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Offenbach stellt Plan zum Stromsparen auf: Wie die Stadt auf die Energiekrise reagieren will

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Von: Matthias Dahmer

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Das Schwimmbad in Offenbach aus der Vogelperspektive.
Das Schwimmbad in Offenbach bleibt auch im Winter – dann mit neuer Traglufthalle über dem großen Becken – geöffnet. © Häsler

Deutschland befindet sich in einer Energiekrise, jeder muss sparen. Das müssen auch Städte und Kommunen umsetzen. Offenbach hat dafür nun einen Plan aufgestellt.

Offenbach – Als Reaktion auf die nur noch geringen Gaslieferungen aus Russland wird die Stadt Offenbach ihren gesamten Energieverbrauch ab sofort um bis zu 20 Prozent senken. In einer Pressekonferenz geht Oberbürgermeister Felix Schwenke gestern auf die ernste Lage ein: „Offenbach steht wie Deutschland vor einem außergewöhnlichen Winter. Das größte Leid tragen die Menschen in der Ukraine. Aber ein Stück Kälte des Krieges werden auch wir in Offenbach körperlich spüren.“

Mit den ergriffenen Maßnahmen zeige man nicht nur auf die Privathaushalte, sondern leiste auch als Stadt einen Beitrag. Schwenke betont: „Wenn aber – wie man so schön abstrakt sagt –, die Stadt’ spart, dann trifft das an vielen Stellen in erster Linie die Bürgerinnen und Bürger.“ Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

Offenbach stellt Plan zum Energiesparen auf: Öffentliche Gebäude werden kälter und dunkler

Großes Einsparpotenzial bietet die bundesweit vorgegebene Absenkung der Raumtemperaturen in allen öffentlichen Gebäuden auf 19 Grad. „Jedes Grad weniger reduziert den Verbrauch um rund sechs Prozent“, erläutert Stefan Tischberger, bei den Stadtwerken zuständig fürs Gebäudemanagement. Die bisher empfohlene Mindesttemperatur für Büros lag bei 20 Grad. „In einem ersten Schritt werden jetzt die Heizanlagen zentral heruntergeregelt. In einem zweiten Schritt rüsten wir die Heizungen um, damit in den Büros nicht mehr als die Maximaltemperatur erreicht wird“, ergänzt Schwenke.

Gemeinschaftsflächen in öffentlichen Gebäuden, etwa Flure, Foyers oder Technikräume, werden gar nicht mehr geheizt. Private Heiz- und Klimageräte am Arbeitsplatz werden in der Stadtverwaltung und im Stadtkonzern verboten. Als weitere Maßnahme werden Belüftungsanlagen ausgeschaltet – außer in Räumen, die nicht durch eine Fensteröffnung ausreichend belüftet werden können. Nur die mobilen Luftreinigungsgeräte in den Schulen bleiben aus Gründen des Infektionsschutzes vorerst in Betrieb.

Geprüft wird zudem eine einheitliche Festlegung auf Homeoffice an Freitagen, um die durchgehende Wochenendabsenkung der Heizungen auf drei Tage ausdehnen zu können. Die kommunalen Dienstgebäude sollen zudem mit Ausnahme der Bürgerservices (etwa Bürgerbüro) zwischen 23. Dezember und 6. Januar geschlossen bleiben.

Stadt Offenbach stellt Plan zum Energiesparen auf: Das kommt auf die Schulen zu

Entsprechend der Empfehlung des Hessischen Städtetags werden an den weiterführenden Schulen die Raumtemperaturen von bisher rund 21 Grad auf 19 Grad abgesenkt. An den Schulen ist das Einsparpotenzial insgesamt am größten: 66 Prozent des gesamten jährlichen Gasverbrauchs der eigenen und angemieteten Gebäude (rund vier von sechs Millionen Kilowattstunden) werden in den Schulgebäuden, die mit Gas beheizt werden, verbraucht.

Trotz der Energiekrise sparen die Offenbacher bislang kein Gas. Das geht aus Zahlen der EVO hervor.

„Ausgenommen von allen Einsparmaßnahmen sind das städtische Seniorenzentrum, die Seniorentreffs, alle Kitas und Grundschulen der Stadt sowie die Fröbelschule aufgrund der besonderen Situation und des Alters der dort anwesenden Kinder und Jugendlichen sowie Seniorinnen und Senioren.

Plan der Stadt Offenbach zum Energiesparen auf: Schwimmbäder und Sporthallen bleiben in Betrieb

„Schwimmbäder mit Schulschwimmen sowie Sport- und Turnhallen sollen hessenweit und damit auch in Offenbach in Betrieb bleiben“, so Schwenke. Die Hallen und Räume sollen gemäß den Empfehlungen des Hessischen Städtetags aber nur noch auf 15 bis 17 Grad aufgewärmt werden.

Man habe für Offenbach eine Regelung getroffen, die sich an den Ferien- und damit an den Nutzungszeiten orientiert, so Schwenke Für einen größeren Einspareffekt wird die Temperatur in den Hallen bis Ende der Herbstferien (30. Oktober) zunächst auf 15 Grad abgesenkt. Nach den Herbstferien, wenn es auch draußen beginnt kalt zu werden, wird die Temperatur bis vorerst 28. Februar 2023 auf 17 Grad geregelt. Weil die Hallen in den Weihnachtsferien vergleichsweise wenig genutzt werden, wird die Temperatur während der Ferienzeit wieder auf 15 Grad gesenkt.

