Erste Gewerbetreibende im neuen Hafenquartier feierten Richtfest

Ansiedlung mit Pioniergeist

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Der Rohbau ist fertig. Noch in diesem Jahr soll die Zentrale von Saint-Gobain auf der Hafeninsel fertig sein. Die Franzosen sind dort die ersten Gewerbetreibenden.

Offenbach - Der Richtkranz schaukelt im stürmischen Wind vor wolkenverhangenem Himmel, dazu ertönen die Klänge von Wagners Walkürenritt. Beeindruckend, aber auch ein wenig bedrohlich. Von Veronika Schade

Der Anlass und die Zukunftsvisionen dagegen sind optimistisch: Gestern wurde am Hafen Richtfest der künftigen Deutschlandzentrale des Baustoff-Unternehmens Saint-Gobain gefeiert. Die Franzosen ziehen mit 210 Arbeitsplätzen von Frankfurt nach Offenbach und sind die erste Gewerbeansiedlung in Offenbachs neuem Hafenquartier. „Saint-Gobain beweist Pioniergeist“, sagt Peter Matteo, Geschäftsführer der ausführenden Baufirma Groß & Partner, „und ist damit im doppelten Sinne Ankermieter.“ Ausschlaggebendes Kriterium für die Entscheidung sei die Lage am Wasser gewesen. Am Frankfurter Osthafen, wo das Unternehmen bisher beheimatet ist, habe man nichts Passendes gefunden. In Offenbach dagegen sei die Zusammenarbeit von Anfang an schnell und unbürokratisch verlaufen. „Wir machen jetzt offensive Werbung für Offenbach, insbesondere was Baugenehmigungsverfahren angeht“, schmunzelt Matteo.

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Die Konversion des Hafens sei in einem Atemzug mit Städten wie London und Kopenhagen zu nennen, wo ähnliche Gebiete ebenfalls erfolgreich neuen Zwecken zugeführt wurden. Matteo: „Die Revitalisierung ehemaliger Hafenflächen ist weltweit ein Thema für Gemeinden, Städte, Planer und Architekten. Vielerorts zählen die Industriebrachen von einst inzwischen zu den gefragtesten und attraktivsten der Stadt.“ Auf das Viertel mit der angestrebten Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur ist auch Oberbürgermeister Horst Schneider stolz. „Der Offenbacher Hafen wird für die ganze Region wichtig sein.“ Er hofft, dass weitere Unternehmen dem Beispiel von Saint-Gobain folgen. „Im Mai beginnt gleich nebenan der Bau eines Arkadengebäudes mit Geschäftsflächen“, schaut er voraus. 2020 soll das Quartier fertig sein. Saint-Gobain bezeichnet sich als weltweit führenden Anbieter auf den Märkten des Wohnens und Arbeitens. Es vertreibt, entwickelt und produziert Baustoffe wie Rigipsplatten, Dämmmaterialien und Glas. Ein in der Region bekannter Teil der Unternehmensgruppe ist der Baustoffhändler Raab Karcher.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Die neue Firmenzentrale, in die das Unternehmen 20 Millionen Euro investiert, ist als L-förmiges Gebäude mit gläsernen Auskragungen und dunkelgrauer Natursteinfassade entworfen. Diese Materialien stammen vom Bauherrn. Im siebengeschossigen Haus mit 5050 Quadratmetern Mietfläche werden auch das Betriebsrestaurant, ein öffentliches Bistro sowie die Akademie des Unternehmens Platz finden. „Da lernen unsere 400 Auszubildenden“, sagt Geschäftsführer Dieter Babiel, der gestern noch einen weiteren Grund zur Freude hat: Das Nachrichtenmagazin „Focus“ hat auf Basis anonymer Mitarbeiter-Befragungen Saint-Gobain als besten Arbeitgeber im Großhandel ausgezeichnet. Baubeginn war im September, bisher stimmt der Zeitplan. Die Arbeiten sollen noch dieses Jahr abgeschlossen sein. Babiel: „Wir haben fest vor, hier unsere Weihnachtsfeier auszurichten.“

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