Weil Chemie-Betriebe dichtgemacht wurden

Stadt erreicht ihr CO2-Minderungsziel

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Zur Erhebung der Energieverbräuche lieferten Netzbetreiber, Schornsteinfeger und andere die Rohdaten. Hier der Verbrauch in Megawattstunden. Wichtig: Sonnenkollektoren und Holz sind aufgeführt, fallen aber zu gering aus, um dargestellt zu werden.

Offenbach - Treibhausgas, Energiesparen, CO2-Bilanz. Meist sind die Begriffe mit Zahlen versehen, die weltweit wenig Gutes verheißen. Aber wie sieht’s etwas kleinteiliger aus? Die zweite Fortschreibung der Offenbacher Bilanz macht einen guten Eindruck. Allerdings nur auf den ersten Blick. Von Martin Kuhn 

Hintergrund: Als Klimabündnismitglied hat sich die Stadt verpflichtet, alle fünf Jahre 10 Prozent der CO2-Emissionen einzusparen. Das wurde von 2005 bis 2013 erreicht. Absolut haben sich die Emissionen um etwa 300.000 Tonnen im Jahr oder 22 Prozent gesenkt. Pro Kopf bedeutet das einen Rückgang von 11,2 Tonnen auf 8,1 Tonnen jährlich. Nur: Das positive Ergebnis resultiert im Wesentlichen aus der Schließung der Produktionsanlagen auf dem Allessa-Gelände.

Daher betont Bürgermeister Peter Schneider: „Ohne eine Intensivierung unserer Bemühungen stehen die ehrgeizigen Ziele in Frage.“ Zumal Offenbach eine Stadt ist, in der gegenwärtig viele Häuser und Wohnungen neu entstehen und die weiter wachsen wird. Das wird in der Summe die Verbrauchswerte (Strom, Erdgas, Kohle, Benzin) wohl in die Höhe treiben. Den größten Erfolg verspricht sich  Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach weiter von der „persönlichen und lokalen Beratung“. Die sogenannte Haus-zu-Beratung für Ein- und Zwei-Familien-Häuser (aktuell in Bürgel) sollte auf Mehrfamilienhäuser ausgeweitet werden. Zudem könnte die – lokale – Energieerzeugung als solche ein Thema sein.

Aber wie sieht es mit Gewerbe aus, das ja nahezu alle in Offenbach zwecks Verbesserung der Finanzsituation ansiedeln wollen, das aber die schöne Energiebilanz verhageln könnten? Für den Grünen-Politiker Schneider ist das kein Widerspruch. Lieber benennt er ein „Leuchtturm-Unternehmen“, das als Produzent für Lacke und Farben geradezu vorbildlich auf die Energiekosten und -emissionen schaut. Und Peter Schneider fügt offenbar mit Blick auf die Chemiebrache im Mainbogen an: „Es gilt immer, nicht nur auf quantitatives, sondern auf qualitatives Wachstum zu schauen.“

Auch da könnte die Stadt noch an der rein lokalen CO2-Schraube drehen: stadteigene Liegenschaften ertüchtigen, Solaranlagen installieren, Radverkehr fördern, öffentlichen Personennahverkehr ausbauen, im Stadtkonzern Autos teilen. Das alles resultiert aus der genannten zweiten Fortschreibung der Energie- und Treibhausgasbilanz der Stadt. Eine Entwicklung hin zu mehr Energieeffizienz ist bis 2013 „nur in Teilsegmenten“ zu erkennen.

Bei den privaten Haushalten blieb der Heizenergieverbrauch witterungsbereinigt etwa konstant. Wegen des Anstiegs der Wohnfläche im gleichen Zeitraum entspricht dies jedoch einem Rückgang des spezifischen, auf die Wohnfläche bezogenen Verbrauchs um 3,7 Prozent. Der Rückgang des Stromverbrauchs liegt bei ungefähr 8 Prozent, allerdings ist eine exakte Abgrenzung zum Gewerbe nicht möglich. Aufgrund der Sanierungen ist bei städtischen Gebäuden (Kitas, Schulen, Rathaus) eine Heizenergieeinsparung erkennbar. Die ersten Erfolge zeichnen sich durch moderne LED-Technologie (wir berichteten) bei der Straßenbeleuchtung ab.

Als ein „Sorgenkind“ haben die Experten die lokale Energieversorgung ausgemacht. Denn der seit 2013 von 40 auf 52 Prozent gestiegene Anteil des Stromverbrauchs, der in den lokalen Anlagen der EVO erzeugt wurde, wirkt sich – anders als in anderen Kommunen – „negativ auf die Emissionsbilanz aus“. Also Solarstrom statt Kohlekraft? „Das können wir ad hoc nicht umbauen; aber es steht auf der Agenda“, so Peter Schneider vor Journalisten. Wobei der Anteil der erneuerbaren Energien im Stadtgebiet derzeit so gering ist, „dass diese trotz deutlichen Zuwachses bei den Holzheizungen, Solarkollektoren und Photovoltaikanlagen noch keinen nennenswerten Einfluss auf die gesamtstädtischen Emissionen haben“.

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