„Dann machen wir eben zu“

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Eigentlich ist der EOSC wieder gut aufgestellt. Damit aber der Badbetrieb vorschriftsmäßig läuft, muss die Stadt ihren Zuschuss erhöhen

Offenbach - Der EOSC, Betreiber des einzigen Schwimmbads der Stadt, demonstriert Geschlossenheit: Erhöht die Stadt nicht den Betriebskostenzuschuss, wird wegen zu großen Haftungsrisikos geschlossen. Von Matthias Dahmer

Wird Offenbach bald über kein eigenes Schwimmbad mehr verfügen? Für den Ersten Offenbacher Schwimmclub (EOSC), Betreiber des Waldschwimmbads auf der Rosenhöhe und mit aktuell 2473 Mitgliedern zugleich größter Verein in der Stadt, ein durchaus denkbares Szenario.

Mindestens weitere 200.000 Euro städtischer Zuschuss pro Jahr seien nötig, um einen vorschriftsmäßigen und das Haftungsrisiko minimierenden Badbetrieb zu gewährleisten, sagt Matthias Wörner, der am Dienstagabend bei der EOSC-Jahreshauptversammlung nahezu einstimmig vom bisherigen kommissarischen Vorsitzenden zum neuen Vereinsboss gewählt wurde. Sollte sich das nicht ändern, ist für den 49-Jährigen, der den Verein geschlossen hinter sich weiß, vorstellbar: „Dann machen wir eben zu.“

Gerade mal sechs Angestellte

Bislang schießt die Stadt jährlich etwa 440.000 Euro zu. Ein trotz gestiegener Kosten seit Jahren unveränderter Betrag, der auf einem noch unter OB Gerhard Grandke abgefassten Vertrag aus dem Jahr 1993 basiert und der im Vergleich etwa zu den 800.000 Euro jährlichen Betriebskosten fürs Fußball-Sportzentrum Wiener Ring lächerlich gering erscheint.

In der Tat muss der EOSC das Bad unter amateurhaften, bundesweit wohl einmalig schlechten finanziellen Bedingungen betreiben: Gerade mal sechs Angestellte, die zum Teil nicht über die erforderliche Ausbildung verfügen, halten das Schwimmbad samt technischer Einrichtung und übriger Infrastruktur am Laufen. Allein für die Überwachung der Wasserflächen auf der Rosenhöhe sind eigentlich vier Kräfte erforderlich.

Ständig mit einem Bein im Gefängnis

Bei einer Fachtagung in Frankfurt, die er zusammen mit Sportamtsleiter Jürgen Weil besucht habe, so Vorsitzender Wörner, hätten Verantwortliche aus anderen Kommunen angesichts der Offenbacher Zustände die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Knackpunkt ist dabei das Haftungsrisiko: Sollte jemand absaufen im Waldschwimmbad, ist der EOSC-Vorstand in der vollen Verantwortung. Derzeit stehe man ständig mit einem Bein im Gefängnis, so Wörner.

Deshalb muss für den Badbetreiber EOSC eine „gerichtsfeste Wasseraufsicht“ her. Gespräche mit entsprechend qualifizierten und zwangsläufig auch zusätzliche Kosten verursachenden Leuten laufen. Wie ernst es der Vereinsspitze um den neuen Vorsitzenden ist, belegt die Ankündigung, alles hinzuschmeißen, falls die Stadt sich in Sachen Zuschüsse nicht bewegt.

Schwimmbad gehört zur Daseinsvorsorge

Beim EOSC geht man fest davon aus, dass im Rathaus gehandelt wird. Denn als Kommune ist man eigentlich in der Pflicht. Gehört doch für eine Stadt mit 120.000 Einwohnern eine Schwimmbad zur Daseinsvorsorge. Allein schon, um das Schulschwimmen sicherzustellen. Für 2011 stehen 45 000 zahlende, nicht dem EOSC angehörende Besucher in der Statistik, darunter 15. 000 Kinder und Jugendliche.

Zweite Option, über die beim EOSC im Falle einer städtischen Weigerung nachgedacht wird: Die Rosenhöhe zu einem Privatbad zu machen. Dafür gibt es durchaus Vorbilder in der Republik. In Berlin und Bochum etwa, wo die Mitgliederzahlen nach diesem radikalen Schritt in die Höhe geschnellt seien, heißt es am Dienstag beim EOSC-Jahrestreffen. Rein rechnerisch könnte eine Privatisierung gestemmt werden, wenn jedes Mitglied rund 400 Euro Jahresbeitrag zahlen würde.

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