Corona-Krise

Corona-Krise: Was bedeuten die Lockerungen für den Einzelhandel in Offenbach?

Nicht nur Lebensmittelgeschäfte dürfen bald wieder öffnen. Erleichterung für Offenbachs Einzelhandel bedeutet das nur bedingt.

  • Einzelhandel in Offenbach darf ab Montag wieder öffnen
  • Verschiedene Maßnahmen zum Schutz vor Corona
  • Wirtschaftlicher Schaden für Einzelhandel in Offenbach noch nicht zu beziffern

Offenbach - Am kommenden Montag werden auch in der Innenstadt von Offenbach wieder die ersten Geschäfte ihre Pforten öffnen. Nach Wochen der Sperre aufgrund der Corona-Krise kann der Einzelhandel nun in kleinen Schritten beginnen, wieder Umsatz zu machen. Aber wie geht es den Inhabern damit? Was erwartet Kunden und Mitarbeiter für die kommende Woche?

Stefan Becker, Chef des Modehauses M. Schneider und Vorsitzender des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach, dazu: „Der erste Schritt ist, dass jetzt überhaupt wieder etwas öffnen darf, und das ist auf jeden Fall zu begrüßen.“ Auch, wenn nach wie vor aufgrund der Corona-Krise viele Einschränkungen gelten und die Lage für den Einzelhandel noch immer schwierig ist - Becker plädiert für Optimismus.

Corona-Krise: Lockerungen im Einzelhandel – Läden in Offenbach dürfen öffnen

Vorerst dürfen nur Läden im Einzelhandel mit einer Größe von maximal 800 Quadratmetern öffnen. „Das Haupthaus von M. Schneider hat eine Verkaufsfläche von 2250 Quadratmetern, ist also deutlich drüber. Wir haben in Offenbach aber noch ein City Outlet und ein Strumpfhaus mit circa 250 Quadratmetern, die werden wir am Montag öffnen.“ Ob es gestattet sei, abgetrennte Teilflächen oder einzelne Stockwerke größerer Geschäfte zu öffnen, wisse er derzeit noch nicht. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt auch IHK-Sprecherin Birgit Arens-Dürr dazu: „Wir müssen abwarten, was die hessische Landesregierung bekannt gibt.“

Auch, wenn die Lockerung dem Einzelhandel nach dem Corona-Lockdown eine erste Linderung verschafft, komplett durchschritten ist das Tal noch nicht. „Die Geschäfte hatten jetzt vier Wochen lang keine Einnahmen“, sagt Stefan Becker. „Dafür gibt es nur ein Wort: Katastrophe.“ Er freue sich sehr, seine beiden kleineren Läden in Offenbach wieder öffnen zu dürfen: „Aber ein Ersatz für die Einnahmen im Haupthaus ist es nicht.“ Besonders heftig treffe es aber die Gastronomie, die nach wie vor auf jegliche Einnahmen zu verzichten gezwungen sei.

Einzelhandel darf öffnen: Schuhgeschäft in Offenbach greift zu Maßnahmen zum Schutz vor Corona

Eine harte Zeit hat auch das traditionsreiche Schuhgeschäft Pauthner in Offenbach hinter sich. „Die letzten Wochen haben uns regelrecht planiert“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Schmittinger. Sie freut sich darauf, endlich wieder Kunden zu begrüßen. Wie groß der wirtschaftliche Schaden für den Offenbacher Einzelhandel ist, lässt sich laut Stefan Becker zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern. „Da müssen wir abwarten, bis alle Beschränkungen aufgehoben sind“, erklärt er.

Wenn seine Mitarbeiter ab Montag wieder in den Geschäften stehen, sollen sie so gut wie möglich vor dem Corona-Virus geschützt sein: „Es wird Plexiglasscheiben vor allen Kassen geben und am Boden Aufkleber, die den Mindestabstand anzeigen. Außerdem bekommen alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen Mundschutz.“ Über weitere Maßnahmen denke er noch nach.

Einzelhandel darf öffnen: Noch keine Antwort von den „Großen“ in Offenbach

Auch andere Einzelhändler warten noch auf offizielle Vorgaben. Einige Maßnahmen zum Schutz vor Corona haben sich die Händler in Offenbach aber bereits überlegt. Der Buchladen am Markt wird, wenn er am Montag wieder öffnet, nur vier Kunden gleichzeitig einlassen. „Der Alltag soll unter den gegebenen Umständen Schritt für Schritt zurückkehren“, so Inhaberin Andrea Tuscher. Deshalb wolle sie auch nicht extra Kunden anlocken, die sie dann wieder rauswerfen müsste. Sie befürchtet eine erneute Schließung, wenn zu viele gleichzeitig kämen. In vielen Supermärkten, die von der Schließung nicht betroffen waren, dürfen Kunden nur mit Einkaufswagen in den Markt. Damit soll verhindert werden, dass zu viele Menschen gleichzeitig einkaufen. Eine Firma aus Heusenstamm hat dazu jetzt eine Alternative entwickelt. 

Das Modehaus Zwicklbauer in Offenbach-Bieber hat einen großen Kanister Hände-Desinfektionsmittel und ein Plexiglas für die Theke bestellt. Die Verkäuferinnen werden Masken tragen und auch für die Kunden sollen Masken zum Ausleihen während des Einkaufs ausliegen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Auf Beratungsgespräche will Inhaberin Gabriele Erfiliz nicht verzichten: „Natürlich kann ich Kunden beraten, wenn ich einen Mundschutz trage. Es sind ja keine zehn Meter Abstand vorgeschrieben.“ Von den „Großen“ im Einzelhandel wie Ringcenter, Galeria Kaufhof und KOMM war am Mittwoch noch keine Stellungnahme zu erhalten. Von Marian Meidel und Theresa Ricke Corona in Offenbach: Ende der Schonfrist für Maskenmuffel

In Offenbach hat die Corona-Krise Auswirkungen auf die Arbeit des Stadtparlaments. Dessen Vorsitzende Stephan Färber (SPD) sorgt sich deswegen.

Restaurants dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Wie läuft das Geschäft? Gastronomen und Restaurant-Besitzer aus Heusenstamm im Kreis Offenbach berichten nach den Corona-Lockerungen über erste Erfahrungen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst

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