In den nächsten drei Jahren

Offenbach: Elektrifizierung der Busflotte kostet 40 Millionen Euro

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Der Minister sitzt am Hebel: Den offiziellen Startschuss für die Umbauarbeiten bei den Offenbacher Verkehrs-Betrieben gaben gestern (von links): Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi, Stadträtin Sabine Groß, Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther und OVB-Geschäftsführer Heiko Linne.

Bei den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) haben gestern die Arbeiten für die Umstellung der Stadtbusflotte auf Elektroantrieb begonnen. 

Offenbach – Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß gaben in der Hebestraße den offiziellen Startschuss für eine der größten Umbaumaßnahmen in der 135-jährigen Geschichte des Stadtwerke-Unternehmens.

Der Betriebshof und die beiden Fahrzeughallen werden bei laufendem Betrieb modernisiert, wozu vor allem die Schaffung einer Ladeinfrastruktur gehört. Neben der Hauptladestation in der Hebestraße werden weitere Schnell-Ladepunkte für die Stromer am Kaiserlei sowie im Wohngebiet An den Eichen errichtet. Dafür geben die OVB elf Millionen Euro aus. Zusammen mit der Umstellung von 36 ihrer 87 Busse auf Elektroantrieb und den Instandhaltungskosten gehen die Verkehrsbetriebe nach derzeitigem Stand davon aus, dass die neue Mobilität bis 2022 rund 40 Millionen Euro verschlingt. Das Land fördert das Offenbacher Vorhaben mit vier Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung, der Bund steuert aus seinem mit 14 Million Euro bestückten Fördertopf acht Millionen bei. Die Bauarbeiten sollen bis zum Spätsommer 2020 abgeschlossen sein. Danach können die ersten Elektrobusse in den Linienbetrieb gehen.

70000 Euro teurer als die herkömmlichen Dieselbusse

Das ehrgeizige Ziel, schon zum Fahrplanwechsel Ende dieses Jahres loszulegen, konnte nicht gehalten werden. Das liegt auch daran, dass die sukzessive Beschaffung der Stromer noch mit einigen Unwägbarkeiten behaftet ist. „Die Ausschreibung für die erste Tranche von sieben E-Bussen läuft“, sagt OVB-Chefin Anja Georgi. Dank der Förderung seien die E-Fahrzeuge pro Stück in der Anschaffung nur 70000 Euro teurer als die herkömmlichen Dieselbusse. Doch das Verfahren sei rechtlich und technisch hochkomplex und erfordere auch wegen der hohen Förderung aus Steuergeld eine „äußerst sorgfältige Vorgehensweise“.

Hinzu kommt offenbar, dass die Hersteller aufrund der großen Nachfrage Lieferengpässe haben.

Welches Modell künftig durch Offenbach rollt, ist deshalb noch ebenso offen wie die Frage, ob die neuen E-Busse, die bauartbedingt höher als die Diesel sind, durch den Bieberer Schlupf passen. Das Erfordernis sei Teil der Ausschreibung, sagt Anja Georgi. Falls kein geeignetes Modell zu haben ist, müssen auf den stark frequentierten Linien 101 und 102 nach Waldhof weiter Dieselbusse eingesetzt werden. Ohnehin ist das Ende des Diesels bei den OVB erst für 2028 vorgesehen.

Offenbach ideal für E-Busse

Dem Ausprobieren weiterer Antriebstechnologien wie etwa Wasserstoff erteilte OVB-Chefin Georgi eine Absage. Diese Technik sei noch teurer, zudem könne der Betriebshof aus Platzgründen neben Diesel und Elektro keine dritte Antriebstechnik verkraften. „Schließlich bekämen wir aus Sicherheitsgründen eine Wasserstofftankstelle an unserem Standort vermutlich nicht genehmigt.“

Auch Minister Al-Wazir, der Offenbach eine Vorreiter-Rolle bei der Elektrifizierung des ÖPNV bescheinigt, favorisiert für seine Heimatstadt E-Busse. Im Gegensatz etwa zum hügeligen Wiesbaden, wo man auf einigen Linien Busse mit Wasserstoffantrieb testen werde, weil E-Fahrzeuge die Steigungen nicht bewältigen könnten, sei Offenbach aufgrund seiner Topografie und seiner kleinen Gemarkungsfläche ideal für den Einsatz von E-Bussen.

Matthias Dahmer

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