Eine ähnliche Regelung hat die Stadt für die Schwimmbäder getroffen. Im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe bleibt es vorerst bis zum Ende der Herbstferien bei 24 Grad. Danach wird die Wassertemperatur bis 28. Februar 2023 auf 26 Grad angehoben und in der Zeit ohne Schulschwimmen während der Weihnachtsferien erneut auf 24 Grad gesenkt. Ausgenommen von dieser Regelung ist die Fröbelschule: Weil das dortige Schwimmbecken auch als Therapiebecken genutzt wird, darf das Wasser dort grundsätzlich bei rund 28 Grad bleiben.

Offenbach stellt Plan zum Energiesparen auf: Stadion auf dem Bieberer Berg auch betroffen

Im Stadion auf dem Bieberer Berg wird gemäß der Vereinbarung in Hessen und in Abstimmung mit dem OFC die Fußbodenheizung in den Kabinen grundsätzlich ausgeschaltet. Die Rasenheizung darf nicht mehr für Freundschaftsspiele oder Training genutzt werden. Es wird zudem auf die Beleuchtung der hängenden Werbeanlage mit dem Namensbanner dauerhaft verzichtet.

Der Fahrplan zum Energiesparen: Ein lokales Mittel ist etwa dass späteres Einschalten und dauerhafter Nachtmodus der Straßenbeleuchtung bereits ab der Dämmerung (normalerweise: 22 bis 6 Uhr). Grafik: Stadt
Der Fahrplan zum Energiesparen: Ein lokales Mittel ist etwa dass späteres Einschalten und dauerhafter Nachtmodus der Straßenbeleuchtung bereits ab der Dämmerung (normalerweise: 22 bis 6 Uhr). Grafik: Stadt © Privat/Stadt Offenbach

Offenbach stellt Plan zum Energiesparen auf: Kein Warmwasser mehr in städtischen Gebäuden

Abgeschaltet wird in den städtischen Gebäuden (einschließlich der weiterführenden Schulen) außerdem das Warmwasser in den Sanitärräumen – auch in den Duschen. In den Sporthallen wird das Warmwasser überall dort abgeschaltet, wo dies aus hygienischen Gründen machbar ist. Laut Stadtwerke kann das Warmwasser in 14 Schulturnhallen und vier Sporthallen kurzfristig innerhalb eines Monats abgestellt werden. Für weitere zehn Schulturnhallen und zwei Sporthallen ist dies mittelfristig innerhalb eines halben Jahres umsetzbar. Nur in acht Gebäuden mit Sporthalle ist dies technisch und mietrechtlich nicht möglich.

Weniger Beleuchtung in Offenbach geplant

Reduzieren will die Stadt außerdem den Stromverbrauch. Einsparpotenzial bietet die Straßenbeleuchtung. Diese wird nun erst bei etwas stärkerer Dämmerung und damit im Schnitt rund drei Minuten später als bisher eingeschaltet und zusätzlich gedimmt. Bisher leuchten die Straßenlaternen vom Zeitpunkt der Dämmerung bis 22 Uhr unter voller Stromlast (sogenannter Halb-Nacht-Betrieb). Danach erfolgt ab 22 Uhr eine Absenkung (Nachtbetrieb).

Der Nachtbetrieb wird nun bereits beim Einschalten in der Dämmerung Standard, der „Halb-Nacht-Betrieb“ entfällt. Außerdem wird die Außenbeleuchtung repräsentativer Gebäude abgeschaltet. Dies betrifft unter anderem die drei Museen, den Blauen Kran, Denkmäler und Skulpturen, historische Kirchengebäude sowie weitere Orte. Die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt wird um 50 Prozent reduziert. Keine Änderungen gibt es bei der Beleuchtung von Grünanlagen, Spielplätzen, Unterführungen, Tunneln oder bestimmten Plätzen.

Ampeln bleiben nach aktuellem Schema in Betrieb - Verkehrssicherheit sonst gefährdet

Auch eine Ausweitung der nächtlichen Ampel-Abschaltungen war in der Diskussion. Aber: „In Offenbach ist rund die Hälfte der Ampelanlagen in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet, teilweise sogar schon etwas früher. Einige wenige Anlagen sind auch tagsüber an den Wochenenden aus“, so Mobilitätsdezernentin Sabine Groß. Eine Ausweitung der Regelung sei aus Gründen der Verkehrssicherung nicht zu empfehlen.

Offenbach stellt Plan zum Energiesparen auf: Notfallpläne werden aufgestellt

„Falls das Gas tatsächlich nicht mehr reicht, greifen Notfallpläne, die derzeit mit EVO und Feuerwehr aktualisiert werden. Im Vergleich ist die Stadt laut EVO weniger stark betroffen als andere Kommunen, da rund die Hälfte des Gebäudebestands mit Fernwärme versorgt wird. Das hilft allerdings nicht den schätzungsweise rund 10 .000 Haushalten (mehr als 50 .000 Personen), die ihre Wärme aus Gasheizungen beziehen. Weiter Infos dazu gibt es unter www.offenbach.de/energiesparen. (Matthias Dahmer)

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