E-Mobilität

Offenbach: Erste E-Busse haben eine echte Überraschung an Bord

Am ehemaligen Kaiserlei-Kreisel sind vier Ladestationen eingerichtet.
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Am ehemaligen Kaiserlei-Kreisel sind vier Ladestationen eingerichtet. Die Station besichtigten gestern (von links) OVB-Geschäftsführer Heiko Linne, Prokuristin Janine Mielzarek, OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi und Mobilitätsdezernentin Sabine Groß.

Durch Offenbach rollen seit neuestem Boten der Zukunft: Mit E-Bussen bringt sich die Stadt für einen schadstoffärmeren Nahverkehr in Stellung.

  • In Offenbach verkehren seit einigen Wochen die ersten Elektrobusse.
  • An die neuen Fahrzeuge der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) müssen sich vor allem die Fahrer erst mal gewöhnen.
  • Die E-Busse in Offenbach sind an jeden Sitzplatz mit einem besonderen Komfort ausgestattet: USB-Anschlüsse zum Laden von Smartphones.

Offenbach - Mancher konnte in den vergangenen Wochen schon einen Blick auf die Neuzugänge der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) erhaschen: Seit einiger Zeit sind die ersten Elektrobusse im Stadtgebiet unterwegs, da die Fahrer der Verkehrsbetriebe geschult werden. Erkennbar sind die Busse an dem Aufbau auf dem Dach, der sie etwas höher macht als Busse mit konventionellem Antrieb. Darauf verbirgt sich der Pantograph, der scherenartige Stromabnehmer.

Ab dem 13. Dezember (also zum Fahrplanwechsel) sind die E-Busse keine Besonderheit mehr, denn dann werden die ersten sieben von insgesamt 36 auf mehreren Linien verkehren und rasch zu einem vertrauten Bild im Straßenverkehr von Offenbach werden. Doch wie fährt es sich in den elektrisch betriebenen Bussen? Bei einer Probefahrt quer durchs Stadtgebiet zeigt sich, dass die Busse tatsächlich recht leise sind. Statt des bekannten Brummens des Selbstzünders ist ein leises, surrendes Geräusch allgegenwärtig, aber unauffälliger als das Begleitgeräusch der konventionellen Busse.

Neue E-Busse für Offenbach: Mehr Komfort für alle

Nur wenn die Wärmepumpe für die Heizung eingeschaltet wird, kommt ein leichtes Brummen hinzu. Ansonsten sind die neuen E-Busse in Offenbach komfortabel: Die regulären Standard-Busse haben nun drei Türen zum Ein- und Ausstieg, Gelenkbusse verfügen gar über vier. An allen Sitzplätzen gibt es USB-Anschlüsse, um etwa Smartphones aufzuladen, der Bereich für Kinderwagen oder Rollatoren ist geräumiger als in den Diesel-Bussen.

Auffällig ist die neue Beleuchtung: Abends erstrahlt der Innenraum in sanftem Grün, das angenehmer für die Augen der Fahrgäste ist als das übliche weiße Licht. „Außerdem blendet es den Fahrer nicht durch Reflexionen in der Scheibe“, sagt der stellvertretende Fahrdienstleiter Herbert Gallasch. Mehr Komfort gibt es auch für die Fahrer durch einen kleinen Kühlschrank für Pausenimbiss und Getränke. Zudem sind Scheiben zum Schutz der Fahrer an deren Türen montiert. „Das hängt nicht mit Corona* zusammen, sondern ist generell eine Schutzmaßnahme gegen Übergriffe“, betont Gallasch.

Elektrobusse

Die Stadt Offenbach stellt bis Ende kommenden Jahres 40 Prozent ihrer Busflotte auf Elektroantrieb um, 36 Busse werden dann mit Elektroantrieb unterwegs sein. Die Kosten für die E-Busse, die die Stadt Offenbach dafür zu tragen hat, betragen 12,7 Millionen Euro, 13,2 Millionen Euro werden durch Förderprogramme übernommen. Durch den Austausch der Busflotte sollen jährlich über 3 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid und 1 300 Kilogramm Stickoxid eingespart werden. Hersteller der Busse ist das polnische Unternehmen Solaris, eines der ersten Unternehmen, das sich auf Elektroantrieb spezialisiert hatte. Aufgeladen werden die Busse über Nacht im Depot sowie während des Tages an einem Schnellladepunkt am Kaiserlei. Je nach Betrieb der Klima- und Lichtanlage reicht eine Ladung für 130 bis 200 Kilometer. Die OVB-Busse legen am Tag durchschnittlich 250 Kilometer im Stadtgebiet zurück. Zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 13. Dezember, verkehren die ersten E-Busse im Linienbetrieb. Weitere Infos im Internet unter mobilitaet.soh-of.de

Während der Pause wird geladen – Neue Energie für Fahrer und Bus am Kaiserlei (Offenbach)

Die Busse in Offenbach verfügen sowohl über Abbiegeassistenten wie über eine Kamera fürs Rückwärtsfahren. „Das Fahren wird generell als angenehm beschrieben“, so Gallasch. Beinahe 100 Fahrer wurden bereits geschult, denn das Fahrverhalten unterscheidet sich ein wenig von dem der Diesel-Busse. „Beim Anfahren ist die Übertragung direkter: Das muss geübt werden, damit die Fahrgäste durch die Beschleunigung nicht in den Sitz gepresst werden.“ Beim Bremsen ist mehr Einsatz erforderlich, da der Wagen weiterrollt, wenn der Fuß vom Strompedal genommen wird.

Damit der Umstieg leicht fällt, hat Hersteller Solaris auf Wunsch der OVB die Cockpits extra so eingerichtet wie bei den bekannten Diesel-Bussen. Neu sind nur die Knöpfe für die zusätzlichen Türen sowie für den Stromabnehmer. Auf dem Betriebshof an der Hebestraße sowie an einem eigens eingerichteten Haltepunkt am Kaiserlei werden die Akkus der E-Busse geladen. „In der Pause fahren die Fahrer den Kaiserlei an und laden dort die Busse auf“, sagt Stadträtin Sabine Groß. Die Ladestation einzurichten, war kompliziert: Da die darüber führende A 661 Bundeseigentum ist, musste die Stadt mit dem Bund einen Vertrag abschließen, um zwischen Autobahn und den beiden neuen Auf- und Abfahrten die Masten für die Ladestationen anbringen zu dürfen.

Neue E-Busse für Offfenbach: Sinkende Betriebskosten erwartet

OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi zeigt sich rundum zufrieden mit den neuen Bussen für Offenbach: „Dass wir die Umstellung im laufenden Betrieb geschafft haben, macht mich wirklich stolz.“ Durch weniger Wartungsteile rechnet sie außerdem mit weniger Kosten für die Busse. Die Wartung übernehmen die OVB, sämtliche Monteure sind eigens geschult. (Frank Sommer) *FR.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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