Ein Schandfleck verschwindet

„Hau‘ weg den Mist!“ - Ehemaliges Einkaufscenter wird nun abgerissen 

Weg mit der Bausünde: Am Montag fiel zumindest eine Wand an der Ziegelstraße, nach Pfingsten beginnt der eigentliche Abriss. 
+
Weg mit der Bausünde: Am Montag fiel zumindest eine Wand an der Ziegelstraße, nach Pfingsten beginnt der eigentliche Abriss. 

Der Abbruch des ehemaligen Einkaufscenters Berliner Straße in Offenbach hat begonnen. „Endlich“ ist das Wort, das am gestrigen Montag am häufigsten in der Ziegelstraße fällt. 

  • Das ehemalige Einkaufscenter Berliner Straße in Offenbach gilt als Schandfleck der Stadt
  • Jetzt soll das Einkaufscenter in Offenbach abgerissen werden
  • Doch was folgt dann?

Offenbach – Denn endlich, nach jahrelangen Diskussionen, Planungen und Umplanungen, hat der Abriss einer der schlimmsten Bausünden der Offenbacher Nachkriegszeit begonnen: Das ehemalige Gebäude des Bieberhauses (später Massa, zuletzt Toys-R-Us) in der Berliner Straße 43-47 verschwindet. 

Ehemaliges Einkaufscenter in Offenbach wird abgerissen

„Hau’ weg den Mist!“, gibt sich Oberbürgermeister Felix Schwenke flapsig, auch Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß ist spürbar erleichtert, als sich der Abrissbagger für den symbolischen Start der Abbrucharbeiten in Bewegung setzt. „Endlich verschwindet das Ding“, sagt er und lächelt. „Jetzt geht es endlich los, bis spätestens September ist der Abbruch fertig“, schätzt Investor Michael Dietrich, der gemeinsam mit René Rudolph an gleicher Stelle ansehnlichere Gebäude errichten will.

Als sich gegen 11.45 Uhr die 1,8 Tonnen schwere Abrisskugel hebt, zücken nicht nur Mitarbeiter der Planer, sondern auch Passanten ihre Smartphones – die Anzahl derer in der Stadt, die dem 1972 fertiggestellten Gebäude nachtrauern, dürfte an einer Hand abzählbar sein. Bezeichnenderweise konnte sich auch nie ein Name für das von dem Offenbacher Baulöwe Karl-Heinz Reese errichteten Betonungetüm durchsetzen, genutzt wurde meist der der Name des jeweiligen Hauptmieters. 

Ortstermin im Inneren: Baudezernent Paul-Gerhard Weiß, Oberbürgermeister Felix Schwenke und die Eigentümer René Rudolph und Michael Dietrich (v.l.) besichtigen die Abbruchbaustelle des ehemaligen Einkaufsmarktes.

Offenbach: Ex-Einkaufscenter wird abgerissen - „die beiden hässlichsten Gebäude Offenbachs“

„Wir haben die beiden hässlichsten Gebäude Offenbachs gekauft und wollen etwas Großartiges daraus machen“, sagt Dietrich. Auch das gegenüberliegende Gebäude des „City-Centers“ hat er erworben und baut es um. Dort erfolgt jedoch kein Abriss, das Gebäude wird aufgestockt und erhält eine neue Fassade.

Direkt nach Pfingsten werde der eigentliche Abriss beginnen, kündigt Rudolph an. Im Innern sind bereits seit Ende April die Entkernungsarbeiten im Gange. Säckeweise stapelt sich Bauschutt im Erdgeschoss. „Glücklicherweise wurde seinerzeit kaum problematisches Material wie Asbest verwendet“, sagt Dietrich. Der Großteil der Abrissarbeiten wird von der Ziegelstraße aus erfolgen, nur vereinzelt werde von der Berliner Straße aus gearbeitet. 

Offenbach: Ehemaliges Einkaufscenter wird abgerissen - Westliche Teil bis September verschwunden

Bis September wird der westliche Teil des Gebäudes verschwinden – der östliche Teil dagegen vom Großen Biergrund bis in Höhe der Auffahrtrampen für das Parkhaus bleibt bestehen. „Dieser Teil wird umfassend saniert, die Auffahrten für das Parkhaus werden natürlich überarbeitet“, sagt Dietrich.

Bis zum Jahresende soll dieser Teil komplett saniert sein und im Erdgeschoss auf knapp 18 000 Quadratmetern Raum für den Einzelhandel bieten, in den oberen Stockwerken ist das Parkhaus für 365 Autos und über 600 Fahrräder vorgesehen. Auf dem Dach wird wie zuvor eine Kita untergebracht. „Die wird sich von zwei auf vier Gruppen vergrößern“, sagt er. 

Offenbach: Was nach dem Abriss des ehemaligen Einkaufscenter passieren soll

Im Osten, direkt an der Schlossstraße bis in Höhe der Einmündung Sandgasse, wird ab kommendem Jahr das Wohn- und Gewerbegebäude mit knapp 8 000 Quadratmetern Nutzfläche und 60 Wohnungen entstehen.

Zwischen den beiden Gebäuden ist noch ein weiteres, deutlich höheres Bauwerk, der sogenannte Hochpunkt, geplant. Doch noch gibt es für diesen keinen Aufstellungsbeschluss. Dietrich hofft, dass noch in diesem Jahr die Stadtverordneten darüber beraten und ab 2022 der „Hochpunkt“ gebaut werden kann. Ein Durchgang, der die Sandgasse mit der Berliner Straße verbindet und gleichzeitig verhindert, dass die neuen Gebäude eine geschlossene Front bilden, ist fest eingeplant.

Schwenke und Weiß nutzten den Abrissbeginn auch für einen kurzen Gang mit Dietrich und Rudolph durch das Gebäude. „Mit dem Bieberhaus war ja schon nach kurzer Zeit Schluss“, berichtet Dietrich vom ersten Ankermieter. „Als Massa hier 1982 eröffnete, hatte man die Wahl zwischen dutzenden Buttersorten – das war damals ungewöhnlich“, erinnert sich Weiß. Wehmut will aber keine aufkommen, die Freude über den Abriss der Bausünde ist allen anzumerken. 

VON FRANK SOMMER 

Auch der Umbau des Verkehrsknotenpunktes zwischen Frankfurt und Offenbach läuft auf Hochtouren. Ende 2021 soll er fertig sein. 

Zudem hat ein Feuer eine Wäscherei in Offenbach komplett zerstört. Der Auslöser für den Brand ist kurios.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare