Elektro-Mobilität 

Erste Elektrobusse für Offenbach

Bus Innenbeleuchtung .
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Alles auf grün... dazu passt die grüne, dimmbare Innenbeleuchtung („Ambient Light“) in der OVB-Hausfarbe.

Die Batteriebusse des polnischen Herstellers Solaris sind in bundesdeutschen Städten seit 2013 zu sehen. In Offenbach ist es ab dem 13. Dezember soweit.

Offenbach – Mit dem Fahrplanwechsel befördern die ersten lokalen „Stromer“ die Fahrgäste. Bis 2021 sollen bereits 36 Stadtbusse elektrisch betrieben werden. Das entspricht gut 40 Prozent der gesamten OVB-Flotte. „Die E-Busse stehen für den Schutz des Klimas, die Verkehrswende und für mehr Lebensqualität für alle Offenbacherinnen und Offenbacher“, betont Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß.

Der gestrige Tag (18.11.20209) ist eigentlich anders geplant gewesen: Probefahrten, Festgäste, Grußworte. In Corona-Zeiten wäre das ein falsches Signal gewesen. Deshalb präsentieren die Offenbacher Verkehrs Betriebe (OVB) ihre ersten elektrischen Busse nicht an der Straße, sondern im Datennetz. Im 30-minütigen, informativen Video stellen die OVB die neuen „Straßenstars“ vor – charmant moderiert von der Offenbacherin Evren Gezer.

E-Busse in Offenbach: Start im Dezember

Da bleibt kaum eine Frage unbeantwortet. So erklärt etwa Fahrdienstleiter Herbert Gallasch, der auch für die Schulung der Fahrer verantwortlich, den Unterschied zur Diesel-Flotte: „Das Anfahr- und Bremsverhalten ist ein anderes; die Kraftübertragung erfolgt direkter.“ Heißt: Es ist nicht allein mit dem Kauf von Elektrobussen und der Infrastruktur getan, da wird zudem einiges an interner Schulung notwendig, ehe die Elektrobusse durch die Stadt rollen.

Die deutsche Tochter des polnischen Herstellers Solaris liefert folgende Typen aus dem Portfolio: sechs Urbino E12, 33 Sitz- und 44 Stehplätze, gut 220 Kilometer Reichweite; einen Urbino E18, 45 Sitz- und 53 Stehplätze, gut 190 Kilometer Reichweite. Hmmm. Das erfordert neben der Übernachtladung im Depot weitere „Strom-Tankstellen“. Vier gleichzeitig nutzbare Außenladepunkte werden an der Wendeschleife Kaiserlei (unter der Autobahn 661) errichtet und ein Außenladepunkt im Wohngebiet An den Eichen.

Das ist einer der ersten Offenbacher Elektrobusse. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember werden sie „eingeflottet“, wie es so schön bei den OVB heißt. Bis 2021 sollen bereits 36 Stadtbusse elektrisch betrieben werden.

Offenbach setzt auf E-Mobilität

Daher zu nicht gestellten Fragen im Werbe-Video. Letztgenannter Aspekt dürfte gerade Anwohner interessieren, die gegen den bislang geplanten Ladepunkt protestieren. Sie wollen nicht, dass die Elektrobusse durch die engen Eichen-Straßen fahren. „Da werden die Alternativen geprüft; es gibt noch keine Entscheidung“, formuliert Stadträtin Sabine Groß. Der Ladepunkt sei aktuell nicht notwendig, da die neuen Busse vorerst auf Linien verkehren, die den Kaiserlei kreuzen: die 104 (Bieber-Bahnhof - Kaiserlei-Westseite).

Ein anderer Knackpunkt im Liniennetz ist der Bieberer S-Bahn-Schlupf, in dem sich immer noch Lastwagen festfahren. Passen da die Solaris-Busse mit ihren Dach-Batterien überhaupt durch? „Wir haben’s noch nicht probiert“, gesteht die Verkehrsdezernentin. Die Verantwortlichen haben in der Machbarkeitsstudie die Linien festgelegt, auf denen die ersten E-Busse fahren – und da ist die 101 nicht dabei. Ansonsten setzt man auf die technische Entwicklung, „vielleicht gibt es ja einmal andere Aufbauten“. Nach jetzigem Stand bleibt die „101“ stromlos.

E-Busse für Offenbach: 36 Fahrzeuge bis Ende 2021 geplant

Und das funktioniert problemlos: Bis Ende 2021 soll die OVB-Flotte um weitere 29 Fahrzeuge, (20 Standard-, neun Gelenkbusse) auf 36 E-Busse wachsen. Die Diesel-Varianten werden aber keineswegs verschrottet. Die Elektrobusse ersetzen lediglich turnusmäßig die ausgemusterten Fahrzeuge. Das geschieht nach rund zehn „Dienstjahren“ bei der OVB. Dann werden sie verkauft. „Dafür gibt es - ganz so wie bei privaten Pkw - einen ganz regulären Markt“, versichert OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi.

Für sie gleicht die gestrige Vorstellung der E-Busse einem“ Meilenstein in der 136-jährigen Geschichte der Verkehrs-Betriebe“. Wie lässt sich diese Investition (OVB-Eigenanteil 12,7 Millionen Euro, Fördermittel 13,2 Millionen Euro) in Zeiten der Corona-Pandemie rechtfertigen, die ja bundesweit die ÖPNV-Nutzerzahlen sinken lässt? „Bei der Frage der Nutzung ist es egal, ob es ein Diesel- oder Elektrobus ist. Aber die Geister streiten sich, ob die Nutzung von Bus und Bahn tatsächlich gefährlich ist“, gibt Stadträtin Sabine Groß zu bedenken. „Wir wissen aber, dass die Ansteckungsgefahr ein wichtiges Thema ist. Deswegen prüfen wir beispielsweise genau die Auslastung der Schülerverkehre; da haben wir 30 bis 60 Prozent, also keine Überfüllung der Busse.“

Offenbach: E-Busse für Klimaschutz

Groß glaubt, dass die Pandemie eine Lehre bringe. „Globale Ereignisse machen uns verletzlich. Deswegen gewinnt aus meiner Sicht das Thema Klimaschutz eine besondere Bedeutung. Durch den Austausch von 36 Dieselfahrzeugen gegen Elektrobusse könnten jährlich 3000 Tonnen CO2 und 1300 Tonnen NOx eingespart werden.“ Heißt für sie: Die Anschaffung der E-Busse ist hier und heute das richtige Signal.“ (Martin Kuhn) *fz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionszentrums.

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