Abriss nach emotionaler Diskussion beschlossen

Offenbach erhält moderne Trauerhalle

Die marode Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof wird einem modernen Neubau weichen.
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Die marode Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof wird einem modernen Neubau weichen.

Emotional und heftig, zum Ende hin aber mit versöhnlichen Tönen: Am Donnerstag wurde nicht nur der Haushalt beschlossen, sondern auch über die Zukunft der maroden Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof diskutiert. Die SPD wollte das Thema zunächst von der Tagesordnung nehmen lassen, fand dafür im Haus aber keine Mehrheit.

Offenbach - Wie berichtet, haben sich Betriebskommission und Tansania-Koalition zuvor für die günstigere Variante, den Abriss und Neubau für knapp sechs Millionen Euro, ausgesprochen. Eine Sanierung würde 6,8 Millionen Euro kosten und die jährlichen Betriebskosten um 20 000 Euro erhöhen. Dass das Thema dennoch quer durch die Fraktionen bewegt, zeigte sich am Beitrag von Sabine Leithäuser (Grüne) oder Sven Malsy (Linke), die beide Erinnerungen und Emotionen mit diesem Ort erwähnten. „Mit dem Abriss geht ein Verlust einher“, sagte Leithäuser, allerdings sei das Gebäude weder denkmalgeschützt noch für heutige Erfordernisse der Trauerkultur geeignet. Malsy betonte, dass es in seiner Fraktion keine einheitliche Meinung gebe, man werde sich daher der Abstimmung enthalten.

Die SPD kritisierte die mangelnde Bürgerbeteiligung und forderte den Erhalt des Gebäudes. Holger Hinkel (SPD) schoss jedoch weit über das Ziel hinaus, als er dem geplanten Neubau „Wegwerfarchitektur“ dem Altbau ein „mystisches Lichterlebnis“ attestierte. Dass die Arbeitsbedingungen für Bestatter und Mitarbeiter in dem Gebäude schon seit Jahren unwürdig seien, räumte er erst ein, nachdem die übrigen Fraktionen es als einen der Hauptgründe für den Abriss anführten. Wegen der Corona-Pandemie sei die Bürgerbeteiligung über die Webseite der Stadt erfolgt, betonte CDU-Parteichef Andreas Bruszynski. Das Interesse habe sich jedoch in überschaubaren Grenzen gehalten, sagte Bürgermeister Peter Freier als zuständiger Dezernent: Der Informationsfilm sei lediglich 117-mal geklickt worden, außer SPD-Mitgliedern hätten nur zwei Bürger sich schriftlich geäußert.

„Vor der Diskussion habe ich nie gehört, dass jemand sagt: ‘Wow, was habt ihr da für eine tolle Trauerhalle!’“, sagte Dominik Schwagereit (FDP) und verwies darauf, dass es sich bei dem Funktionsgebäude nicht um ein „Unesco-Weltkulturerbe“ handele.

Bei Enthaltung der Linken und mit Gegenstimmen der SPD votierten die Stadtverordneten schließlich für Abriss und Neubau. Wie Bürgermeister Freier unserer Zeitung sagte, werde im kommenden Jahr die Planung für den Innenraum erfolgen, darunter auch eine künstlerische Gestaltung. Außerdem wolle man erneut versuchen, den Künstler Bernd Rosenheim zu kontaktieren, um wegen dessen Glasfenster eine Übereinkunft zu erzielen. „Vielleicht können wir uns einigen, einen Teil in das neue Gebäude übernehmen.“

Von Frank Sommer

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