Schlüsselrolle für Müllheizkraftwerk

Energieversorgung Offenbach will mehr auf saubere Energie setzen - 40 Millionen Euro für Modernisierung

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Im Müllheizkraftwerk der EVO soll künftig auch Klärschlamm thermochemisch behandelt werden.

Die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) will in Zukunft noch mehr auf saubere Energie setzen.

Offenbach – Wie Technikvorstand Günther Weiß bei der Bilanzpressekonferenz betont, hat der Vorstand eine klare Position zum Kohleausstieg: „In Deutschland herrscht Konsens, dass wir uns von der Kohle verabschieden. Bis zum Ende dieser Dekade wollen auch wir das Kohlekraftwerk am Offenbacher Nordring, das die Stadt mit Strom und Wärme versorgt, durch eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative ersetzen. “ Man habe sich keine Denkverbote gesetzt, so Weiß. „Wir werden uns für die beste Lösung entscheiden. “ Wie der Energieträger der Zukunft aussehen könnte, ist offen. Gas sei jedenfalls keine Alternative. Weiß dazu: „Gas wäre vor einigen Jahren noch eine gute Wahl gewesen. Aber auch dieser Energieträger ist endlich, deshalb müssen wir anders denken.

Klar sei bislang nur, dass Offenbach als Kraftwerks-Standort unverzichtbar für die Versorgung der Bürger sei. Die Wärmeversorgung eines großen Teils der Firmen und Haushalte in den vier Kommunen Offenbach, Dietzenbach, Neu-Isenburg/Gravenbruch und Heusenstamm sei nur mit größeren, zentralen Erzeugungsanlagen möglich.

Zwischen Offenbach und Dietzenbach: Schlüsselfunktion für Müllheizkraftwerk

Eine Schlüsselfunktion könnte dabei auch dem Müllheizkraftwerk zwischen Offenbach und Dietzenbach zukommen: Wie Weiß unterstreicht, investiere die EVO viel Geld in die Modernisierung des Müllheizkraftwerks, wo mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme erzeugt wird. Nachdem die EVO in den vergangenen Jahren eine neue Rauchgasreinigung und eine hocheffiziente Turbine installiert hatte, baut sie nun eine Anlage zur thermochemischen Behandlung von Klärschlamm. „Mit dem Tiefbau haben wir bereits begonnen, mit der Fertigstellung rechnen wir für diesen Herbst“, sagt Weiß. Voraussichtlich von April an werde die Verfahrenstechnik installiert – unter anderem die beiden 20 Meter langen Drehrohre mit ihrem Durchmesser von 2,50 Metern, in denen der Klärschlamm verbrannt wird. Die Investitionskosten für das gesamte Modernisierungsprojekt belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro.

Offenbach: 80.000 Tonnen Rohklärschlamm sollen jährlich verbrannt werden

In der neuen Anlage sollen pro Jahr künftig 80 000 Tonnen Rohklärschlamm nach einem Trocknungsprozess verbrannt werden. Bisher landete dieser Klärschlamm als Dünger auf den Feldern. Die Folge: eine wachsende Belastung der Böden und des Grundwassers mit Nitraten und Schwermetallen.

Durch die Verbrennung wird es nach Worten des EVO-Vorstands möglich sein, die heimischen Trinkwasserressourcen zu schonen. „Zugleich schaffen wir die Voraussetzungen dafür, in Zukunft den im Klärschlamm enthaltenen, wertvollen Pflanzennährstoff Phosphor zu verwerten“, so Weiß weiter.

In den nächsten Jahren will die EVO zudem das Stromnetz in Stadt und Kreis Offenbach weiter ausbauen. Die Gefahr von Ausfällen etwa durch Stürme sei durch die Verkabelung der meisten Netze deutlich reduziert worden. Da der Strombedarf in der Region weiter steige, solle die Leistungsfähigkeit des Netzes weiter erhöht werden; das Investitionsvolumen bis Ende 2022 betrage dafür rund 35 Millionen Euro.

von Achim Lederle

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