Sprachförderung in Kitas

Ein konstanter Bedarf

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„Simon Superhase“ hilft, Deutsch zu lernen. Gemeinsam mit Erzieherin Virgina Eidmann erobern die Kinder in der Kita 4 die Welt der Bücher.

Offenbach - Offenbach erhält für die Sprachförderung in Kitas 592.000 Euro vom Land. Wie nötig das Geld ist, zeigt auch der Umstand, dass Erzieherinnen wieder lernen müssen, mit den Kindern in ganzen Sätzen zu sprechen. Von Matthias Dahmer 

Manchmal machen schon wenige Zahlen die Dimension einer gesellschaftlichen Aufgabe deutlich: 98 Prozent der Kinder in der städtischen Kita 4 haben eingewanderte Eltern. Von denen sprechen gerade mal zehn Prozent ausreichend bis gut deutsch. Seit acht Jahren wird an der Einrichtung in der Mathildenstraße relativ erfolgreich daran gearbeitet, die Integrationsvoraussetzung Nummer eins möglichst früh zu vermitteln. So war die Kita gestern Vormittag genau der richtige Ort für einen Besuch des Hessischen Familien- und Integrationsministers Stefan Grüttner. Der hatte einen Scheck über 592.000 Euro im Gepäck.

Das Geld kommt aus dem im Jahre 2002 gestarteten Landesprogramm „Sprachförderung im Kindergartenalter“, in diesem Jahr hat es ein Gesamtvolumen von 3,5 Millionen Euro. Zur ursprünglichen Zielgruppe, den Kindern mit Migrationshintergrund, sagt Grüttner, kämen mittlerweile zunehmend auch deutsche Kinder mit Sprachproblemen.

Es ist – je nach Sichtweise gute oder bedauerliche Übung – dass Offenbach angesichts des Bedarfs an Sprachförderung hessenweit wieder den dicksten Batzen erhält. Dass ein solcher Betrag nach Offenbach fließe, liege aber auch daran, dass man sich in der Stadt für Sprachförderung engagiere, lobt der Minister aus Offenbach. Dieses kommunale Engagement ist ebenfalls bezifferbar. Auf den Landes-Scheck aus Wiesbaden muss die Stadt Offenbach noch einmal rund 1,6 Millionen Euro aus eigener Kasse für die Sprachförderung drauflegen.

Bis zu 3000 Kita-Kinder in den Einrichtungen der Stadt und der freien Träger profitieren von der Förderung, wobei der Löwenanteil in die kommunalen Kitas fließt. Grund: Dort haben im Schnitt 80 Prozent der Kinder Förderbedarf, sagt Claudia Kaufmann-Reis, stellvertretende Leiterin des Jugendamts und des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO). So ging aus dem Landeszuschuss des vergangenen Jahres rund eine halbe Million an die städtischen Kitas, etwa 100.000 Euro erhielten die freien Träger. Grundsätzlich, sagt Claudia Kaufmann-Reis, könne jede Einrichtung Anträge auf Sprachförderung stellen. Rückblickend kann sie von Erfolgen berichten: So gebe es zum einen bezüglich der Sprachkompetenz der Kinder gute Rückmeldungen aus den Schulen. Zum anderen würden die ausländischen Eltern mehr mitziehen. Deren frühere Haltung, das Kind erst ein Jahr vor dem Schuleintritt in die Kita zu schicken, habe sich gewandelt.

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Der Landeszuschuss kommt indes nicht nur den Kindern zugute. Ein Teil des Geldes wird auch in die Fortbildung der Erzieherinnen gesteckt. Die – und das ist einer bedenklichen Entwicklung der vergangenen Jahre geschuldet – müssen unter anderem wieder lernen, mit ihren Schützlingen in vollständigen deutschen Sätzen zu reden.

„Das Personal hat die Sprache den Kindern angepasst und vereinfacht. Das ist genau das Falsche“, so Kaufmann-Reis. Was die Landeszuwendung angeht, findet sie ebenso wie Bürgermeister Peter Schneider lobende Worte: „Das kommt uns absolut gelegen.“ Zumal die Stadt ein Projekt unter dem Arbeitstitel „Sprachliche Bildung“ auflegt, welches von der ehemaligen Leiterin der Kita 4, Karin Bahro, geleitet wird. Sie betont, die Arbeit mit Kindern, die Sprachförderung benötigten, sei nicht schwerer als das, was eine Kita auch sonst leisten müsse. Auch Ümran Denizli vom Elternbeirat ist überzeugt, das Beherrschen der deutschen Sprache sei wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Kinder die Schule erfolgreich absolvieren könnten.

Grüttner weist auf die Verzahnung der Förderung hin. Mit dem seit zwölf Jahren laufenden Programm sei der landesweite Aufbau von vorschulischen Sprachförderangeboten gemeinsam mit schulischen Vorlaufkursen in die Wege geleitet worden. Grüttner: „Hessen hat damit eine Vorreiterrolle übernommen. Es war das erste Bundesland, das ein flächendeckendes Sprachförderprogramm für Kita-Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse ins Leben gerufen hat.“

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